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Foto: Getty Images
 
Impfen 24. April 2012

Kinderlähmung trotzt Impfprogrammen

Immer wieder werden Polioviren aus den letzten verbleibenden Endemieländern in andere Regionen der Welt exportiert. Trotz solcher Rückschläge gibt es aber auch erfreuliche Nachrichten.

2011 waren Polioviren dank des Globalen Poliomyelitis-Eradikationsprogramms nur noch in vier Ländern endemisch: Afghanistan, Indien, Nigeria und Pakistan. Für eine weltweite Ausrottung ist eine Weiterimpfung jedoch noch längere Zeit erforderlich, was neu auftretende Fälle in China Ende 2011 gezeigt haben. Vor allem Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko sollten daher in jedem Fall auf den angemessenen und empfohlenen Impfschutz achten.

 

Die weltweite Eradikation von Polioviren war vor zehn Jahren zum Greifen nahe. Impfaktionen auf allen Kontinenten hatten zwischen 1988 und 2001 die Zahl der registrierten Erkrankungen von mehr als 350.000 auf 483 und damit um mehr als 99 Prozent zurückgedrängt. Von den sechs WHO-Regionen trat in drei – Amerika, Westpazifik und Europa – keine Polio mehr auf. Und weitere Fortschritte in den letzten vier verbliebenen Endemieländern – Pakistan, Afghanistan, Indien und Nigeria – schienen nur noch eine Frage der Zeit.

Doch die Hoffnung war trügerisch. Viele Rückschläge haben seither das Ziel der Eradikation wieder in weite Ferne gerückt. 2010 wurden weltweit wieder über tausend Erkrankungen gemeldet.

Die Gründe für die Probleme sind dabei in den Endemieländern sehr verschieden: In Indien gibt es durch die stark wachsende und zusammengedrängte Bevölkerung einen riesigen Infektionsdruck. In manchen Landesteilen müssen Kinder bis zu zehnmal geimpft werden, um die Erregerzirkulation zu unterbrechen.

In Pakistan und Afghanistan haben in den vergangenen Jahren immer wieder religiöse Fundamentalisten gegen Polio-Impfungen opponiert. Fatwahs wurden dagegen ausgesprochen und Mitarbeiter von Impfprogrammen sogar getötet. In Nigeria hingegen war die Regierung nach Berichten von Impfexperten über lange Strecken nicht fähig, selbst eine rudimentäre gesundheitliche Versorgung zu organisieren.

Aus diesen Endemieländern sind inzwischen Polioviren wieder in einige Nachbarregionen exportiert worden. In den Jahren 2009 bis 2010 waren nach Angaben der WHO 23 Länder von solchen Reimporten betroffen, berichtet das Robert Koch-Institut (Epi Bull 2011; 42: 383).

So wurden im vergangenen Jahr erstmalig seit den 90er Jahren wieder Poliofälle in der WHO-Region Europa registriert. 475 Betroffene in Tadschikistan, Russischer Föderation, Turkmenistan und Kasachstan haben sich bei dem inzwischen eingedämmten Ausbruch mit Wildviren aus Indien angesteckt.

Kinderlähmung erstmals im Westen Chinas

Dieses Jahr wurde nun erstmals seit dem Jahr 2000 Kinderlähmung aus dem Westen Chinas gemeldet. In der autonomen Region Xinjiang Uygur wurden seit Anfang Juli zehn Erkrankungen offiziell bestätigt, darunter auch ein Todesfall. Genetische Untersuchungen belegen, dass die Viren aus dem benachbarten Pakistan stammen, wo die Zahl der Poliofälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark gestiegen ist. Mit aktuell 111 Fällen traten dort ein Viertel aller Fälle weltweit auf. In China wurden jetzt bei umfassenden Impfaktionen über 4,5 Millionen Personen geimpft.

Obwohl Poliomyelitis gewöhnlich bei Kindern unter 5 Jahren auftritt, waren dort auch junge Erwachsene betroffen. Daher werden bei den Kampagnen auch Personen im Alter von 15 bis 40 Jahren geimpft.

Ausbruch 2010 im Kongo konnte gestoppt werden

Im Kampf gegen die Kinderlähmung gibt es aber auch Fortschritte: So konnte ein Ausbruch 2010 im Kongo gestoppt werden, und die indische Regierung hofft inzwischen auf eine baldige Ausrottung der Krankheit in ihrem Land. In den vergangenen zwölf Monaten sei dort kein einziger neuer Fall mehr aufgetreten, berichtet Unicef India. Dies ist die längste Polio-freie Periode seit Beginn der Eradikationsprogramme. Schon vergangenes Jahr waren in Indien nur noch 42 neue Poliomyelitis-Fälle gemeldet worden.

Abgesehen von dem schweren Leid der Betroffenen wäre eine Eradikation der Poliomyelitis auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. Die Initiative „Global Polio Eradication“ hat 2009 errechnet, dass sich durch die Ausrottung weltweit jährlich bis zu 1,5 Milliarden Dollar sparen ließen.

ÄZ/FH

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