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Impfen 29. März 2016

Draußen zu Hause

Weniger Österreicher im korrekten FSME-Impfschutz: Abnahme von 70 Prozent 2011 auf 53 Prozent im Jahr 2015.

Zu Ostern möchte man wieder einmal raus, Zecken möchten hingegen wieder einmal rein, mit ihrem Stechrüssel in Blutgefäße. Die Gefahr: Hierzulande vernachlässigen Patienten ihre Auffrischungsimpfungen.

Pro Jahr gibt es derzeit in Österreich zwischen 50 und hundert FSME-Erkrankungen („Zeckenkrankheit“). Es könnten wieder mehr werden. In den vergangenen Jahren hat der Anteil jener Menschen, die sich im FSME-Impfschema befinden, deutlich abgenommen.

Die harten Daten: 2015 erkrankten in Österreich insgesamt 64 Menschen an der durch infizierte Zecken übertragenen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis. 2014 waren es 80 Patienten, 2013 wurden 99 Fälle registriert. Die Schwankungen haben mit dem komplizierten und nicht beeinflussbaren Zyklus der Zeckenbiologie und der Biologie ihrer Wirtsorganismen (Nagetiere etc.) zu tun.

In Wien gab es vergangenes Jahr einen Fall von FSME, in Niederösterreich waren es vier Erkrankungen, im Burgenland wurde kein Fall einer Hospitalisierung bekannt. Die Steiermark war 2015 das Bundesland mit den meisten Krankheitsfällen (20), darauf folgten Oberösterreich (16) und Tirol (15). In Kärnten gab es zwei Erkrankungen, in Salzburg und in Vorarlberg je drei.

Mit einer Durchimpfungsrate von um die 85 Prozent ist laut der Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze der Anteil der Menschen, die jemals eine FSME-Impfung erhalten haben, hoch. Doch Schutz besteht nur, wenn jemand die ersten drei Teilimpfungen vollständig bekommen hat und dann auch die Auffrischungsimpfungen durchmacht: Nach der dreiteiligen Grundimmunisierung beim ersten Mal nach drei Jahren, dann bis zum 60. Lebensjahr alle fünf Jahre, darauf wieder alle drei Jahre.

Vom richtigen Impfen

Hier gibt es seit einigen Jahren zunehmend Mängel. „2011 befanden sich in Österreich 70 Prozent der Menschen im korrekten FSME-Impfschutz. 2015 waren es nur noch 53 Prozent“, stellte der Impfreferent der Ärztekammer, der Wiener Kinderarzt Rudolf Schmitzberger, dar. Christiane Körner, Präsidentin des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung, sagte dazu: „Wer nicht richtig geimpft ist, wer nicht ‚aufgefrischt‘ hat, ist nicht geschützt.“

Das könnte in absehbarer Zeit zu Problemen führen. Vor den ersten Impfkampagnen (1981) wurden in Österreich noch jährlich einige hundert FSME-Erkrankungen registriert. Man hat berechnet, dass durch die Immunisierungen ab Vorliegen des in Österreich vom Virologen-Pionier Christian Kunz entwickelten Impfstoffs im Zeitraum von 1972 bis 2011 mit der Vakzine fast 8.500 Erkrankungsfälle verhindert worden sind. Bei der schwersten Form der FSME, bei der Gehirnhaut, Gehirn und Rückenmark betroffen sind, liegt die Sterblichkeit bei 30 Prozent, 50 Prozent der Patienten müssen beatmet werden. „Die Defektheilungsrate (Anm.: Überleben mit dauernden Schäden) beträgt bei diesen Patienten 80 Prozent“, sagte der Wiener Neurologe Bruno Mamoli. Mit 1. Jänner wurde in Österreich wieder die FSME-Impfaktion gestartet. Ärzte- und Apothekerkammer sowie Hersteller etc. sind beteiligt.

Bis 31. Juli kosten die vergünstigten Kinderimpfstoffe 29,80 bzw. 30,30 Euro, jene für Erwachsene 34,40 bzw. 34,80 Euro. Manche Krankenkassen leisten einen Beitrag.

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