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Foto: Privat
Prof. Dr. Irene Lang Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUni Wien
 
Kardiologie 23. März 2010

Kardiologie muss wieder attraktiv werden

In der österreichischen Bevölkerung sollte das Interesse für kardiologische Forschung geschürt werden, um von privater Seite finanziell unterstützt zu werden, sagt ÖKG-Präsidentin Prof. Dr. Irene Lang im Gespräch mit der Ärzte Woche.

Die neue Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft ÖKG ist Prof. Dr. Irene Lang. Sie steht damit als dritte Frau in der Geschichte der Gesellschaft an der Spitze der heimischen Herzspezialisten.

 

Über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Herzforschung sprach die Kardiologin mit der Ärzte Woche.

 

Sie haben Ihr Amt als Präsidentin in einer sehr männerdominierten medizinischen Fachdisziplin, der Kardiologie, angetreten. Wird die Gender-Thematik eine wesentliche Rolle spielen?

Lang: Ich werde mich gemeinsam mit dem ÖKG-Vorstand auf wichtige Themen konzentrieren. Heuer fokussieren wir uns wissenschaftlich auf eine Erkrankung, die gehäuft bei Frauen vorkommt: Es handelt sich um die Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Funktion. Unsere Jahrestagung wird mit zahlreichen Diskussionen und Beiträgen, auch von internationalen Experten, diesem Thema gerecht werden und sich dem „steifen Herz“ widmen.

 

Wo werden die weiteren Schwerpunkte der Jahrestagung liegen?

Lang: Anlässlich der Jahrestagung werden in der Meilensteinsitzung die neuesten Trends im Bereich der Kardiologie beleuchtet. Eine gemeinsame Sitzung der ÖKG und des ESC widmet sich unter dem Titel „Guidelines and the Real World“ den europäischen Leitlinien und Prof. Dr. Peter Probst wird einen Rückblick auf die Koronarintervention in Österreich bringen, die bereits auf eine drei Jahrzehnte lang dauernde Geschichte zurückblickt.

 

Welche gesundheitspolitischen Ziele möchten Sie als Präsidentin angehen?

Lang: Die Umsetzung der Guidelines ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen. Gemeinsam mit unseren deutschen Kollegen wollen wir die Implementierung der Leitlinien vorantreiben.

Wir haben etwa ein Positionspapier herausgegeben über das Lipidmanagement und eine Stellungnahme zum Einsatz von Generika formuliert.

 

Das Thema Herzkatheter-Versorgung ist ja auch ein Dauerbrenner.

Lang: Im Hinblick auf die gesellschaftspolitischen Themen ist wieder die flächendeckende Versorgung mit Herzkatheter-Einrichtungen ein wesentlicher Punkt. Hier spielt die Landespolitik in den einzelnen Bundesländern eine große Rolle, wie wir unlängst in Oberösterreich sehen konnten. Eine eigens gegründete Task-Force der ÖKG soll den perkutanen Klappenersatz regulieren. Eine weitere Task-Force wurde für die Telemedizin geschaffen: Viele tausend Patienten mit Herzschrittmachern und implantierbaren Defibrillatoren können so betreut werden, ohne eine Ambulanz aufsuchen zu müssen. Die Telemedizin ist daher in der kardiologischen Praxis ein wichtiges Thema, das auch in den juristischen Bereich hineinreicht, ob etwa ein Anrufbeantworter einen Arzt in bestimmten Situationen ersetzen kann und auch darf.

 

Wie gestaltet sich die Kooperation mit der Herzchirurgie?

Lang: Die enge Verbindung mit den herzchirurgischen Kollegen ist ebenso hervorzuheben. Anlässlich der Übernahme des Ordinariats für Herzchirurgie am Wiener AKH durch Prof. Laufer gestalten wir ein gemeinsames Doktoratsprogramm an der Medizinischen Universität Wien, das der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses dienen soll. Die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar, wir treffen auch im Katheterlabor aufeinander und implantieren perkutane Aortenklappen. Die beiden Fachbereiche sind sehr eng miteinander verwoben.

 

Gibt es neue Erkenntnisse im Bereich der pulmonalen Hypertension?

Lang: Es ist dies ein sehr dynamisches Feld. Neben den derzeit bestehenden Therapieformen mit Bosentan, Sildenafil und Prostazykline werden uns die nächsten Jahre neue Substanzen bewegen. So ist etwa der sGC (soluble Guanylate Cyclase) Stimulator Riociguat interessant. Auch ein neues Prinzip eines oralen Prostazyklinrezeptor-Aktivators ist in laufenden Studien in Erprobung.

 

Wie sieht es mit dem kardiologischen Nachwuchs aus?

Lang: Die jungen Kollegen sind der ÖKG ein großes Anliegen. Im Rahmen der neugegründeten Herzstiftung können wir junge Forscher, die in der Herzkreislaufforschung tätig sind und damit wichtige Basisarbeit in Österreich leisten, unterstützen.

 

Was würden Sie sich in dieser Hinsicht als Präsidentin für die Zukunft wünschen?

Lang: Ich würde mir wünschen, dass wir uns gesellschaftlich genauso gut positionieren können, wie es die Krebsforscher tun. Der Herztod wird öffentlich nicht verbalisiert. In Wien etwa funktioniert die Rettungskette dermaßen gut, dass es schon langweilig scheint, darüber zu berichten. Dies macht die Sache unspektakulär. Keiner dreht sich mehr um, keiner möchte mehr sponsern. Dies wäre aber wichtig, da es die Zukunft der österreichischen Herzforschung und damit langfristig Qualität und Innovation sichert. Wir lassen unsere Jungen weggehen, wir können sie nicht mehr zahlen. Eine private Spenderschaft fehlt uns. Studien laufen nur über die Wirtschaft. Die Zusammenarbeit ist zwar gut, allerdings auch stark reglementiert. Es muss für Herz-Kreislaufforschung in der Bevölkerung Interesse geschürt werden, um von privater Seite finanzielle Unterstützung zu bekommen.

 

Das Gespräch führte Dr. Ronny Tekal-Teutscher

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