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Kardiologie 30. März 2010

„Normale“ Hormonwerte erhöhen die Sterblichkeit

Grazer Forscher entdeckten den relativen Aldosteronüberschuss.

Bisher als normal interpretierte Werte von Aldosteron, einem Hormon für die Regelung des Salz- und Wasserhaushaltes, sind mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herz- und Gefäßschäden, plötzlichem Herztod und tödlichem Schlaganfall verbunden. Dies konnte ein Forscherteam der MedUni Graz nachweisen.

Aldosteron wird in den Nebennieren produziert und ist über seine Wirkung in der Niere bei der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes entscheidend beteiligt. Ein absoluter Überschuss dieses Hormons (primärer Hyperaldosteronismus) liegt bei rund fünf bis zehn Prozent aller Bluthochdruckpatienten vor. Typisch für diesen Aldosteronüberschuss ist ein medikamentös schwer einstellbarer Bluthochdruck. Mittel- bis langfristig führt der absolute Aldosteronüberschuss zu einem massiv erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Als Behandlungsoptionen kommen Medikamente, die die Aldosteronwirkung blockieren, aber auch eine operative Entfernung der Nebenniere in Frage.

Einem Grazer Forscherteam gelang es nun, aus den Daten von über 3.300 Patienten der LURIC-Studie einen Zusammenhang zwischen sowohl erhöhten als auch bisher als normal betrachteten Aldosteronwerten mit einer erhöhten Sterblichkeit an Schlaganfall und plötzlichem Herztod nachzuweisen. „Zudem zeigte sich, dass vor allem Menschen mit einer Vorschädigung der Gefäße, zum Beispiel jene mit Bluthochdruck oder eingeschränkter Herzfunktion, besonders von der schädigenden Wirkung des Aldosterons betroffen sind. Schließlich konnte auch erstmals ein starker Zusammenhang zwischen dem Salzhaushalt und den schädigenden Effekten des Aldosteron auf Gefäße nachgewiesen werden“, fasst Dr. Andreas Tomaschitz die Ergebnisse zusammen.

Mit der Entdeckung dieses relativen Aldosteronüberschusses und seinen Auswirkungen ist der Weg zur weiteren Erforschung schädigender Aldosteroneffekte und von Effekten einer medikamentösen Aldosteronblockierung geebnet. Der moderne Lebenswandel, verbunden mit hohem Salzkonsum und Übergewicht, führt zu einer Regulationsstörung des Aldosteron-Systems und in weiterer Folge zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen.

Betroffene Patienten können nun nach oft jahrelanger Ungewissheit eine verbindliche Diagnose und eine entsprechende Therapie erhalten.

 

 

Quelle: Tomaschitz, T. et al.: European Heart Journal 2010; doi: 10.1093/eurheartj/ehq019

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 13 /2010

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