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Impfen 9. Dezember 2013

Beruhigende Daten

Keine schweren Komplikationen nach HPV-Impfung.

Zumindest in den ersten 180 Tagen nach Empfang der quadrivalenten HPV (qHPV)-Impfung sind keine schweren Komplikationen zu erwarten. Zu diesem Resultat kommt eine skandinavische Studie.

Die meisten Nebenwirkungen einer HPV-Impfung, wie Fieber, Kopfschmerzen und lokale Reaktionen an der Injektionsstelle, sind leicht und von vorübergehender Natur. In klinischen Studien hat sich bisher kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für ernsthafte Erkrankungen gefunden. Die Teilnehmerzahlen waren allerdings zu gering, um das Auftreten seltener Komplikationen zu analysieren. In zwei US-amerikanischen Meldesystemen, dem Vaccine Adverse Event Reporting System und dem Vaccine Safety Datalink, wurden nach HPV-Impfung venöse Thromboembolien beschrieben. Solche Berichte sind als mögliches Sicherheitssignal zu sehen, können aber keinen kausalen Zusammenhang etablieren. Aus diesem Grund haben jetzt Ärzte aus Schweden und Dänemark die dort verfügbaren landesweiten Register im Hinblick auf mögliche schwere Impfkomplikationen ausgewertet.

Keine VTE, keine neurologischen Erkrankungen

Dazu verglichen sie die 296.826 Mädchen, die von 2006 bis 2010 im Alter zwischen 10 und 17 Jahren mindestens eine qHPV-Impfung erhalten hatten, mit 600.759 ungeimpften Gleichaltrigen. Untersucht wurde das Auftreten von 53 schweren Komplikationen, nämlich Autoimmunerkrankungen, neurologischen Ereignissen und venösen Thromboembolien (VTE). Dabei wurden aber nur solche Schäden weiter ausgewertet, die bei mindestens fünf Impflingen aufgetreten waren.

Der Untersuchungszeitraum beschränkte sich auf die ersten 180 Tage, bei VTE auf die ersten 90 Tage nach der Impfung.

Das Ergebnis: Weder bei den neurologischen Ereignissen noch bei den VTE war in Zusammenhang mit der Impfung eine Zunahme festzustellen. Auch 20 von 23 analysierten Autoimmunerkrankungen traten bei den geimpften Mädchen nicht öfter auf als bei den ungeimpften.

Assoziation mit Autoimmunerkrankungen fraglich

Eine Häufung wurde dagegen beim Morbus-Behçet, beim Raynauld-Syndrom und beim Typ-1-Diabetes beobachtet. Nach vorab definierten Kriterien wurde das Sicherheitssignal für alle drei Erkrankungen jedoch als relativ schwach eingestuft. Außerdem blieb das Risiko in der Zeit nach dem 180-Tage-Intervall ähnlich stark erhöht und es ließ sich bezüglich des Erkrankungszeitpunktes keinerlei Muster erkennen.

Trotz des vermehrten Auftretens der drei Autoimmunkrankheiten nach der qHPV-Impfung sehen die Studienautoren daher „keine konsistenten Beweise für einen kausalen Zusammenhang“. Was Autoimmunerkrankungen, neurologische Ereignisse und venöse Thromboembolien betreffe, seien die Ergebnisse ihrer Studie „insgesamt beruhigend“. Sie räumen allerdings ein, dass es notwendig sei, die Resultate in Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiten zu bestätigen.


Originalpublikation: Arnheim-Dahlstöm L et al.: BMJ 2013; 347: f5906

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/52/2013

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