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Foto: pixelio.de / tommyS
An Theorie besteht wahrlich kein Mangel, allein bei der Praxis hapert‘s.
 
Kardiologie 6. Oktober 2009

Prävention: Wissen ohne Umsetzung

Erkenntnisse müssen flächendeckend implementiert werden.

Univ.-Doz. Dr. Christoph Säly, Vorarlberg Institute for Vascular Investigation and Treatment, LKH Feldkirch, stellte rezente Studien-Highlights zu modernen Möglichkeiten der kardiovaskulären Prävention vor. Wie sich zeigt, findet das vorhandene Wissen in der Praxis immer noch zu wenig Niederschlag.

Zu den verschiedenen Aspekten der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse wurden im vergangenen Jahr zahlreiche klinisch wichtige neue Studien präsentiert. ADVANCE, ACCORD und VADT untersuchten mögliche Endpunktreduktionen durch eine besonders strikte Glukosekontrolle bei Typ-2-Diabetikern. „Das Fazit aus diesen Studien ist, dass die Glukosesenkung das Problem der makrovaskulären Diabetes-Komplikationen nicht lösen kann“, berichtete Säly.

Neue Daten zur Hypertonie-Behandlung liefert ACCOMPLISH, die erstmals den präventiven Effekt zweier Kombinationsregimes im Hinblick auf kardiovaskuläre Ereignisse verglich. Unter Benazepril plus Amlodipin resultierte bei gleicher Blutdrucksenkung wie unter Benazepril plus Hydrochlorothiazid eine signifikante Reduktion makrovaskulärer Endpunkte um 19,6 Prozent. Säly: „Der Kombination aus ACE-Hemmern und Kalziumantagonisten wird in Zukunft wohl größere Bedeutung zukommen.“

Einen Meilenstein in der Lipidtherapie markiert die JUPITER-Studie, an der klinisch gesunde Personen mit LDL-Werten <130 mg/dl, aber hohem hsCRP (≥2,0 mg/dl) entweder Rosuvastatin oder Placebo erhielten. Das Statin bewirkte eine signifikante 44-prozentige Reduktion des kombinierten primären Endpunkts aus Myokardinfarkt, Schlaganfall, arterieller Revaskularisation, Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris und kardiovaskulären Todesfällen. Einschränkend merkte Säly an, dass die hsCRP-Erhöhung in der JUPITER-Population niedriger war als bei Patienten mit stabiler KHK. Auch lag nur ein kurzer Follow-up vor. „Dennoch handelt es sich um die erste Studie, die den Effekt von Rosuvastatin in der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse beweist.“

Wissen und Wirklichkeit klaffen allerdings weit auseinander, wie die Querschnittsstudien EUROASPIRE I, II und III zeigen. Sie untersuchten in verschiedenen Zeitintervallen (1995–1996, 1999–2000, 2006–2007) in denselben europäischen Regionen und Kliniken die Betreuung von Koronarpatienten und belegen eine unvermindert katastrophale Unterversorgung gerade von Hochrisikopatienten. Die Bekämpfung der akuten myokardialen Ischämie ist ohne Behandlung der Ursachen sinnlos, wie Säly betonte. „Ein vorrangiges Ziel der Prävention muss daher die flächendeckende Umsetzung des vorhandenen Wissens sein.“

Von Mag. Harald Leitner, Ärzte Woche 41 /2009

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