zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 1. September 2007

Geschlechtsspezifischer Einfluss des metabolischen Syndroms auf das frequenzkorrigierte QT Intervall

EINFÜHRUNG: Das metabolische Syndrom ist in der Prävention der Atherosklerose als definierte Risikokonstellation von besonderem Interesse. Als Hauptkomponenten des metabolischen Syndroms gelten die viszerale Adipositas, die Hyperglykämie im nicht-diabetischen Bereich, sowie die arterielle Hypertonie. Eine Konsequenz des metabolischen Syndroms ist die subklinische Atherosklerose, welche das QT Intervall beeinflussen kann. Das Ziel der Studie war es, das frequenzkorrigierte QT Intervall von Individuen mit metabolischem Syndrom gegen das von Personen ohne gehäufte kardiometabolische Risikofaktoren zu vergleichen und den geschlechtsspezifischen Einfluss des metabolischen Syndroms auf die kardiale Repolarisation zu untersuchen. PATIENTEN UND METHODEN: Bei 1086 Teilnehmern (767 Männer und 319 Frauen) der SAPHIR-Studie (Salzburg-Atherosclerosis-Prevention-program-in-subjects-at-High-Individual-Risk) wurden die Herzfrequenz und das QT Intervall automatisch vom Oberflächen EKG gemessen. Aufgrund der bekannten Limitationen der traditionellen Bazett Formel verwendeten wir zur Frequenzkorrektur des QT Intervalls (QTa) eine Formel nach Rautaharju, die lineares statt proportionales Skalieren ermöglicht. ERGEBNISSE: Die Prävalenz des metabolischen Syndroms war 13,8% bei Männern und 10% bei Frauen. Das mittlere frequenzkorrigierte QT Intervall war bei Frauen länger als bei Männern. Das Vorliegen des metabolischen Syndroms war nur bei Männern mit einem signifikant verlängerten QTa Intervall assoziiert, nicht aber bei Frauen. Nach Korrektur hinsichtlich weiterer Einflussfaktoren wie Alter, Body-Mass-Index, LDL-Cholesterol, HOMA-Index und Rauchen reduzierte sich zwar die Differenz des mittleren QTa Intervalls bei Männern von 9.24 ms auf 5.83 ms (95% CI 0.9–10.8), blieb aber weiterhin statistisch signifikant (p = 0.021). Der Effekt des metabolischen Syndroms auf QTa war nur zum Teil durch Hypertonie und Insulinresistenz erklärbar. Beim weiblichen Geschlecht zeigte sich im Gegensatz zu den Männern kein relevanter Unterschied für das QTa Intervall zwischen Individuen mit oder ohne metabolischem Syndrom. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse der Studie belegen eine signifikante Assoziation zwischen dem metabolischen Syndrom und dem frequenzadjustierten QT Intervall bei Männern mittleren Alters nach Korrektur für begleitende Risikofaktoren. Die automatische Messung des QT Intervalls ist eine einfache und leicht verfügbare Methode, die zusätzliche diagnostische und prognostische Informationen für die Risikostratifizierung auf Populationsniveau geben kann. Darüber hinaus scheint zwischen den Geschlechtern ein unterschiedlicher Effekt von metabolischen und hormonalen Faktoren auf die ventrikuläre Repolarisation vorzuliegen.

Bernhard Strohmer, Christiana Schernthaner, Bernhard Iglseder, Bernhard Paulweber, Maximilian Pichler, Wiener klinische Wochenschrift

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben