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Foto: ©iStockphoto.com/webphotographeer / Ärzte-Woche-Montage
Laut österreichischem Impfplan ist jedem, der sich schützen will, die Influenza-Impfung zu empfehlen.
 
Impfen 6. Dezember 2011

Influenza oder grippaler Infekt?

Eine rechtzeitige Impfung bietet Schutz vor der oft schwerverlaufenden Influenza. Zur Behandlung stehen die Neuraminidasehemmer zur Verfügung, das therapeutische Zeitfenster beträgt jedoch maximal 48 Stunden.

In der kalten Jahreszeit verursachen zahlreiche Viren Atemwegserkrankungen. Während grippale Infekte durch Viren wie beispielsweise Rhinovirus verursacht werden und meist mild verlaufen, können Influenza-A- und Influenza-B-Viren schwerwiegende Erkrankungen zur Folge haben. Zu Präventionsmöglichkeiten und Therapieoptionen bei Influenza gab uns Prof. Dr. Theresia Popow-Kraupp vom Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien folgendes Interview.

 

Im Herbst und Winter erkranken viele Personen an einem grippalen Infekt. Wie unterscheidet sich dieser von einer Influenza?

Popow-Kraupp: Die Abgrenzung einer Influenza von einem grippalen Effekt ist oft schwierig, denn eine Vielzahl von Viren können sehr ähnliche Symptome wie Influenzaviren hervorrufen. Charakteristisch für die Influenza-Erkrankung ist ihr epidemisches Auftreten. Die saisonale Influenza beginnt bei uns meistens um die Weihnachtszeit – Ausnahme war die Pandemie – und ebbt aufgrund der geschlossenen Kindergärten und Schulen, den Hauptübertragungsorten, dann etwas ab, um in der zweiten bis dritten Jännerwoche wieder anzusteigen. Ende Februar bis Mitte März ist die Influenza-Saison meist zu Ende.

Klinische Kardinalsymptome der Influenza sind rasch auftretendes hohes Fieber und trockener Husten. Fieber ist jedoch ein Symptom einer guten Abwehr, daher reagieren vor allem Kinder, Jugendliche und gesunde Erwachsene mit hohem Fieber. Bei Personen mit geschwächter Immunitätslage tritt Fieber als diagnostisches Kriterium gelegentlich in den Hintergrund. Daher ist es auch bei älteren Menschen nicht mehr so ausgeprägt. Es ist also auch eine Frage des Alters, wie sich Symptome manifestieren.

 

Warum ist in Österreich die Durchimpfungsrate im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise Großbritannien so gering?

Popow-Kraupp: Der beste Schutz vor einer Influenza ist neben Hygienemaßnahmen die Impfung. Die Akzeptanz der Influenzaimpfung ist in der Bevölkerung, aber auch in der Ärzteschaft relativ gering. So liegen die Durchimpfungsraten der saisonalen Impfung bei Erwachsenen knapp über 10 Prozent, in der Altersgruppe ab 65 Jahren bei etwa 37 Prozent.

Beim medizinischen Personal sind etwa 22 Prozent geimpft. Dies ist insofern bedenklich, als Umfragen vor allem die Bedeutung des Hausarztes hinsichtlich der Impfberatung und Vorbildwirkung aufzeigen.

Dies zeigt sich auch in Ländern wie Großbritannien, wo die Durchimpfungsrate der über 65-Jährigen bei über 75 Prozent liegt, da die Hausärzte die Impfung stark forcieren.

Ein weiterer Faktor, der mit hohen Durchimpfungsraten assoziiert sein dürfte, ist die öffentliche Finanzierung.

 

Welche Personen sind besonders gefährdet und welche sollten sich unbedingt impfen lassen?

