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Impfen 11. Jänner 2011

Impfempfehlungen 2011

Der neue Plan enthält gegenüber 2010 keine prinzipiellen Änderungen.

Im Gegensatz zu dem stark überarbeiteten Impfplan 2010 sind in der neuen Fassung für 2011 keine prinzipiellen Veränderungen zu verzeichnen, lediglich Klarstellungen, Ergänzungen und zusätzliche Literaturangaben zu einzelnen Impfungen (Hepatitis B bei beruflicher Exposition, Influenza bei Kindern, Masern-Mumps-Röteln bei Erwachsenen, Meningokokken, Pneumokokken, Poliomyelitis und Titerbestimmungen) wurden eingefügt.

 

Hepatitis B: Für die Impfung von Gesundheitspersonal gegen Hepatitis B wurde eine Klarstellung hinsichtlich der Auffrischungsimpfungen getroffen: Wenn planmäßig (nach Grundimmunisierung und einem ausreichenden Schutztiter von ≥100 mIE/ml) nach 10 Jahren eine Auffrischungsimpfung durchgeführt worden ist, sind weitere Titerbestimmungen nur nach Exposition erforderlich.

Influenza: Diese Impfung ist nun für Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat bis fünf Jahre jährlich empfohlen.

Masern, Mumps, Röteln: Für Erwachsene, die keine Immunität gegen Masern oder Mumps oder Röteln besitzen, ist das Nachholen dieser Impfung wichtig. Dafür werden zwei MMR-Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen empfohlen. Besondere Bedeutung hat dies für die Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen auf Grund oft mangelhafter Vorimpfung. Für diese Gruppe wird eine Immunitätsuntersuchung bzw. Impfung empfohlen.

Meningokokken: Konjugierte Meningokokkenimpfstoffe sind gegenüber den Polysaccharid-Impfstoffen zu bevorzugen. Da nun ein konjugierter tetravalenter Meningokokkenimpfstoff zur Verfügung steht, vorläufig ab 11 Jahren zugelassen, wird ab diesem Alter der neue Impfstoff für Jugendliche, für Reiseimpfungen und für speziell gefährdetes Gesundheitspersonal empfohlen.

Pneumokokken: Die Pneumokokkenimpfung mit dem Konjugatimpfstoff ist vorläufig nur für Risikokinder und Hochrisikokinder kostenlos erhältlich. Die Durchimpfungsrate bei Kindern ist dementsprechend niedrig und nur wenige Kinder ohne höheres Risiko erhalten die empfohlenen drei Dosen. Wenn daher aus finanziellen Gründen nicht alle vier ab dem 3. Monat empfohlenen Impfstoffdosen bezahlt werden können, ist es besser, zwei Dosen (im 3. und 5. Monat) zu verabreichen, als die Erstimpfung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, auch wenn dadurch nur ein inkompletter Impfschutz gegeben ist. Mit einer 3. Dosis im 2. Lebensjahr kann ein 98-prozentiger Schutz (gegenüber 100 Prozent mit vier Dosen) erreicht werden.

Für die Pneumokokkenimpfung von Personen im Alter von 65 Jahren wird weiterhin nur eine Dosis empfohlen. Ausnahmen für Personen mit hohem Risiko sind in der Fachinformation angeführt.

Poliomyelitis: Aufgrund ihrer Ausbreitung im Gebiet von und um Russland wird der Wichtigkeit dieser Impfung durch einen Zusatz zur Tabelle Impfungen bei Erwachsenen Ausdruck verliehen, indem statt der dip-TET-PEA-Dreifachimpfung auch ein Vierfachimpfstoff mit IPV verwendet werden kann. Dies ist vor allem empfehlenswert, wenn Reisen in Kontinente mit Zirkulation von Polioviren (Afrika, Asien) möglich oder geplant sind.

Bezüglich Titerbestimmungen wurde ein Absatz ergänzt: Kontrollen der Immunität durch Blutabnahmen und Titerbestimmungen sind im Rahmen der Routineimpfungen generell nicht notwendig. Ausnahme: Hepatitis B (bei Kindern von HBs-Ag-positiver Mutter oder bei beruflicher Exposition) und Tollwut (bei beruflicher Exposition) sowie Patienten mit Immundefizienz. Im Einzelfall können Titerbestimmungen (bei eindeutig bekanntem Schutzkorrelat) für die Festlegung von Booster-Impfungen herangezogen werden (z. B. für Tetanusimpfung bei fehlender Impfdokumentation).

Allgemeingültige Grundsätze

Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Alle Geimpften sind im Regelfall vor der Krankheit geschützt. Zudem können Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, bei einer anhaltend hohen Durchimpfungsrate eliminiert werden.

