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Impfen 12. April 2013

Wie gefährlich sind sie wirklich?

Pneumokokken gefährden besonders Säuglinge, Kleinkinder und ältere Erwachsene.

Pneumokokken können Otitis media, aber auch lebensbedrohliche Krankheiten verursachen. In Österreich erkrankten laut dem Jahresbericht 2011 der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken der AGES 158 Menschen an einer invasiven Pneumokokken-Infektion, 17 davon starben an den Folgen. Neben Säuglingen und Kleinkindern sind besonders Personen ab 50 Jahren gefährdet.

Streptococcus pneumoniae sind grampositive Diplokokken, die eine Polysaccharidkapsel besitzen. Unterschiedliche antigene Merkmale auf dieser Kapsel erlauben die Unterteilung in mehr als 90 Serotypen, die jedoch nicht alle pathogen sind. „Die Serotypenprävalenz unterscheidet sich nach Altersgruppen und geografischem Gebiet“, erläutert Prof. Dr. Wiedermann-Schmidt vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien.

Die Kolonisierung des Nasopharynx erfolgt schon im späten Säuglingsalter. „Im zweiten bis dritten Lebensjahr liegt sie bei 60 Prozent, bei Schulkindern bei 25 bis 35 Prozent und bei Erwachsenen ohne Kinderkontakt bei etwa sechs Prozent. Sie erfolgt symptomlos.

Pneumokokken sind weltweit im Kindesalter und im höheren Erwachsenenalter die häufigsten Erreger von invasiven Infektionen wie Meningitis, Bakteriämie und Sepsis und sind mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden. „Weltweit gibt es jährlich 14 Millionen Fälle von invasiven Pneumokokken-Infektionen. Vier Millionen davon führen zum Tod“, so Wiedermann-Schmidt.

Eine Infektion mit Pneumokokken kann zu lokal begrenzten oder zu invasiven Erkrankungen führen. Die Ausbreitung im Organismus erfolgt über das Blut oder direkt fortschreitend über die respiratorische Schleimhaut, vor allem bei vorangehender Schädigung der Schleimhaut durch Virusinfektionen.

Invasive Pneumokokken-Erkrankungen sind schwierig zu behandeln und können trotz intensivmedizinischer Betreuung zu schweren Behinderungen führen oder letal verlaufen.

Pneumokokken-Infektionen im Kindesalter

WHO-Schätzungen gehen davon aus, dass von weltweit jährlich fast eine Million Kinder infolge einer Pneumokokken-Infektion stirbt. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, da ihre Immunabwehr noch nicht ausgereift ist, sowie generell alle Kinder mit geschwächtem Abwehrsystem. Im Säuglingsalter verschwindet der „Nestschutz“ nach den ersten Lebensmonaten. Das Immunsystem der Säuglinge und Kleinkinder ist aber noch nicht in der Lage, entsprechende Abwehrkräfte zu bilden. „Je jünger Kinder von Pneumokokken-Infektionen getroffen werden, desto komplizierter verlaufen die Erkrankungen“, so Doz. Dr. Hans Jürgen Dornbusch, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde. Meist erfolgt die Besiedelung des Nasen-Rachen-Raumes symptomlos, es kann jedoch rasch zu einer Ausbreitung kommen, wodurch Otitis media, Pneumonie, Meningitis und Sepsis verursacht werden können.

Die Bakteriämie mit resultierender Sepsis oder Meningitis ist besonders bei Säuglingen und Kleinkindern gefürchtet. „Die Mortalität der Meningitis liegt bei sechs bis 20 Prozent und der Sepsis bei etwa einem Prozent“, erläutert Dornbusch.

Grundsätzlich können Pneumokokken-Infektionen mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings führen der häufig fulminante Krankheitsverlauf sowie die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen oft nicht zu den gewünschten Therapieerfolgen. Schwere Pneumokokken-Infektionen können letal verlaufen, bevor Antibiotika überhaupt zum Einsatz kommen.

