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Foto: Ärzte-Woche-Montage
Hunderte Personen dürften hierzulande mit einer potenziellen Indikation zur Katheterablation leben.
 
Kardiologie 8. Oktober 2009

Österreichs schnelle Herzen einbremsen

Katheterablation: potente Option bei rekurrenten Kammertachykardien.

ICDs (Implantable Cardioverter Defibrillators) stellen einerseits ein Sicherheitsnetz für den Patienten dar, andererseits verschlechtert sich die Prognose parallel zur Häufigkeit der Schockabgabe. Doz. Dr. Helmut Pürerfellner, Krankenhaus der Elisabethinen Linz, plädierte anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie in Salzburg für einen häufigeren Einsatz der Elektroablation bei gegebener Indikation.

Untersuchungen wie ALTITUDE, die an 80.000 Patienten durchgeführt wurde, belegen bei ICD- und CRT-Defibrillator-Trägern (Cardiac Resynchronization Therapy) eine negative Assoziation zwischen der Häufigkeit der Systemaktivierungen und der Prognose. Pürerfellner berichtete über einen gesteigerten Anteil an Herzinsuffizienz in diesem Zusammenhang. „Es könnte sein, dass die Pumpfunktion durch die Schocks selbst schlechter wird.“ Insgesamt kann man davon ausgehen, dass 40 Prozent der Schocks unpassend sind, sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprophylaxe.

Im Rahmen ventrikulärer Tachykardien spielen Zonen mit langsamer Leitung zwischen Narbenarealen für die Entstehung von Reentry-Kreisläufen eine wichtige Rolle. „Wir können diese Mechanismen mit konventionellen und 3D-Mapping-Strategien heute gut charakterisieren“, so Pürerfellner. Mittels Katheterablation an den Grenzzonen der Narbe lässt sich die Tachykardie beenden.

Wie der Experte hervorhob, sind die Ergebnisse dieses Verfahrens inzwischen so gut, dass eine Implementierung auf breiterer Basis in Österreich sinnvoll wäre. Eine Studie an 231 Patienten mit rezidivierender Kammertachykardie ergab nach sechs Monaten bei zwei Drittel der Teilnehmer eine Reduktion der Symptomatik um mehr als 75 Prozent. „Man kann die Krankheitslast zwar nicht völlig eliminieren, aber hochsignifikant reduzieren“, definierte Pürerfellner den Stellenwert der Methode. Die Expertise stellt natürlich eine Voraussetzung dar, und Studien ermittelten mit drei Prozent eine gewisse Mortalität. „Meiner Erfahrung nach ist das Verfahren aber durchaus machbar und nicht hochriskant.“

Pürerfellner betonte, dass in Österreich derzeit zirka 250 bis 500 Personen mit einer potenziellen Indikation zur Katheterablation leben dürften. Aufgrund der zunehmenden Rate an ICD- und CRT-Defibrillator-Implantationen wird diese Zahl in den nächsten Jahren rasant ansteigen.

Ein aktuelles gemeinsames Konsensus-Statement der European Heart Rhythm Association und der amerikanischen Heart Rhythm Society empfiehlt Katheterablationen für Kammertachykardien bei einer Reihe an Indikationen. Die Ablation soll dabei relativ früh erfolgen, noch vor dem Auftreten multipler Tachykardieepisoden und wiederholter medikamentöser Behandlungsversuche.

Von Dr. Judith Moser, Ärzte Woche 41 /2009

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