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Kardiologie 9. Februar 2010

Lebensmittel mit Nebenwirkung

Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel stellen bei Einnahme mit Blutgerinnungshemmern ein Gesundheitsrisiko dar. Darauf macht das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aufmerksam.

Medikamente, die Glucosamin (Glucosaminhydrochlorid oder -sulfat) enthalten, werden bei Kniegelenksarthrosen verschrieben. In geringeren Dosierungen kann das Mittel als Nahrungsergänzungsmittel an den Kunden gebracht werden. In einer aktuellen Bewertung stuft die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die tägliche Aufnahme von 750 mg Glucosamin für gesunde Personen als sicher ein und sieht keine mögliche Wechselwirkung mit Warfarin. Das BfR sieht das anders.

Diabetiker werden im Fall von glucosaminhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln explizit darauf hingewiesen, dass vor dem Konsum eine Abklärung mit dem behandelnden Arzt stattfinden soll. Weitere Risikogruppen werden von der EFSA jedoch nicht angeführt. Das BfR hatte hingegen schon 2008 den Standpunkt vertreten, dass auch Patienten mit einem bekannten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Personen unter Therapie mit Cumarin-Antikoagulanzien sich durch Einnahme niedrigdosierter Glucosaminpräparate gesundheitliche Schäden einhandeln können.

Nach der neuen EFSA-Bewertung hat nun das BfR rezente wissenschaftliche Erkenntnisse in eine erneute Überprüfung einfließen lassen und kommt dennoch wieder zum Schluss: Bei gemeinsamer Zufuhr von Glucosamin mit Cumarin-Antikoagulanzien, die Warfarin oder Acenocumarol enthalten, besteht das Risiko einer unerwünschten Verstärkung der blutgerinnungshemmenden Wirkung von Cumarin-Antikoagulanzien. „Zu dem Wirkstoff Phenprocoumon, der ebenfalls zur Gruppe der Cumarin-Antikoagulantien zählt, liegen dem BfR gegenwärtig keine Fallberichte vor“, wird präzisiert. Das BfR erachtet Maßnahmen zum Schutz dieser Personen bei einer Tageszufuhr von 390-790 Milligramm isoliertem Glucosamin für notwendig und rät Verbrauchern mit Cumarin-Antikoagulanzien vom Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln, die die genannten Mengen an isoliertem Glucosamin als Tagesration enthalten, ab.

Hinsichtlich des Gefahrenpotenzials ist die Rede von Änderungen des INR-Wertes (International Normalized Ratio), „meist eine Erhöhung des Wertes, in wenigen Fällen auch eine Erniedrigung. Erhöhte INR-Wert sind Ausdruck einer Verminderung der Blutgerinnungsfähigkeit bzw. einer Verstärkung der antikoagulierenden Wirkung von Cumarin-Antikoagulanzien. Die Blutgerinnungszeit ist hierbei in einem Testverfahren verlängert. Bei Zufuhr von Warfarin mit Glucosamin (ohne gleichzeitige Chondroitinsulfatzufuhr) waren erhöhte INR-Werte in einigen Fällen mit dem Auftreten von Blutungen, in einem Fall mit einer lebensbedrohlichen Blutung, verbunden.“

Kommt dazu, dass vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) bereits 2007 darauf hingewiesen wurde, dass „diese Substanz nur in hohen Dosierungen, wie sie in einem rezeptpflichtigen Arzneimittel üblich sind, [wirksam ist]. Nahrungsergänzungsmittel mit Glucosamin, die in Apotheken, Drogeriemärken sowie im Internet als Mittel bei Gelenksbeschwerden frei erhältlich sind, helfen nicht.“ Ob geringe Dosierungen von Glucosamin in Kombination mit Blutgerinnungshemmern weniger risikobehaftet sind, kann noch nicht beurteilt werden: „Ausreichende Daten zur Ableitung einer Dosis-Wirkungsbeziehung in Bezug auf mögliche Interaktionen von Glucosamin und Warfarin liegen nicht vor“, heißt es seitens des BfR. Dass es aber bei geringen Dosierungen keine Verdachtsmeldungen von gesundheitlichen Schäden gegeben hat, könne daran liegen, dass es keine Meldesysteme gibt, wie sie für Arzneimittel eingerichtet worden sind. Weiters müsse ein Arzt, dessen Patient Symptome entwickelt, auch erst darauf kommen, dass dies mit einem Nahrungsergänzungsmittel in Zusammenhang stehen kann.

Stellungnahme des BfR: www.bfr.bund.de/cm/208/glucosaminhaltige_nahrungsergaenzungsmittel.pdf

Von Mag. Patricia Herzberger, Ärzte Woche 6 /2010

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