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Kardiologie 2. März 2010

Bypass und Lebensqualität

Studie fordert mehr Rehabilitationsprogramme für junge kardiale Patienten.

Chronische Herzerkrankungen wirken sich auf die Lebensqualität drastisch aus. Eine Bypass-Operation soll die Lebensqualität verbessern, die Genesung danach ist aber ein komplexer Prozess. Speziell die erste Zeit danach empfinden Patienten als beunruhigend, auch wenn diese Phase als erster Schritt zurück zur Gesundheit gesehen wird. Eine finnische Studie untersuchte an Bypass-Patienten Änderungen in der Lebensqualität und versuchten damit zusammenhängende Faktoren zu identifizieren.

 

Gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) setzt sich aus den drei Komponenten physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden zusammen. Bekannt ist, dass die präoperative HRQoL mit der postoperativen HRQoL assoziiert ist: Je besser sie vor der Operation ist, desto besser ist sie nach der Operation. Allerdings ist die HRQoL-Verbesserung bei Patienten mit gutem präoperativen physischem und mentalem Status geringer. Emotionale Belastung hat einen statistisch signifikanten negativen Einfluss auf die Lebensqualität ein Jahr nach der Operation. Zudem wurde gezeigt, dass Herzerkrankungen und koronare Bypass-OP (CABG) auch mit der HRQoL naher Angehöriger assoziiert sind. Soziale Unterstützung ist in Situationen der Lebensveränderung positiv, wobei sich diese aus Affekt im Sinne von Anerkennung, Bewunderung, Respekt und Zuneigung, Bestätigung und Hilfe zusammensetzt. Gemessen wurden die gesundheitsbezogene Lebensqualität anhand von 15 Dimensionen.

Signifikante Veränderungen

Insgesamt war die Veränderung der HRQoL bei Patienten und deren nächsten Angehörigen während der einjährigen Nachbeobachtungszeit signifikant. Sie war am niedrigsten einen Monat nach der Operation und verbesserte sich kontinuierlich während der folgenden elf Monate. Signifikante Veränderungen wurden in den Dimensionen Atmen, Schlafen, Alltagsaktivitäten, Depression, Belastung, Vitalität und sexuelle Aktivität festgestellt. Die Verbesserung der Bewältigungsmechanismen im täglichen Leben war bei den Patienten größer als bei den Angehörigen. Der Unterschied zwischen dem Patienten und dem nächsten Angehörigen war statistisch signifikant besser zugunsten des Patienten in den Dimensionen Bewegen, Sehen, Hören, Atmen, Sprache, tägliche Aktivitäten, mentale Funktionen, Vitalität und sexuelle Aktivität. Keiner der Hintergrundfaktoren – Geschlecht, Alter, andere Erkrankungen, präoperative NYHA Klasse oder das Vorliegen kardialer Symptome – war mit einer Veränderung der HRQoL verbunden. Andere Krankheiten und das Auftreten kardialer Symptome waren jedoch mit dem Grad der HRQoL verbunden. Bei den nächsten Angehörigen ergab sich ein Zusammenhang zwischen Zuwendung, die sie von den Stationspflegepersonen erhielten, und der HRQoL, wobei dieser Zusammenhang negativ war: Je weniger Zuwendung sie erhielten, desto höher schätzten die nächsten Angehörigen ihre HRQoL ein. Die Verbesserung der HRQoL bei Patienten nach CABG war klinisch wichtig, während sie bei den nächsten Angehörigen keine klinische Relevanz hatte. Es sei jedenfalls bedeutsam, jene Faktoren zu identifizieren, die eine Veränderung der HRQoL bewirken, um Patienten und ihre nächsten Angehörigen zu unterstützen. Auch die Identifikation von Patienten mit niedriger HRQoL sei eminent, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Jüngeren Patienten mit einer größeren Anzahl präoperativer Symptome sollten entsprechende Rehabilitationsprogramme angeboten werden und ältere nächste Angehörige mit chronischen Krankheiten sollten stärkere Unterstützung von Gesundheitsmitarbeitern bekommen, schließen die Autoren.

 

Quelle: Rantanen et al.: JAN Vol. 65, No 9, September 2009: 1926-1936

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