zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Doz. Dr. Johann Auer, Leiter der 1. Internen Abteilung mit Kardiologie und Intensivmedizin Akademisches Lehrkrankenhaus Braunau/Simbach
 
Kardiologie 8. September 2009

RAS-Hemmer bei Hypertonie

AT1-Blocker sind den ACE-Hemmern überlegen.

Die Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems spielt in der Hypertonie-Therapie eine wesentliche Rolle. RAS-Hemmer zählen als Mono- und Kombinationstherapie zu den am häufigsten eingesetzten Substanzen. Da die Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, über die Blutdrucksenkung hinaus, weitreichende Effekte im kardiovaskulären System aufweist, ist ein die Vorteile einer alleinigen Blutdrucksenkung übersteigender Benefit vom Einsatz dieser Substanzen zu erwarten.

 

In zahlreichen Studien konnten unterschiedliche Vertreter aus der Gruppe der RAS-Hemmer zeigen, dass vorteilhafte Effekte auf den Kohlehydrat-Stoffwechsel erwartet werden können. Zusätzlich wirken sich Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems bei Patienten mit renaler Funktionsstörung, insbesondere mit Proteinurie, über den blutdrucksenkenden Effekt hinausgehend, nephroprotektiv im Sinne einer Verzögerung des renalen Funktionsverlustes aus. RAS-Hemmer sind in der Lage, das Rezidivrisiko von paroxysmalem Vorhofflimmern zu reduzieren, und haben einen protektiven Effekt hinsichtlich des Auftretens einer Herzinsuffizienz bei Patienten mit arterieller Hypertonie.

Sekundärprävention des zerebralen Insults

Die Kontrolle der arteriellen Hypertonie hat in der Prävention eines Rezidiv-Insults bei Patienten mit stattgehabten zerebrovaskulären Ereignissen eine wesentliche Bedeutung. Auch in diesem Zusammenhang spielen RAS-Hemmer eine zentrale Rolle. Erste klinische Daten weisen darauf hin, dass hier Angiotensin-Rezeptor-Blocker aufgrund einer Erhöhung der zerebralen Angiotensin-II-Konzentration und damit assoziierter günstiger Effekte auf die zerebrale Zirkulation bei Insult-Patienten Vorteile gegenüber ACE-Hemmern aufweisen könnten. Um diese interessante Hypothese definitiv beweisen zu können, müssen weitere klinische Daten, insbesondere direkte Vergleichsanalysen beider Substanzklassen, durchgeführt werden.

Blutdruckkontrolle

Eine rezent publizierte Metaanalyse, die 61 klinische Studien mit einem direkten Vergleich von ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker bei erwachsenen Patienten mit essentieller Hypertonie einbezogen hat, wurde festgestellt, dass hinsichtlich der blutdrucksenkenden Eigenschaften ACE-Hemmer mit den Angiotensin-Rezeptor-Blocker durchaus vergleichbar sind.

Viele moderne Vertreter, gerade aus der Substanzklasse der AT1-Blocker, weisen eine sehr lange Wirkhalbwertszeit auf und erfüllen damit die an ein modernes Antihypertensivum gestellten Anforderungen hinsichtlich der „Trough-to-peak-Ratio“ und des „Smoothness-Index“.

Nebenwirkungen

In einem systematischen Review von Matchar et al. (Annals of Internal Medicine 2008; 148: 16–29) wurde aufgrund der gegenwärtig vorliegenden Evidenz hinsichtlich der Verträglichkeit von RAS-Hemmern aus Daten, die in direkten Vergleichsstudien zwischen beiden Substanzgruppen gewonnen worden sind, festgehalten, dass ACE-Hemmer eine höhere Rate an Nebenwirkungen (insbesondere Husten) aufweisen als Angiotensin-Rezeptor-Blocker. Verglichen mit ACE-Hemmer-Behandlung kommt es unter einer Therapie mit Angiotensin-Rezeptor-Blocker wesentlich seltener zu Therapieunterbrechungen (siehe Tabelle).

Compliance

Mangelnde Compliance in der pharmakologischen Therapie der arteriellen Hyertonie spielt für eine ungenügende Kontrolle der Bluthochdruckkrankheit eine wesentliche Rolle. Diese ist wiederum mit einem erhöhten Risiko kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert. Nebenwirkungen wie etwa Husten werden als häufige Ursache für mangelhafte Therapieadhärenz und langfristige Persistenz der antihypertensiven Behandlung angeführt.

Somit kann von Substanzen mit bester Verträglichkeit (wie etwa AT1-Blocker im Vergleich zu ACE-Hemmern) von einer besseren Compliance in der Langzeittherapie ausgegangen werden.

Mehrere Studien konnten zeigen, dass mangelhafte Therapietreue in der medikamentösen Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen einen unabhängigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Folgeereignisse darstellt. Publizierte Daten weisen darauf hin, dass Patienten, die als Initialtherapie einen Angiotensin-Rezeptor-Blocker erhielten, über einen längeren Zeitraum die Medikation zuverlässig einnahmen als Patienten, die mit einem ACE-Hemmer behandelt wurden.

Zahlreiche Autoren geben zu bedenken, dass Non-Compliance in der pharmakologischen Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen und die damit assoziierte erhöhte Komplikationsrate von vielen Ärzten deutlich unterschätzt wird.

Kasten:
Zusammenfassung
• RAS-Hemmer spielen eine zentrale Rolle in der pharmakologischen Therapie der arteriellen Hypertonie.
• ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker sind in ihrer antihypertensiven Effektivität vergleichbar.
• RAS-Hemmer weisen über ihre blutdrucksenkenden Eigenschaften hinausgehende organprotektive Effekte (z. B. Herz, Niere) auf.
• AT1-Blocker sind im Vergleich zu ACE-Hemmern besser verträglich und werden aufgrund von Nebenwirkungen weniger häufig abgesetzt.
• Therapie-Treue spielt eine zentrale Rolle in der effektiven Langzeit-Therapie der arteriellen Hypertonie, sodass besser verträgliche Substanzen aus Compliance-Gründen zum Erreichen einer höheren Therapieadhärenz und Behandlungspersistenz bevorzugt eingesetzt werden sollten.

Von Doz. Dr. Johann Auer, Ärzte Woche 38 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben