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Kardiologie 1. Jänner 2010

Das Tako-Tsubo Syndrom: eine wichtige Differentialdiagnose bei akutem Brustschmerz

HINTERGRUND: Bei der Tako-Tsubo Kardiomyopathie (TTK) handelt es sich um ein akutes kardiales Krankheitsbild mit Auftreten eines akuten Thoraxschmerzes nach vorangegangener Stressexposition. Elektrokardiographisch finden sich Zeichen einer Myokardischämie oder eines Myokardinfarktes, echokardiographisch liegt eine meist apikale reversible Wandbewegungsstörung vor. Im Gegensatz zum Myokardinfarkt zeigt das Koronarangiogramm unauffällige Koronararterien. Die TTK wurde erstmals in Japan Anfang der 90iger Jahre beschrieben. Zunehmend wurde dieses überwiegend bei älteren Frauen auftretende akute Krankheitsbild auch in anderen Ländern festgestellt, wobei bis zu 2% aller suspizierten ST-Hebungs-Myokardinfarkte betroffen sind. Abgesehen von Fallberichten liegen diesbezüglich jedoch keine Daten aus Österreich vor.

PATIENTEN UND METHODEN: Wir analysierten Häufigkeit, diagnostische Charakteristika und den klinischen Verlauf von Patienten mit TTK, die in einem Zeitraum von 4 Jahren (2004–2008) akut an unserer kardiologischen Abteilung aufgenommen wurden. Die Diagnose wurde aufgrund der typischen reversiblen Wandbewegungsstörung im Ventrikulogramm und Echokardiogramm bei Fehlen von signifikanten Koronarstenosen gestellt. Unter den in diesem Zeitraum einer Herzkatheteruntersuchung unterzogenen 448 Patienten mit Verdacht auf akuten ST-Hebungsinfarkt (STEMI) und 963 Patienten mit Nicht-ST Hebungsinfarkt (NSTEMI) wurde bei 31 Patienten (2,2%) eine TTK diagnostiziert.

RESULTATE: Patienten mit TTK waren überwiegend postmenopausale Frauen (90,3% Frauen, Durchschnittsalter: 75 ± 10,2 Jahren). Leitsymptom bei der Aufnahme waren akute Brustschmerzen bei 24 Patienten (77,4%), Atemnot bei 10 Patienten (32,3%) und Hypotension bei einem Patienten (3,2%). Bei 24 Patienten (77,4%) ging der Manifestation starker emotionaler (n = 9, 29%) oder physischer Stress (n = 15, 48,4%) voraus. Akute ST Hebungen fanden sich bei 13 Patienten (42%) und isolierte ST/T Wellen Veränderungen bei 18 Patienten (58%). Alle Patienten wiesen einen passageren Anstieg der kardialen Nekrosemarker auf. Eine signifikante Koronarstenose konnte bei keinem Patienten koronarangiographisch nachgewiesen werden. Nach einem durchschnittlichen klinischen Follow-up von 172,4 (± 342,8) Tagen waren 3 Patienten an nicht kardialer Ursache verstorben, eine weitere Patientin musste 13 Monate nach dem Indexereignis erneut wegen einer TTK hospitalisiert werden.

SCHLUSSFOLGERUNG: Die klinische Symptomatik sowie die elektrokardiographischen Veränderungen der TTK simulieren das Erscheinungsbild eines akuten Myokardinfarkts. Hinweise für das Vorliegen einer TTK sind eine vorangegangene Stressexposition bei älteren Frauen, die typische Wandbewegungsstörung im Echokardiogramm und der nur geringe Anstieg der kardialen Nekrosemarker. Die Durchführung einer Akut-Koronar-angiographie sollte möglichst rasch erfolgen, um einen akuten koronararteriellen Verschluss auszuschließen und um eine inadäquate Behandlung wie z.B. eine Thrombolyse zu vermeiden.

Daniela Primetshofer, Rusudan Agladze, Horst Kratzer, Johann Reisinger, Peter Siostrzonek, Wiener klinische Wochenschrift 1/2/2010

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