Entsprechend einer UN-Konvention haben Kinder das Recht auf beste Gesundheitsversorgung, wozu auch der Schutz vor Krankheiten, die durch Impfung vermeidbar sind, gehört. Den Eltern obliegt es, die Schutzimpfungen bei ihren Kindern durchführen zu lassen. Für einen ausreichenden Impfschutz der betreuten Personen zu sorgen, ist ärztliche Verpflichtung. Dazu gehört, dass die Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern rechtzeitig begonnen, nicht unnötig verzögert und zeitgerecht abgeschlossen wird. Darüber hinaus muss der Impfschutz durch notwendige Auffrischungsimpfungen in jedem Lebensalter sichergestellt werden.

Laut WHO soll daher jeder Arztkontakt dazu genutzt werden, zu prüfen, ob die empfohlenen Impfungen durchgeführt worden sind, und – wo notwendig – fehlende Impfungen nachzuholen. Auch Arztkontakte im Rahmen von Spitalsaufenthalten sollten dafür genutzt werden.

 

Quelle: Österreichischer Impfplan 2011, Langfassung einzusehen unter www.oegk.at

Allgemeiner Impfkalender für Säuglinge
 ab 7. Wo.3. Mo.4. Mo.5. Mo.6. Mo.7. Mo.ab 12. Mo.
Rotavirus (RTV) 2 bzw. 3x RTV-Impfstoff (Schluckimpfung)    
Diphtherie (DIP)
Tetanus (TET)
Pertussis (PEA)
Poliomyelitis (IPV)
Haemophilus infl. B (HIB)
Hepatitis B (HBV)
  1. 6-fach Impfung   2. 6-fach Impfung     3. 6-fach Impfung
Konjugierte Mehrfachimpfung gegen Pneumokokken (PNC)   1. PNC-Impfung   2. PNC-Impfung   3. PNC-Impfung  
Tabelle 1
Allgemeiner Impfkalender für Kleinkinder
 13. Mo.14. Mo.15.-19. Mo.20.-24. Mo.3. Lj.5. Lj.6. Lj.
Masern
Mumps (MMR)
Röteln
1.MMR     2. MMR      
Varizellen (VZV) 1. VZV* ev. 2. VZV* 2. VZV*
Pneumokokken 4. PNC      
Konjugierte Meningokokken-
Impfung (MEC)
1. MEC-Impfung**            
Hepatitis A (HAV)   1. HAV   2. HAV      
FSME FSME FSME   FSME   FSME  
Tabelle 2: * Vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen; ev. auch als MMRV
** Die Impfung gegen Meningokokken ist ab dem vollendeten 2. Lebensmonat möglich.
Allgemeiner Impfkalender für Schulkinder
Lj.7.8.9.10.11.12.13.14.15.
Diphtherie (dip)
Tetanus (TET)
Pertussis (PEA)
Poliomyelitis (IPV)
Auffrischungsimpfung dip-TET-PEA-IPV*            
Hepatitis B (HBV) Auffrischung bzw. nachholen der Grundimmunisierung (spätestens bis zum 13. Lj.)    
Humane Papillomviren (HPV)     3x HPV**
FSME       FSME         FSME
Konjugierte Meningokokkenimpfung (MEC)         MEC4    
Masern
Mumps (MMR, MMRV)
Röteln
MMR nachholen, wenn nicht immun***
Windpocken (VZV)     VZV 2x wenn nicht immun***
Tabelle 3: * Kinder mit einer dT-IPV sollten nach dem alten Schema weiterlaufen d.h. im 13. LJ dT-PEA erhalten.
** s. Fachinformation; bis zum Alter von 26 Jahren
*** immun bedeutet Erkrankung durchgemacht oder 2x geimpft
Allgemeiner Impfkalender für Erwachsene
18-20 Jahre30 Jahre40 Jahre50 Jahre60 Jahre65 Jahre70 Jahre75 Jahre usw.
dip TET
PEA
dip TET
PEA
dip TET
PEA
dip TET
PEA
dip TET
PEA
dip TET
PEA
dip TET
PEA
dip TET
PEA
FSME alle 5 Jahre FSME alle 3 Jahre
HPV für Frauen nachholen          
FLU (Influenza) jährlich FLU (Influenza) jährlich
  VZV (Herpes zoster) 1x
          PNE    
Tabelle 4: Statt der dip-TET-PEA-Dreifachimpfung kann auch ein Vierfachimpfstoff mit IPV verwendet werden. Dies ist vor allem empfehlenswert bei Reisen in Kontinente mit Zirkulation von Polioviren (Afrika, Asien).

Wo = Woche Mo = Monat Lj = Lebensjahr

Von Dr. Friederike Hörandl, Ärzte Woche 2 /2011

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