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Impfen 30. März 2011

Schutz der Leber

Hepatitis-Impfaktion in Österreich gestartet.

In Österreich sind nur etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung gegen Hepatitis B geimpft. Um das Bewusstsein für die Gefahren dieser Krankheit zu heben, starten Ärzte- und Apothekerkammer gemeinsam eine neue Kampagne zur Impfungen gegen Hepatitis A und B.

 

Eine der Ursachen für die Entwicklung einer Hepatitis ist die Infektion mit Hepatitisviren. Die wichtigsten sind dabei Hepatitis A-, B- und C-Viren, wobei eine Impfung nur gegen Hepatitis A und B möglich ist. Gilt Hepatitis A vor allem als durch Nahrungsmittel übertragene Reiseerkrankung – die zweithäufigste, wird Hepatits B primär durch Geschlechtsverkehr übertragen und nimmt in Österreich seit Jahren zu. Wurden 2001 noch 210 Hepatitis-B-Fälle offiziell beim Bundesministerium für Gesundheit gemeldet, so waren es 2010 bereits 695 Fälle.

Hepatitis B: Anstieg gemeldeter Neuinfektionen

Hepatitis B ist eines der größten Gesundheitsprobleme, weltweit sind mehr als zwei Milliarden Menschen infiziert, etwa eine Million versterben an dieser Infektion. Hepatitis-B-Viren können über alle Körperflüssigkeiten übertragen werden, der mit 60 bis 70 Prozent häufigste Übertragungsweg ist jedoch der Geschlechtsverkehr. „Durch Hepatitis B verursachte Leberentzündungen gehören zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Hepatitis B kann im Gegensatz zur Hepatitis A zu einer chronischen Erkrankung führen und Leberzirrhose oder Leberkarzinome zur Folge haben. Mindestens 80 Prozent der Leberkarzinome sind Spätfolgen einer Hepatitis-B-Infektion“, betonte Prof. Dr. Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien, bei einer Pressekonferenz.

Alleine in Österreich leben 42.000 Menschen, die an chronischer Hepatitis B erkrankt sind und oft, ohne es zu wissen, eine hohe Ansteckungsgefahr für andere darstellen. In Österreich wurde mit 695 Fällen im Jahr 2010 wieder ein Anstieg der gemeldeten Neuinfektionen verzeichnet. „Hygienemaßnahmen können zwar das Risiko einer Ansteckung vermindern, geschützt ist man jedoch nur mit der Impfung“, so Kunze. Derzeit sind in Österreich jedoch nur 38 Prozent der Personen über 15 Jahre gegen Hepatits B geimpft.

Hepatitis A: Oft unbemerkt aus dem Urlaub importiert

Hepatitis A, ebenfalls eine hoch ansteckende Virusinfektion der Leber, wird vor allem durch verunreinigte Lebensmittel oder durch Schmierinfektion übertragen. Da das Hepatitis-A-Virus von infizierten Personen, auch asymptomatischen, etwa vier Wochen lang in großen Mengen mit dem Stuhl ausgeschieden wird, kann es leicht auf dem „fäkal-oralen“ Weg übertragen werden.

„Der Verlauf einer Hepatitis A ist jedoch altersabhängig. Je älter die betroffene Person, desto größer die Gefahr für fulminante Krankheitsverläufe, die bei 2,7 Prozent der über 49-jährigen Betroffenen sogar zum Tod führen“, warnte Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Unit Epidemiologie und Reisemedizin am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Medizinuniversität Wien. „Da es bei dieser Erkrankung keine Therapie gibt, ist ihr Verlauf schicksalshaft“, so der Experte.

In Europa ist aufgrund der zunehmend verbesserten sanitären und hygienischen Bedingungen ein deutlicher Rückgang der Hepatits-A-Erkrankungen zu beobachten. Allerdings verringerte sich dadurch auch die „natürliche Immunität“ und es steigt das Risiko einer Gefährdung durch Kleinepidemien. Oft von den Betroffenen unbemerkt, wird eine Hepatitis A vor allem aus beliebten Urlaubsländern importiert und dann im Inland verbreitet.

Gefährdet sind aber auch in Österreich geborene Kinder mit Migrationshintergrund, die Verwandte im Heimatland der Eltern besuchen. Stecken sie sich an und kehren während der Inkubationszeit zurück, können sie Gleichaltrige in Tagesbetreuungsstätten anstecken. Fast jede zehnte Infektion bei Kindern mit Hepatitis A erfolgt in diesen Kindertagesstätten, 20 Prozent der Ansteckungen passieren im Haushalt.

Der Österreichische Impfplan empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Hepatitis A, bestehend aus zwei Teilimpfungen, im 2. Lebensjahr.

Flächendeckende Durchimpfung

„Die einzige sichere Möglichkeit, sich vor diesen Erkrankung zu schützen, ist die Impfung gegen Hepatitis A und B“, so Dr. Wilhelm Sedlak, Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer. Zwar sind die Durchimpfungsraten in den letzten Jahren in Österreich stetig angestiegen, aber Umfragen haben gezeigt, dass noch ein großer Aufholbedarf in Bezug auf Hepatitis-Impfungen besteht.

„Angesichts der steigenden Fallzahlen steht die österreichische Ärzteschaft hinter der Hepatitis-Impfaktion. Wir fordern eine flächendeckende Durchimpfung der gesamten Bevölkerung“, betonte Sedlak.

Hepatitis-Impfaktion

„Da die Durchimpfungsrate gegen Hepatitis nach wie vor gering ist, hat die Österreichische Apothekerkammer gemeinsam mit der Österreichischen Ärztekammer wieder eine Hepatitis-Impfaktion gestartet, mit dem Ziel, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Hepatitisgefahr zu heben“, unterstrich Mag. pharm. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.

 

Quelle: Pressekonferenz „Hepatitis macht Sex gefährlich“, 23. März 2011, Wien

Hepatitis-Impfaktion
Von 1. April bis 31. Mai 2011 liegen Gutscheine in allen öffentlichen Apotheken und bei Ärzten auf. Mit diesen Gutscheinen kann man die Impfstoffe gegen Hepatitis A und B zu Aktionspreisen beziehen.

Weitere Informationen unter: www.hepatits-impfen.at

Von Dr. Friederike Hörandl, Ärzte Woche 13 /2011

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