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Impfen 14. Oktober 2013

Hocheffektiv

Vor sieben Jahren wurde der erste HPV-Impfstoff eingeführt – eine Zwischenbilanz.

Mit der HPV-Impfung kann die Rate an HPV-assoziierten Erkrankungen deutlich verringert werden. Sie ist hocheffektiv, gut verträglich und in jeder Altersgruppe je nach Indikation einsetzbar. Auch sexuell aktive Frauen und sogar Frauen nach durchgemachter Infektion oder Operation einer HPV-induzierten Läsion können profitieren.

Humane Papillomaviren (HPV) infizieren vor allem Haut- und Schleimhautzellen und können dort ein unkontrolliertes Wachstum der Epithelzellen auslösen, wobei Genitalwarzen zu den harmloseren Folgen einer persistierenden HPV-Infektion gehören. Einige HPV-Typen können jedoch bösartige Veränderungen hervorrufen, allen voran das Zervixkarzinom, aber auch Vulva-, Vaginal-, Anal- und Peniskarzinome sowie Tumoren im Mund- und Rachenraum.

Keine Altersgrenze nach oben

Zervixkarzinome gehören zu den häufigsten Tumorarten weltweit. Die HPV-high-Risk-Typen 16 und 18 bedingen 70 Prozent der Tumore. Auch Vulvakarzinome werden in ca. der Hälfte der Fälle durch eine HPV-high-Risk-Infektion verursacht, meist durch die HPV-Typen 16 und 33. Vor allem Vulvakarzinome bei jungen Frauen, die immer öfter diagnostiziert werden, sind HPV-induziert.

Durch die zur Verfügung stehenden prophylaktischen HPV-Impfstoffe können zervikale Erkrankungen bei HPV-naiven Frauen fast hundertprozentig verhindert werden. Zwei Impfstoffe stehen zur Verfügung: Der bivalente Impfstoff richtet sich gegen die HPV-high-Risk-Typen 16 und 18, der tetravalente zusätzlich gegen die beiden Low-Risk-Typen 6 und 11.

Bei HPV-naiven Frauen bieten die Impfstoffe einen nahezu hundertprozentigen Schutz vor Infektionen und Präkanzerosen, die durch die HPV-Typen 16/18 hervorgerufen werden bzw. beim tetravalenten Impfstoff auch zusätzlich vor den durch 6/11 bedingten Feigwarzen. Aber auch bei sexuell aktiven Frauen ist die Impfung sinnvoll, vor allem, da nachgewiesen wurde, dass auch nach bis zu vier wechselnden Geschlechtspartnern noch 74 Prozent der Frauen HPV-naiv sind. Eine Infektion haben somit nur 26 Prozent der Frauen durchgemacht und die Wahrscheinlichkeit, sich mit allen vier Impfstofftypen zu infizieren, liegt unter ein Prozent. Die Impfempfehlung hat deshalb keine Altersgrenze nach oben.

Eine Auswertung der Impfstoff-Studie erbrachte außerdem Hinweise darauf, dass sogar Frauen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben, von der HPV-Impfung profitieren können, indem sie dadurch besser vor einer Reinfektion geschützt werden. Denn eine ausgeheilte Infektion hinterlässt zwar Antikörper gegen HPV im Blut, diese schützen jedoch nur unzureichend vor einer Reinfektion.

Rückgang von Feigwarzen und CIN-Läsionen

Aus Ländern, in denen seit Einführung der Impfung hohe Durchimpfungsraten erreicht wurden, sind inzwischen Daten verfügbar, die den Effekt der Impfung in der Bevölkerung zeigen. Das ist natürlich nur bei Erkrankungen möglich, die relativ kurzzeitig nach der HPV-Infektion auftreten. Da die Entwicklung einer höhergradigen CIN Jahre dauert, Feigwarzen sich aber innerhalb weniger Monate nach Infektion mit den HPV-Viren 6/11 ausbilden, ist die Kondylomerkrankungsrate nach Impfung mit dem HPV 6/11/16/18-Impfstoff ein Maßstab, um die Wirksamkeit des Vierfachimpfstoffes zu zeigen.

So zeigte sich in Australien bereits drei Jahre nach Einführung der Impfung ein Rückgang der Inzidenz von Genitalwarzen um 90 Prozent bei Frauen unter 21 Jahren. Auch bei den Männern, die gar nicht im Impfprogramm waren, gingen Genitalwarzen um 87 Prozent zurück (Herdenimmunität).

Aber nicht nur die Inzidenz von Warzen hat nach Einführung des Impfprogrammes in Australien abgenommen: Auch CIN2+-Läsionen bei unter 18-Jährigen gingen um die Hälfte zurück. Eine Impfrate von 70 Prozent in dieser Altersgruppe führte somit zu einer Halbierung der Inzidenz hochgradiger zervikaler Läsionen bei unter 18-Jährigen.

Auch in Deutschland bestätigen erste nationale Daten die Wirksamkeit der HPV-Impfung: Eine Analyse des Bremer Institutes für Epidemiologie und Präventionsforschung zeigte den Rückgang der Inzidenz an HPV 6/11-induzierten Genitalwarzen bei jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren um 23 Prozent innerhalb eines Jahres, nachdem der tetravalente HPV-Impfstoff 2007 eingeführt wurde.

Durchimpfungsrate im Ländervergleich

Obwohl eine Impfempfehlung in fast allen Ländern ausgesprochen wird, sind die Durchimpfungsraten recht unterschiedlich und stark davon abhängig, ob die Impfung im Rahmen eines Schulprogrammes appliziert wird, wie z.B. in Australien, Kanada, England und Portugal, wo sehr hohe Durchimpfungsraten erreicht wurden. In Deutschland wird die Impfung empfohlen und auch erstattet, die Teilnahme ist aber freiwillig. Die derzeitige Durchimpfungsrate in der Gruppe der 12- bis 17-jährigen Mädchen liegt bei etwa 40 Prozent.

Die Sicherheit der Impfung ist als hoch einzustufen, es gibt bislang keinerlei Hinweis auf gehäuft auftretende Nebenwirkungen wie z. B. Autoimmunerkrankungen oder genitale Anomalien, wenn die Impfung frühschwangeren Frauen gegeben wurde.

Schulprogramm-Start in Österreich

Wie die Erfahrung der letzten sieben Jahre zeigt, wird eine hohe Durchimpfungsrate erreicht, wenn die Impfung im Rahmen eines Schulprogramms angeboten wird. Bei opportunistischer Impfung werden viele junge Mädchen nicht erreicht.

In Österreich wird die HPV-Impfung ab Februar 2014 in das kostenlose Kinderimpfprogramm aufgenommen. Die Impfung wird dann für alle in Österreich lebenden Mädchen und Buben in der vierten Schulstufe (vollendetes neuntes Lebensjahr) kostenfrei im Rahmen des bestehenden Schulimpfprogramms angeboten.

Die Kinder werden in der Schule geimpft , in einigen Bundesländern auch an öffentlichen Impfstellen und bei niedergelassenen Kinderärzten. Der Impfstoff wird in zwei Teilimpfungen im Mindestabstand von sechs Monaten verabreicht.

Wie das Bundesministerium für Gesundheit betont, ersetzt die HPV-Impfung nicht die empfohlenen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen mit PAP-Abstrich oder etwaige notwendige Behandlungen.

Quellen:

Hampl M: HPV-Impfung: Situationsbericht für Deutschland und weltweit; gynäkologie + geburtshilfe 5/2013

„Ausbau Kinder-Impfprogramm“, Aussendung des Bundesministerium für Gesundheit

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