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Dr. Edward Jenner
 
Impfen 3. Jänner 2017

Älteste Pockenviren entdeckt

Ein DNA-Abgleich von Virusresten ergab, dass der Pockenerreger erst zwischen 1588 und 1645 entstanden ist. Offen bleibt die Herkunft des Virus.

Ramses V. galt als erstes Pocken-Opfer, die Mumie des Pharaos weist Narben auf. Neue Forschungen brachten Hinweise, dass der tödliche Erreger vielleicht gar nicht so alt ist.

Bisher galten Pocken als eine der ältesten Seuchen der Menschheit. Jetzt wurden in einer Kindermumie aus dem 17. Jahrhundert unter einer Kirche in Litauen Virusreste entdeckt, die auf anderes hindeuten: Möglicherweise ist die Seuche, die bis zu ihrer Ausrottung um 1980 Jahrhunderte lang in Europa wütete, gar nicht so alt wie bisher gedacht. Allein im 20. Jahrhundert fielen der Krankheit Schätzungen zufolge zwischen 300 und 500 Millionen Menschen zum Opfer.

Die genetische Untersuchung der DNA-Relikte aus Litauen und ihr Abgleich mit moderner Pocken-DNA ergab, dass die Stränge evolutionär nur bis zu einem gemeinsamen Vorgänger zurückreichen, der zwischen 1588 und 1645 entstanden ist.

Das berichtete ein internationales Forscherteam im Fachjournal Current Biology. Damals habe es eine Periode der Erkundungen, Migration und Kolonisierung gegeben, die eine Verbreitung der Pocken begünstigt haben könnte.

Bisher glaubte man, dass schon vor tausenden Jahren Menschen in China, Indien und Ägypten – etwa besagter Pharao Ramses im Jahr 1145 v. Chr. – den Pocken zum Opfer fielen. Das müsse nun hinterfragt werden, meinte Autor Hendrik Poinar, Direktor des Zentrums für alte DNA an der McMaster University in Hamilton, Kanada. So könnten vermeintliche Pockennarben, wie an Ramses‘ Mumie beschrieben, auch durch Masern oder Windpocken hervorgerufen werden. Das Kind in Litauen starb zwischen 1643 und 1665 – einer Zeit, in der die Seuche mehrmals in Europa ausbrach.

Nicht mehr ansteckend

Bevor das Team die DNA der Pocken (Variola) aus der Mumie extrahieren durfte, mussten die Forscher die Genehmigung der Weltgesundheitsorganisation WHO einholen.

Poinar betonte jedoch, die Proben seien stark fragmentiert und deshalb nicht gefährlich gewesen. „Sie waren auch nicht ansteckend für diejenigen, die in den vergangenen Dekaden mit der Mumie gearbeitet haben.“

Trotz der evolutionsgenetischen Aufschlüsselung bleibt jedoch offen, woher das Virus tatsächlich kommt. „Die Studie setzt den Beginn der Pocken-Evolution auf einen sehr viel späteren Zeitpunkt. Dennoch bleibt unklar, welches Tier das eigentliche Reservoir für das Pockenvirus ist und wann dieses erstmals auf den Menschen übersprang“, ergänzte Evolutionsbiologe Eddie Holmes von der University of Sydney, Australien.

Die beiden Hauptstränge des Virus, das meist tödliche Variola major und das etwas weniger aggressive Variola minor, bildeten sich der Untersuchung zufolge erst heraus, nachdem der englische Arzt Edward Jenner 1796 einen Impfstoff entwickelt hatte.

Solange man die Ursprünge des Erregers nicht kenne, müsse man auch seine Wandlungsfähigkeit bei der Konfrontation mit Impfstoffen im Blick behalten, sagen die Forscher.

Die Tatsache, dass Kuhpocken vor dem menschenbedrohenden Virus schützen, war auf dem Land schon zwanzig Jahre zuvor bekannt, sie wurde durch laienhafte Behandlungen durch Ansteckung von Kuh zu Mensch auch genutzt.

Doch Jenner gilt als der erste Mediziner, der die Wirksamkeit der Methode professionell nachweisen und nutzen konnte.

Der englische Begriff für Impfung ist „vaccination“ und ebenfalls eine Innovation Jenners: Er leitete den heutigen Fachterminus von lateinisch „vacca“ (die Kuh) ab. Sein Kollege Pasteur übernahm diesen Ausdruck später für jede Art von Impfung.

Pocken auf Halde

Pocken gelten seit 1980 offiziell als ausgerottet. Es gibt jedoch noch lebende Viren, die in Labors höchster Sicherheitsstufe in den USA und Russland aufbewahrt werden. Sie lagern in der Nähe von Nowosibirsk und in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Eine ursprünglich für 1999 beschlossene Vernichtung der Proben wurde mehrfach aufgeschoben. 2014 tauchten zudem in der US- Gesundheitsbehörde NIH Reagenzgläser mit Pockenviren auf, die in einem Abstellraum vergessen worden waren.

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