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Kardiologie 22. September 2009

Neue europäische Leitlinie zur pulmonalen Hypertonie

Am Kongress wurde die aktualisierte Guidline für den Lungenhochdruck vorgestellt. Erarbeitet wurden sie vom ESC, gemeinsam mit der ERS (European Respiratory Society) und der ISHLT (International Society of Heart and Lung Transplantation).

In der überarbeiteten Leitlinie wurde eine neue Klassifikation der pulmonalen Hypertonie (PH) in sechs klinischen Gruppen vorgenommen. Welcher Mechanismus auch immer der PH zugrunde liegt, sie ist durch eine schlechte Prognose gekennzeichnet. „Die multidisziplinäre Natur der pulmonalen Hypertonie und die Schwere der Erkrankung hat diese neue Leitlinie notwendig gemacht“, sagte Prof. Dr. Nazzareno Galié vom Institut für Kardiologie an der Universität von Bologna, Italien, und Vorsitzender der Leitlinien-Kommission.

 

Die PH (der Anstieg des Blutdrucks innerhalb der Lungenzirkulation) ist ein Zustand, der den Großteil der Herz- und Lungenerkrankungen erschwert und sich ohne klar erkennbare Ursache entwickeln kann.

Die zwei größten der sechs klinischen Gruppen sind Patienten, die infolge einer Linksherzerkrankung (Gruppe 2) oder Lungenerkrankungen (Gruppe 3) an einer PH leiden. Tatsächlich entwickeln 60 Prozent aller Patienten mit schwerem Linksherzversagen und 50 Prozent derjenigen mit fortgeschrittener chronischer obstruktiver Lungenerkrankung eine pulmonale Hypertonie. Im Gegensatz dazu: Die Gruppe 1 – definiert als pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) – besteht aus relativ jungen Patienten (durchschnittlich 50 Jahre alt), für deren Erkrankung kein klarer Auslöser auszumachen ist. Zwar ist die Prävalenz für diese Gruppe gering (bis zu 50 Fälle pro Million Einwohner), aber dafür leiden die Betroffenen an der schwersten Form der PH: Ohne Behandlung überleben die Erkrankten im Durchschnitt 2,5 Jahre.

Das ist neu:

  • Merkmale aller sechs klinischen Gruppen der PH einschließlich Behandlungsstrategien werden beschrieben. Das soll der Verunsicherung in Bezug auf die medikamentöse Therapie entgegenwirken.
  • Das diagnostische Vorgehen wird dargestellt, sodass betroffene Patienten möglichst rasch erkannt werden können, ebenso die klinische Gruppe, der sie zuzurechnen sind.
  • Besonderes Augenmerk wird auf die Identifizierung und Risikostratifikation von Patienten mit PAH (Gruppe 1) gelegt
  • Die PAH (Gruppe 1) ist die einzige klinische Gruppe, für die eine spezielle medikamentöse Therapie in einem evidenz-basierten Therapie-Algorithmus vorgesehen ist. Die größten Fortschritte in der Behandlung wurden in diesem Bereich gemacht: Acht Wirkstoffe aus drei pharmakologischen Klassen wurden zugelassen. Eine rezente Meta-Analyse von 23 randomisierten kontrollierten Studien hat gezeigt, dass somit eine 43-prozentige Mortalitätsreduktion bei Patienten mit PAH erzielt werden kann.
  • Definitionen von Patientenstatus, Behandlungszielen und Indikationen für Follow-up-Strategien wurden erarbeitet. Dies soll Behandlern dabei helfen, die jeweils individuell geeignetste medikamentöse Therapie für jeden Patienten zu bestimmen.
  • Indikationen für weitere Interventionen – einschließlich Lungen- und Herz-Lungen-Transplantationen – wurden diskutiert.
  • Die besonderen Eigenschaften der unterschiedlichen Formen der PAH einschließlich pädiatrischer Patienten wurden dargestellt.
  • Die Mindestanforderung an PAH-Zentren wurde formuliert und die Unabdingbarkeit professioneller klinischer Kompetenz im Management mit solch anspruchsvollen Patienten diskutiert.

 

Download der Leitlinie: http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/GuidelinesDocuments/guidelines-PH-FT.pdf

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