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Kardiologie 19. Februar 2010

Optimierung von ICD und CRT-ICD durch vereinfachtes VT-Management

Franz Xaver Roithinger, Mödling

RELEVANT-Studie

Für Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz auf der Basis einer nicht-ischämischen Kardiomyopathie und Linksschenkelblock konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT-Therapie) die Herzinsuffizienzsymptomatik signifikant verbessert. In einer Studie (SCD-HefT) war die Therapie mit einem implantierten Kardioverter-Defibrillator (ICD) in dieser Patientenpopulation die einzig effektive Methode zur Prävention des Plötzlichen Herztodes. Unklar ist, ob verschiedene Programmierungen des ICD oder CRT-ICD Auswirkungen auf die Symptomatik und Prognose der Patienten haben. Auf der einen Seite werden ICD-Schocks häufig gleichgesetzt mit dem Surrogat der erfolgreichen Prävention des Plötzlichen Herztodes, auf der anderen Seite beeinflussen häufige, teils inappropriate Entladungen relevant die Lebensqualität der Herzinsuffizienz-Patienten.

Programmierung zu rascher Therapie versus Abwarten

In der RELEVANT-Studie wurden 324 Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie und Indikation zur CRT-ICD-Therapie eingeschlossen. 160 Patienten erhielten ein CRT-ICD System mit konventioneller Programmierung (Therapie dann, wenn 12 von 16 RR-Intervallen die programmierte Schwelle unterschritten, das heißt im Wesentlichen rasche Therapie durch Überstimulation oder Schock kurz nach Beginn der Tachykardie). 164 Patienten erhielten ein technisch einfacheres System mit signifikant späterer Abgabe der Therapie (erst wenn 30 von 40 Intervallen die kritisch programmierte Schwelle für Überstimulation oder Schock unterschritten). Wie zu erwarten, war die Zeit bis zur ersten Therapie bei dem längeren Detektionsintervall hoch signifikant länger. Auch die Zahl der abgegebenen Therapien (Überstimulation oder Schocks) war bei längerem Zuwarten signifikant geringer (36 Überstimulationen, 22 Schocks), verglichen mit der konventionellen Programmierung (289 Überstimulationen, 59 Schocks), betreffend sowohl adäquate als auch inadäquate Therapien (z. B. wegen Vorhofflimmern). Die Hospitalisierungsrate war bei der Strategie mit längerem Zuwarten bis zur Therapie signifikant geringer, ohne einer Zunahme von Synkopen oder Tod und ohne Unterschied in der Prognose der Patienten (1,8 versus 1,9 % Mortalität pro 100 Patientenjahren).

Weitere Fragen

Obwohl die Patienten nicht hinsichtlich Therapiestrategie randomisiert waren und die Ergebnisse durch andere Programmierungen bestätigt werden sollten, ist die Studie aus verschiedenen Gründen RELEVANT und gibt gleichzeitig Anlass zu weiteren Fragen:

 

  • Eine ICD-Therapie ist NICHT gleichzusetzen mit der erfolgreichen Prävention des Plötzlichen Herztodes.
  • Viele Tachyarrhythmien bei Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie terminieren spontan – sowohl ventrikuläre als auch supraventrikuläre Arrhythmien.
  • Das Zuwarten bis zur Therapieabgabe in dieser Patientenpopulation bewirkt daher eine signifikante Abnahme der adäquaten und inadäquaten Therapien UND der Hospitalisierungen, OHNE die Patienten zu gefährden.
  • Welchen Anteil hat die ICD-Komponente an der exzellenten Prognose dieser Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie unter CRT-Therapie wirklich?
  • “Keep it simple“ kann auch bei komplexen technischen Systemen eine geniale Strategie sein!
Zur Person
Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger
Interne Abteilung
Landesklinikum Thermenregion Mödling
Sr. M. Restituta-Gasse 12
2340 Mödling
Fax: ++43/2236/204-229
E-Mail:
http://www.moedling.lknoe.at

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