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© Gina Sanders / Fotolia.com
Seit sechs Jahren wird in Australien flächendeckend gegen HPV geimpft.
 
Impfen 27. Mai 2013

Verblüffender Effekt

Keine einzige Genitalwarze bei geimpften Frauen unter 21 Jahren.

Das australische Impfprogramm gegen humane Papillomviren (HPV) hat Genitalwarzen in einem Ausmaß dezimiert, das selbst die beteiligten Forscher überrascht.

Mitte 2007 ist in Australien ein nationales Impfprogramm aufgelegt worden, in dem 12- bis 13-jährige Mädchen kostenlos mit einer tetravalenten HPV-Vakzine gegen die Typen 6, 11, 16 und 18 geimpft werden können. In den Jahren 2007 bis 2009 gab es zudem ein Nachholprogramm für 13- bis 18-jährige Schülerinnen und für 18- bis 26-jährige Frauen. Nun wurde ausgewertet, welche Auswirkungen das Programm auf das Auftreten von Genitalwarzen hat. Verglichen wurden dabei die Zeiträume von 2004 bis 2007 - also vor Einführung der Impfung - und 2007 bis 2011 (Ali H et al.: BMJ 2013; f2032).

Die Ergebnisse verblüfften sogar die Forscher. Wurden 2007 noch bei 11,5 Prozent der Frauen unter 21 Jahren Kondylome diagnostiziert, waren es 2011 nur mehr 0,85 Prozent – ein Rückgang um 92,6 Prozent. Bei geimpften Frauen unter 21 wurde 2011 nicht eine einzige Warze gefunden; bei 21- bis 30-jährige Frauen sanken die Diagnoseraten für Feigwarzen von um 72,5 Prozent. Ältere Frauen hatten keinen Nutzen von der Impfung, was das Auftreten von Genitalwarzen betraf.

Obwohl nicht geimpft, profitierten auch die männlichen Australier vom HPV-Impfprogramm, jedenfalls die jüngeren und heterosexuellen unter ihnen. So lag der Anteil von Männern unter 21 mit Kondylomdiagnose im Jahr 2007 bei 12,2 Prozent. 2011 waren es nur noch 2,2 Prozent (minus 81,8%). In der Gruppe der 21- bis 30-Jährigen wurde im gleichen Zeitraum der Anteil der Genitalwarzenträger halbiert: von 18,2 auf 8,9 Prozent. Bei älteren Männern zeigte sich kein Effekt. Der Schutz, den junge Männer aus der HPV-Impfung junger Frauen beziehen, wird auf Herdenimmunität zurückgeführt. Um diese Herdenimmunität weiter zu steigern, haben die Australier nun sogar ein Impfprogramm für 12- bis 13-jährige Buben aufgelegt.

In Australien erhalten 83 Prozent der 12- bis 13-jährigen Mädchen wenigstens die erste Impfdosis, 80 Prozent auch die zweite und 73 Prozent sogar noch die dritte Dosis. „Unsere Resultate zeigen, dass Genitalwarzen bei geimpften jungen Frauen womöglich völlig verschwunden sind“, so die Autoren. Das sei überraschend, denn einige Frauen hätten ja nur eine oder zwei Impfdosen erhalten. Denkbar sei, dass in Australien sämtliche Genitalwarzen von den vier HPV-Impftypen verursacht würden oder die Vakzine im Zuge einer Kreuzimmunität auch vor anderen Virustypen schütze.

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