Risikogruppe Erwachsene ab 50 Jahren

Mit zunehmendem Alter nimmt die Immunabwehr ab, wodurch es zu einem erhöhten Risiko für invasive Pneumokokken-Erkrankungen kommt. Ab einem Alter von 50 Jahren steigt bereits das Risiko. Zusätzlich erhöht sich dieses bei speziellen Konstellationen wie Nikotin- und Alkoholmissbrauch. Risikofaktoren sind neben dem Alter aber vor allem bestehende chronische Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, chronische Herz-, Lungen- (inklusive Asthma), Nieren- oder Lebererkrankungen, erworbene Immuninsuffizienz/immunsuppressive Therapie, angeborene oder erworbene Immundefekte (HIV, Hypogammaglobulinämie), Krebserkrankungen mit Chemotherapie. Ebenso steigt das Risiko bei funktioneller oder anatomischer Asplenie, außerdem bei Colchea-Implantaten oder Liquorfisteln. Zudem kann bei Männern von einem erhöhten Krankheitsrisiko gegenüber Frauen gesprochen werden.

„In Österreich erkranken jährlich geschätzte 8.000 bis 10.000 Personen an einer Lungenentzündung, wobei insgesamt zehn bis fünfzehn Prozent der Erkrankten streben. Rund ein Drittel der Fälle davon dürfte auf Pneumokokken zurückzuführen sein. Die Sterblichkeit steigt jedoch ab dem 50. Lebensjahr sprunghaft an“, erläuterte Prof. Dr. Marcus Köller, Leiter der Abteilung für Akutgeriatrie am SMZ Sophienspital.

Lungenentzündungen oder schwere Infektionen im höheren Alter werden oft auch nicht gleich als solche erkannt, da diese häufig ohne Fieber einhergehen. Eine dann zu spät begonnene Antibiotika-Therapie kann sehr oft nicht mehr ausreichend helfen. Köller betont daher die Wichtigkeit der Prävention und damit einer Pneumokokken-Schutzimpfung als einzige effektive Maßnahmen der Risikoreduktion.

Möglichkeiten der Prävention

„Jährlich könnten weltweit insgesamt über zwei Millionen kindliche Todesfälle durch Impfung verhindert werden“, so Dornbusch. Pneumokokken-Infektionen sind neben der Influenza in den Industrieländern die häufigste Erkrankung, die durch eine Impfung vermeidbar wäre.

Die Impfempfehlungen für Kinder laut Österreichischem Impfplan 2013 sind: Seit 2012 ist die Pneumokokkenimpfung für alle Kinder im kostenfreien Kinderimpfprogramm inkludiert. Zur Verhütung invasiver Pneumokokkenerkrankungen ist ein möglichst früher Beginn der Impfserie (ab dem 3. Lebensmonat) unbedingt anzuraten. Dornbusch: „Der geeignete Konjugatimpfstoff könnte potenziell 60 bis 80 Prozent der Erkrankungen verhindern.“ „Das Erreichen einer Durchimpfungsrate von über 70 Prozent in Österreich“, betonte Wiedermann-Schmidt „wird zur Erreichung eines Herdenschutzes als notwendig gesehen.“

Die Impfempfehlungen für Erwachsene laut Österreichischem Impfplan 2013 sind: Erwachsenen ab dem 51. Lebensjahr wird die Impfung gegen Pneumokokkenerkrankungen empfohlen. Die Impfung soll für Personen ohne vorangegangene Pneumokokkenimpfung zuerst mit dem 13-valenten konjugierten Impfstoff und nach einem Jahr mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff durchgeführt werden. Für Erwachsene, die bereits mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff angeimpft sind, wird nach 2 Jahren eine Impfung mit dem 13-valenten konjugierten Impfstoff empfohlen.

Nähere Informationen und Details finden Sie im aktuellen Impfplan 2013 unter: http://bmg.gv.at/cms/home/attachments/3/3/6/CH1100/CMS1327680589121/impfplan2013.pdf

Quelle: Workshop „Fakten zum Thema Pneumokokken“, 12. Dezember 2012, Wien

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