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Impfen 21. Jänner 2012

Masern in Europa

2011 wurde eine unerfreulich hohe Zahl der gefährlichen Infektionskrankheit gemeldet.

Vor einem Jahr sollten sie längst ausgerottet sein, doch die Masern treiben weiter ihr Unwesen. Vor allem Europa gibt ein schlechtes Bild ab – von hier gelangen die Viren in andere Länder. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den europäischen Staaten einen strengen Rüffel erteilt.

 

Europa müsse jetzt etwas gegen Masern unternehmen, drängt die WHO und warnt vor einer weiteren Zuspitzung der Situation (Weekly Epidemiological Record 2011, 86: 559).

Obwohl Masern eigentlich schon im vergangenen Jahr durch Impfprogramme eliminiert werden hätten sollen, wurden dieses Jahr bis Ende Oktober bereits mehr als 26.000 Erkrankungen in der Region registriert, 83 Prozent davon in Westeuropa.

Das Zentrum des diesjährigen Ausbruchs liegt dabei in Frankreich, gefolgt von Italien, Spanien, Rumänien und Deutschland. Neun Todesfälle, darunter sechs alleine in Frankreich, wurden gemeldet. Über 90 Prozent der Erkrankten waren nicht geimpft oder ihr Impfstatus war unbekannt. Als Konsequenz aus dem Bericht unterstreicht die Maserninitiative die kollektive Verantwortung der Länder für die Eliminierung der Masern.

Obwohl der Masernimpfstoff in Europa breit verfügbar ist, gelingt es in vielen Ländern nicht, die zur Elimination von Masern notwendigen Impfraten von über 95 Prozent für die beiden Impfdosen zu erreichen.

Vorbehalte in Westeuropa

Die WHO nennt als Gründe vor allem mangelhaftes Bewusstsein über die Schwere der Krankheit, Skepsis über den Impfnutzen, Furcht vor Nebenwirkungen und mangelhaften Zugang armer Bevölkerungsgruppen zu dem Schutz.

Besonders in Westeuropa seien religiöse oder philosophische Vorbehalte gegen Impfungen große Barrieren, um den Schutz in der Bevölkerung zu verbessern.

Das Problem vieler westeuropäischer Länder ist zudem, dass dort viele Jugendliche und junge Erwachsene für Masern empfänglich sind. Diese Gruppen sind in der Vergangenheit besonders schlecht durchgeimpft worden, viele der jungen Menschen haben zudem wegen der impfbedingten Abnahme der Erkrankungen keinen Immunschutz durch Wildvirus-Infektionen erworben.

So war knapp die Hälfte der Masernpatienten dieses Jahres in Europa 15 Jahre und älter. Gefragt seien jetzt zusätzliche Impfprogramme, die vor allem auf Jugendliche und junge Erwachsene zielen, betont die WHO.

Dass die Bekämpfung von Masernausbrüchen extrem kostspielig ist, zeigt ein gut dokumentierter Ausbruch mit sieben Masernfällen im US-Bundesstaat Arizona, der sich auf einen Reisenden aus der Schweiz zurückführen ließ und der zwei Krankenhäuser stark belastete sowie Kosten für Gegen- und Eindämmungsmaßnahmen in Höhe von 800.000 US-$ verursachte.

In Österreich können seit dem Sommer 2011 alle Personen bis zum 45. Lebensjahr eine kostenfreie Masernimpfung in allen öffentlichen Impfstellen in Anspruch nehmen. ÄZ/FH

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