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Foto: flickr / Endlisnis
Wie beim Limbo wird es auch in der Therapie umso schwieriger, je striktere Vorgaben eingehalten werden sollen.
 
Kardiologie 23. März 2010

Wie tief muss die Latte gelegt werden?

Vorhofflimmern: Weniger strikte Kontrolle der Herzfrequenz ist ohne Nachteil für die Patienten.

Bei Vorhofflimmern kann die Behandlung künftig wesentlich einfacher werden – zumindest dann, wenn sich die Ärzte für eine Frequenzkontrolle als Behandlungsstrategie entschieden haben.

 

Frequenzkontrolle durch Hemmung der schnellen Erregungsüberleitung im AV-Knoten, etwa mit Betablockern oder Kalziumantagonisten, ist heute bei vielen Patienten mit Vorhofflimmern die primäre Therapie zur Verbesserung ihrer Symptome. Wie strikt die Frequenzkontrolle sein sollte, ist allerdings unklar. Leitlinien empfehlen eine Ruheherzfrequenz zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute.

Patienten behandeln, nicht Symptome

Ob eine höhere Frequenz für die Patienten wirklich prognostisch von Nachteil ist, war unklar. Niederländische Kardiologen haben deshalb in der RACE-II-Studie (Rate Control Efficacy in Permanent Atrial Fibrillation: a Comparison between Lenient versus Strict Rate Control) 614 Patienten mit permanentem Vorhofflimmern in zwei Gruppen aufgeteilt. In der einen Gruppe wurde entsprechend den Leitlinien eine Ruheherzfrequenz von unter 80 Schlägen pro Minute angestrebt, in der anderen Gruppe hingegen waren es unter 110 Schläge pro Minute. Nach drei Jahren zeigte sich, dass die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse (Tod, Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Embolien, Blutungen, lebensbedrohliche Arrhythmie) in der Gruppe mit weniger strikter Kontrolle tendenziell niedriger war als in der leitliniengerecht behandelten Gruppe (12,9 gegenüber 14,9 Prozent). Bei strikter Kontrolle lag die Herzfrequenz im Schnitt bei 76 Schlägen, bei weniger strikter Therapie waren es 93 Schläge pro Minute. In ihrer Wirkung auf die Symptome erwiesen sich beide Strategien als gleichwertig.

„Wir sollten Patienten behandeln, nicht die Herzfrequenz“, meinte Studienleiterin Dr. Isabelle van Gelder aus Groningen. Lassen sich also die Symptome mit einer Frequenzkontrolle, bei der die Ruheherzfrequenz unter 110 Schlägen liegt, gut beherrschen, sei diese Behandlung ausreichend.

 

Van Gelder, I. et al.: New England Journal of Medicine 2010; doi: 10.1056/NEJMoa1001337

ACC-Kongress 2010 des American College of Cardiology, Atlanta, USA, 14. bis 16. März 2010

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