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Foto: aboutpixel.de / blaues herz © kim czuma
 
Kardiologie 30. September 2009

Aktuelle Ausblicke bei Vorhofflimmern

Therapiestandards: Was bleibt und was kommt.

Unter den Rhythmusstörungen nimmt das Vorhofflimmern aufgrund seiner Häufigkeit einen prominenten Platz ein. Prof. Dr. Herwig Schmidinger von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der Medizinischen Universität Wien nahm anlässlich der heurigen Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖGK) Bezug auf rezente Forschungsergebnisse mit potenziellem Einfluss auf die Therapiestandards.

 

Der Euro Heart Survey liefert Evidenz zur verbreiteten Praxis, bei paroxysmalem Vorhofflimmern keine orale Antikoagulation zu verordnen. Patienten mit paroxysmalem, persistierendem und permanentem Vorhofflimmern wurden ein Jahr lang beobachtet. „Das Risiko für thromboembolische Ereignisse war unter allen drei Formen gleich hoch“, berichtete Schmidinger. „Der Subtyp der Rhythmusstörung sollte daher bei der Therapieentscheidung zur oralen Antikoagulation nicht berücksichtigt werden.“

Prognose und Verlauf

Weiters evaluierte der Euro Heart Survey Prognose und Krankheitsverlauf über ein Jahr. In diesem Zeitraum wurde bei 46 Prozent der Patienten mit „First-Onset“-Vorhofflimmern kein Rezidiv beobachtet. 80 Prozent der Teilnehmer mit paroxysmaler Symptomatik verblieben in ihrem Stadium. Ein persistierendes Vorhofflimmern wandelte sich in 30 Prozent in ein permanentes um. Bei permanentem Vorhofflimmern fand sich mit 8,2 Prozent eine höhere Mortalität als bei „First-Onset“-Symptomatik mit 5,7 Prozent.

Rezenten Daten zufolge ist der Vorhof-selektive Kalium- und Natrium-Kanal-Blocker Vernakalant-Hydrochlorid ein effektives und gut verträgliches Antiarrhythmikum zur raschen Konversion bei kurz dauerndem Vorhoffflimmern. In einer randomisierten Phase-III-Studie bewährte sich die Substanz im Vergleich zu Placebo in einer Dosis von 3 mg/kg gefolgt von 2 mg/kg nach 15 Minuten. Als Nebenwirkungen wurden Geschmacksstörungen und Niesen beobachtet; bei drei Patienten resultierten Hypotonie, AV-Block 3. Grades und kardiogener Schock. Schmidinger: „Es kam nicht zum Auftreten signifikanter EKG-Veränderungen.“

Arrhythmie aufrechterhalten

Vorhofflimmern induziert in beiden Vorhöfen und in den Pulmonalvenen signifikante Änderungen der elektrophysiologischen Eigenschaften, wobei diese in den Pulmonalvenen wesentlich stärker ausgeprägt sind. Die Folge ist eine Aufrechterhaltung der Rhythmusstörung („Vorhofflimmern erzeugt Vorhofflimmern in den Pulmonalvenen.“) Die prospektive, randomisierte Multicenterstudie PABA-CHF etablierte die Effektivität einer Pulmonalvenenisolation (PVI) bei Patienten mit symptomatischem, therapierefraktärem Vorhofflimmern und reduzierter Auswurffraktion (≤ 40 %). „Wie die Studie zeigte, ist die PVI einer His-Ablation mit CRT-Pacing überlegen“, resümierte Schmidinger.

Von Mag. Harald Leitner, Ärzte Woche 40 /2009

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