zur Navigation zum Inhalt
Abb. 1: Der erste implantierbare Herzschrittmacher (Elmquist und Senning, 1958). Zu erkennen sind die große Batterie und zwei Transistoren damaliger Bauart sowie mehrere Kondensatoren (für Periodendauer und Impulsbreite).
 
Kardiologie 19. Februar 2010

50 Jahre Herzschrittmacher

50-jährige Evolution/Erfolgsgeschichte

Die elektrische Stimulation des Herzens hat eine lange und faszinierende Vorgeschichte. Die Entwicklung der modernen Schrittmachertherapie wurde möglich durch Fortschritte auf verschiedenen Gebieten: pathologische Anatomie, Pathophysiologie, Chirurgie, Elektrotechnik etc. Das zunehmende Verständnis der Natur der Herzrhythmusstörungen war in diesem Zusammenhang ebenso wichtig wie allgemeine Entwicklungen der Zeit. Beispielsweise haben die Fortschritte in Transistortechnik (1948) und die Weltraumtechnologie wichtige Beiträge geleistet. So sind es zahlreiche Einzelleistungen, Entwicklungen und Intentionen, die zum heutigen Herzschrittmacher und seinen indikationsbezogenen Anwendungen geführt haben.

Erster elektrischer Taktgeber

Der New Yorker Arzt Albert Hyman erprobte 1927 erstmals ein Gerät zur Abgabe periodischer Stromimpulse, das er erfolgreich zur Wiederbelebung eingesetzt hatte. Das Schrittmachersystem wurde von seinem Erfinder im Hinblick auf den natürlichen Taktgeber des Herzens als „künstlicher Schrittmacher“ (Artificial Pacemaker) bezeichnet, ein Terminus, der auch heute noch üblich ist. Zoll et al. aus Boston übertrugen diese Erkenntnisse auf die Klinik und legten 1956 den ersten positiven Behandlungsbericht mit Elektrodenapplikation am äußeren Thorax vor. Es waren schließlich S. Furman und G. Robinson, die 1958 erstmals den transvenösen Zugang für den noch immer extrakorporal gelegenen Impulsgeber beschrieben.

Erste implantierbare Systeme

Mit der ersten komplett implantierbaren von außen aufladbaren Batterie und dem ersten batteriebetriebenen Schrittmacher konnte die Gefahr schwerer Me-diastinalinfektionen beherrscht werden. Der schwedische Herzchirurg Åke Senning vollendete 1958 in Zusammenarbeit mit dem Physiker Rune Elmquist die Arbeiten am ersten vollständig implantierbaren Schrittmacher. Der erste Patient, dem dieser Schrittmacherprototyp am 8. Oktober 1958 im Karolinska Sjukhuset in Stockholm implantiert wurde, war ein 43-jähriger Elektroingenieur namens Arne Holger Wilhelm Larsson (Abb. 1).

Erster vollständig implantierter Schrittmacher

Aufgeladen wurde das Aggregat von außen; die Frequenz konnte variiert werden. Mittels Thorakotomie wurde die epimyokardiale Elektrode implantiert. Endlich war somit das Ziel erreicht, Schrittmacherelektroden vollständig zu implantieren, auch wenn für die Aufladung der Akkumulatoren eine Verbindung nach außen verblieb. Die Laufzeit dieser ersten unförmigen Schrittmacheraggregate betrug zwischen 15 und 20 Minuten. Das System war nicht imstande, auf wiederkehrende Herzeigenaktionen zu reagieren. Dem Aggregat wurde später die Bezeichnung „festfrequenter“ oder „asynchroner“ Schrittmacher gegeben. Senning und Elmquist hatten allerdings noch nicht erkannt, welche Entwicklung sie mit dem 8. Oktober 1958 einleiteten, nämlich die Initiierung eines neuen Therapieverfahrens, das später für Millionen von Patienten von großer Hilfe oder sogar von lebensrettender Bedeutung sein sollte.

Erster Patient trotz Nachoperationen mit dem Schrittmacher glücklich

Larsson selber erfuhr alle nur denkbaren Komplikationen, die die Schrittmachertherapie beinhalten konnte. Er musste zwischen Oktober 1958 und Dezember 2001 24 chirurgische Eingriffe hinnehmen. Er erhielt insgesamt 5 Elektrodensysteme, 22 Impulsgeneratoren von gesamtheitlich 11 verschiedenen Schrittmachermodellen. Die Bedeutung des grandiosen Ereignisses vom 8. Oktober 1958 konnte kaum jemand besser charakterisieren als der famose erste Patient selbst. Anlässlich des Internationalen Symposium „Progress in Clinical Pacing“ in Rom im Dezember 2000 sagte A. Larsson: „What was done 1958 in Stockholm, with help of doctors Senning and Elmquist – and in a small way by myself – was a sensation. Today you don’t think of a pacemaker implantation as something sensational. Well, ladies and gentlemen, then you are wrong. It is still a sensation – for the patient!”

Heutige Systeme

Den ersten festfrequenten Systemen folgten der vorhofsynchrone Schrittmacher (VAT), der Kammerbedarfsschrittmacher (VVI) und der sogenannte physiologische DDD-Schrittmacher und frequenzadaptive Systeme.

 

Zahlreiche Fortschritte hinsichtlich der Lebensdauer, der Batteriefunktion, der Miniaturisierung und der Zusatzfunktionen einschließlich der ICD-Systeme haben heute die Schrittmacher-Therapie zu einer ungeahnten Perfektion geführt.

Zur Person
Prof. em. Dr. med. Dr. h.c. Berndt Lüderitz
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
53105 Bonn
Deutschland
Fax: ++49/228/287 11905
E-Mail:

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben