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Foto: Privat
Prof. Dr. Otmar Pachinger Universitätsklinik für Innere Medizin III Kardiologie an der MedUni Innsbruck
 
Kardiologie 22. Juni 2010

Wenige Fälle – geringere Qualität

Kardiologen befürchten Verschlechterung der Herzinfarkt-Versorgung durch zusätzliche Katheter-Labors.

„Wir beobachten zurzeit eine alarmierende Fehlentwicklung: In vielen Regionen Österreichs wird die Errichtung zusätzlicher Herzkatheter-Labors angestrebt, angeblich, um die Versorgung zu optimieren. Tatsächlich birgt diese Entwicklung jedoch die Gefahr einer Verschlechterung der Versorgungsqualität in Österreich“, so Prof. Dr. Otmar Pachinger, Universitätsklinik für Innere Medizin III Kardiologie an der MedUni Innsbruck, anlässlich der Jahrestagung 2010 der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

 

Die Therapie des akuten Herzinfarktes ist in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie klar formuliert: Die optimale Therapie-Option ist die PCI (perkutane Koronarintervention), die mechanische Öffnung des Gefäßes mit anschließender Ballondilatation und Stent-Implantation mittels Herzkatheter. PCI ist besser als die Lyse, das medikamentöse Auflösen eines Blutpfropfs. „Diese Richtlinien müssen regional umgesetzt werden. In Österreich ist dies bisher sehr erfolgreich geschehen“, so Pachinger. Zusätzliche Labors, wie sie vielfach gefordert werden, seien allerdings nicht die Lösung. „Eine Zunahme von Low-Volume-Zentren mit niedriger Fallzahl wäre gesundheitspolitisch hochproblematisch und muss österreichweit verhindert werden“, warnt Pachinger. „Wenn wir Mediziner dieses gesundheitspolitische Problem nicht zu lösen versuchen, dann werden es andere administrative Organe tun und erklären, wie wir intervenieren sollen. Das wäre nicht zum Besten der Infarktpatienten.“

Stichhaltige Argumente

Gegen Einrichtungen mit niedrigen Fallzahlen sprächen eine Reihe von stichhaltigen Argumenten, so Pachinger: „Sehr viele der geplanten Zentren werden solche mit niedrigen Fallzahlen sein, wo zu wenige Patienten behandelt werden, um ausreichend Erfahrung in der Akuttherapie des Herzinfarkts zu sammeln. Die Ergebnisse von Low-Volume-Zentren sind messbar schlechter als die von spezialisierten Einheiten. Die Sterblichkeit beim STEMI (Infarkt mit Hebung der ST-Strecke, die den O2-Mangel anzeigt) nach PCI beträgt in spezialisierten Zentren 3,3 Prozent, in Low-Volume-Zentren hingegen sechs Prozent. Außerdem ziehen neue Zentren mit geringen Fallzahlen Patienten von spezialisierten Einheiten ab, wodurch diese an Erfahrung einbüßen. Zusätzliche Zentren bedeuten auch einen wirtschaftlichen Konflikt zwischen adäquater, evidenzbasierter high-quality-Betreuung und medizinischer Geschäftemacherei. Um wirtschaftlich überleben zu können, müssen gering frequentierte Zentren ihre Leistungen forcieren und Tests, Eingriffe und Interventionen pushen, die nicht unbedingt erforderlich sind. Wichtiger ist vielmehr, die Erreichbarkeit spezialisierter Einheiten zu optimieren. Die derzeit existierenden Katheter-Labore sind weitgehend flächendeckend so verstreut, dass fast alle Infarkt-Patienten innerhalb der geforderten 120 Minuten einer Akutintervention zugeführt werden können.“

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