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Impfen 9. Mai 2012

Die Ungeschützten schützen

Auch Erwachsene, die als Kinder gegen Pertussis geimpft wurden, können an der Infektion erkranken und Ungeschützte anstecken. Gefährdet sind vor allem Neugeborene. Boostern kann das Risiko senken.

Pertussis ist eine der häufigsten impfpräventablen Infektionen. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder, sie kann aber auch Ursache für chronischen Husten bei Erwachsenen sein. Da die Immunität gegen Pertussis, unabhängig, ob natürlich oder durch Impfung erworben, nicht lebenslang hält, wird eine regelmäßige Auffrischungsimpfung empfohlen.

 

Bei Bordetella pertussis, in den meisten Fällen der Erreger des Keuchhusten, handelt sich um kleine gramnegative Kokken, deren alleiniges Habitat die zilientragenden Epithelzellen des menschlichen Respirationstraktes sind. Einziges Reservoire ist der Mensch. Das Bakterium wird aerogen übertragen und ist hochinfektiös.

Immunität hält nicht ein Leben lang

Die Pertussis-Durchimpfungsrate bei Säuglingen und Kleinkindern ist hoch, entsprechend niedrig die Infektionsrate. Doch Keuchhusten ist keine Kinderkrankheit. In den letzten Jahren werden zunehmend Pertussisausbrüche bei Jugendlichen und Erwachsenen beobachtet. So ist die Inzidenz von Pertussisinfektionen in Europa zwischen 1998 und 2002 bei den bis Neunjährigen zwischen 30 und 50 Prozent zurückgegangen, bei den Älteren dagegen leicht angestiegen. Der Grund: Die per Vakzinierung oder Infektion erworbene Immunität hält nicht lebenslang. Ein ausreichender Schutz besteht bis zu zwölf Jahre nach der Impfung und bis zu 20 Jahre nach einer durchgemachten Pertussisinfektion, erläuterte Prof. Dr. Fred Zepp von der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, auf dem Kongress der European Society for Paediatric Infectious Diseases (ESPID) in Den Haag. Dieser Verlust an Immunität trägt wesentlich zur Inzidenz des Keuchhustens bei Jugendlichen und Erwachsenen bei. Das Problem: Der Infekt bleibt oft unbemerkt und unbehandelt. Die Infizierten aber sind eine gefährliche Infektionsquelle für Neugeborene und noch unzureichend geschützte Säuglinge.

Hohe Komplikationsrate bei frühem Infekt

Kommt es in den ersten Lebensmonaten zu einer Pertussisinfektion, sind Komplikationen vorprogrammiert: Eine Erhebung bei 25.179 Kindern, die im ersten Lebensjahr an Pertussis erkrankten, ergab eine Hospitalisationsrate von 66 Prozent. 58 Prozent litten unter einer Apnoe und knapp 20 Prozent entwickelten eine Pneumonie. Die Mortalitätsrate lag bei 1,1 Prozent. Dabei sind es vor allem Kinder in den ersten beiden Lebensmonaten, die sterben, so Zepp mit Verweis auf US-amerikanische Daten. Zepp spricht sich deshalb als Vertreter des COPE (Consensus On Pertussis booster vaccination in Europe)-Panels vehement für eine effektive Pertussisboosterung für Jugendliche und Erwachsene aus. Vor allem Menschen, die nahen Kontakt zu noch ungeschützten Säuglingen haben, müssten einen ausreichend hohen Impfschutz haben.

Empfehlung des Impfplans 2012

Während in Österreich Pertussis bei Kindern und Jugendlichen über 16 Jahren zurückgeht, steigt bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen die Anzahl der Pertussisfälle. Ebenso hat die Zahl der an Pertussis erkrankten Erwachsenen mit pulmologischen Komplikationen und Langzeitverlauf in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Der einzig effektive Weg, einer Infektion vorzubeugen und auch empfängliche Gruppen der Bevölkerung, die nicht geimpft werden können indirekt zu schützen, ist die Aufrechterhaltung der Immunität gegen Pertussis durch regelmäßige Auffrischimpfungen. Daher wird im Österreichischen Impfplan die Impfung gegen Pertussis generell für alle Jugendlichen und Erwachsenen als sinnvoll und wirksam empfohlen. Erwachsene mit vorliegender Grundimmunisierung sollten sich alle zehn Jahre, ab einem Alter von 60 Jahren alle fünf Jahre impfen lassen – entweder mit einem Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Poliomyelitis-Kombinationsimpfstoff oder einem Dreifach-Impfstoffs ohne Polio-Komponente (Ausnahme: bei Reisen in Regionen mit Infektionsrisiko).

ÄZ/FH

 

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