Popow-Kraupp: Laut österreichischem Impfplan ist jedem, der sich schützen will, die Impfung zu empfehlen. Besonders empfohlen ist sie für Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren, weil diese eine besonders hohe Infektionsrate haben und Schlüsselpersonen für die Ausbreitung der Erkrankung darstellen. Geimpfte Kinder schützen zusätzlich auch Senioren. Ebenso sollten Personen mit erhöhter Gefährdung (ab dem 7. Lebensmonat) infolge eines Grundleidens (chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen, Erkrankungen der Nieren, Stoffwechselkrankheiten und Immundefekte), Personen mit Übergewicht und Personen über 50 Jahren geimpft sein, da bei diesen Risikogruppen die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf besonders hoch ist. Auch für Schwangere ist diese Impfung zum eigenen Schutz und zum Schutz des Neugeborenen empfohlen.

Betreuungspersonen (z. B. in Spitälern, Altersheimen und im Haushalt) von Risikogruppen (Kinder, Altersheim) sollten ebenfalls geimpft sein, vor allem auch jene, die noch nicht impfbare Säuglinge betreuen, da bei diesen Influenza-Erkrankungen besonders schwer verlaufen können. Die Impfung ist sehr gut verträglich.

 

Welchen Schutz bietet die saisonale Influenzaimpfung und ab wann ist sie vorhanden?

Popow-Kraupp: Wirklich gute Studiendaten gibt es für gesunde Jugendliche und Erwachsene. Für alle anderen Gruppen wie für ältere Personen, Personen mit Komorbiditäten, Kleinkinder und Kinder sind die Studiendaten spärlich. Bei jener Gruppe, für die gute Daten vorliegen, beträgt die Schutzrate vor einer laborbestätigten Influenza bei übereinstimmenden zirkulierenden Stämmen mit den Impfstämmen zwischen 75 und 80 Prozent. Wenn diese Stämme nicht übereinstimmen, reduziert sich der Schutz auf etwa die Hälfte. Auch bei beispielsweise älteren Personen ist die Immunantwort aufgrund des schwächeren Immunsystems geringer.

Ein Schutz besteht nach Ausbildung eines ausreichend hohen Antikörper-Titers. Dieser mittels serologischer Untersuchungsmethoden festgestellte Titer ist etwa nach 14 Tagen bis drei Wochen bei gesunden Erwachsenen oder Jugendlichen gegeben. Ob der Schutz aber erst dann beginnt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, da uns als einzige Möglichkeit die im Labor gemessene Antikörperantwort zur Verfügung steht. Für die Bestimmung der lokalen Antikörper im Nasen-Rachen-Sekret oder für die Messung zellulärer Immunkomponenten stehen uns kaum universell gängige Methoden zur Verfügung.

 

Welche therapeutischen Maßnahmen können bei einer Influenza-Erkrankung ergriffen werden und was sollte man dabei beachten?

Popow-Kraupp: Für die Behandlung der Influenza stehen uns die Neuraminidasehemmer zur Verfügung. Diese sind sowohl gegen Influenza-A- als auch gegen Influenza-B-Virusstämme wirksam und daher Mittel der Wahl in der Influenza-Therapie. Neuraminidasehemmer unterbinden die Freisetzung neu gebildeter Influenza-Viren aus infizierten Zellen und damit die Ausbreitung der Viren im Organismus.

Vorrangige Ziele der Influenza-Therapie sind die Abwendung schwerer Krankheitsverläufe und die Verhinderung der Verbreitung auf andere Personen. In Studien konnte gezeigt werden, dass Zanamivir sowie Oseltamivir die Krankheitsdauer verkürzen, die Intensität und Dauer der Symptome reduzieren und die Rate an Sekundärkomplikationen senken können. Voraussetzung ist jedoch ein frühzeitiger Therapiebeginn innerhalb von maximal 48 Stunden nach Auftreten erster Symptome, idealerweise jedoch bereits innerhalb der ersten 12 Stunden. Andererseits sollte ein unkritischer Einsatz von Neuraminidasehemmern aufgrund des Risikos einer Resistenzzunahme vermieden werden, weshalb laut Konsensus 2010 deren Einsatz innerhalb des zeitlichen therapeutischen Fensters auf Risikogruppen und Patienten mit klarer Krankheitssymptomatik beschränkt werden sollte.

 

Das Gespräch führte F. Hörandl

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