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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Impfen 26. April 2011

Reisen in andere Länder

Welche lmpfungen brauche ich und was sagen Ergebnisse von Titerbestimmungen aus?

Gerade vor dem Antritt einer Reise sollte der Impfstatus überprüft werden, auch im Hinblick auf den gesundheitlichen Zustand des Reisenden. So gelten für Schwangere oder Immunsupprimierte andere Vorsichtsmaßnahmen als für Kinder. Titerbestimmungen geben jedoch nur bedingt Auskunft über den vorhandenen Impfschutz.

 

„Jede Impfung zählt. Selbst wenn das empfohlene Intervall nach einer Impfung deutlich überschritten ist, kann im normalen Schema weiter geimpft werden, ein Neubeginn bei einer dokumentierten Vorimpfung ist nicht notwendig“, erklärte Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter des Wiener Zentrums für Reisemedizin, bei der 44. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden. Das immunologische Gedächtnis eines gesunden Menschen hält etwa bei FSME ein Leben lang, bei einer Auffrischung beispielsweise nach über acht Jahre ist man immer noch zu 95 Prozent geschützt. Auch nach einer Tollwutimpfung bleibt der Schutz lange erhalten, die zeitliche Grenze ist jedoch nicht bekannt. Das im Vergleich dazu „schwache“ Gedächtnis der Tetanusimpfung liegt bei etwa 15 bis 20 Jahren – immer noch lange genug für eine Auffrischung.

Titerbestimmung – nicht aussagekräftig

Einer Titerbestimmung zur Klärung der Notwendigkeit von Auffrischimpfungen vor dem Antritt einer Reise schreibt der Impfexperte wenig Aussagekraft zu. Sie habe nur dann Sinn, wenn verschiedene Umstände, etwa Krankheiten, die Immunabwehr beeinträchtigen könnten. Eine Antikörpermessung sei nicht mit dem Schutz bakterieller Impfungen korrelierbar. Bei viralen Impfstoffen sei die Immunantwort enger mit dem Schutz verbunden – wie etwa bei Masern, Mumps, Röteln oder FSME, Hepatitis A und B. Aber auch hier gebe es Einschränkungen.

„Titerbestimmungen geben oft nur fragliche Auskunft über den klinischen Schutz und keine eindeutige Aussage über die Schutzdauer. Die Ergebnisse sind außerdem test- und laborabhängig“, betonte Kollaritsch. Serologische Routinetests erfassen beispielsweise nur Antikörper ohne Unterscheidung ihrer Qualitäten, das bedeutet, es werden ohne Unterschiede spezifische protektive Antikörper, aber auch jene ohne protektive Bedeutung gemessen. Demnach ist eine „Titerhöhe“ nicht als direktes Korrelat für protektive Antikörper in der Probe verwertbar. Außerdem spiegeln die Ergebnisse nur den Antikörperstatus zum Abnahmezeitpunkt wider.

Welche Impfungen braucht wer? Einige Beispiele

Ein 30-jähriger Mann mit einem alten Impfpass aus der Kindheit mit kompletten Grundimpfungen für Diphtherie, Tetanus, FSME und Poliomyelitis, alle vor etwa 20 Jahren, will nach Marokko reisen. Welche Impfungen braucht er? Da die Impfungen nicht länger als 20 Jahre zurückliegen, empfiehlt sich Repevax/Boostrix-Polio 1x als Booster, FSME 1x als Booster, Hepatits A+B, Thphus. Eine Malaria-Prophylaxe ist nicht notwendig.

Ein rüstiges Pensionistenehepaar plant eine Alaska-Kreuzfahrt, er leidet an Diabetes Typ II. Empfohlene Impfungen sind Pneumokokken und Influenza, die klassische Routineimpfung für Senioren, die das Influenza-Risiko auch off season abdeckt.

Ein 48-jähriger Mann will eine Weltreise unternehmen. Vor 12 Jahren wurde das letzte Mal dT geimpft, OPV 1995, Harvix 1440 1. Teil 2005. Außer den reisespezifischen Impfungen sollte er einen Booster Diphtherie/Tetanus/Pertussis/Polio, Harvrix1440 als Booster erhalten, danach ist keine weitere Kontrolle notwendig.

 

Quelle: 44. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer, 27. Februar bis 4. März 2011, Saalfelden

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 17 /2011

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