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Impfen 6. Juli 2010

Schutz vor Meningitiden, Sepsis, Pneumonie und Otitis media

Pneumokokkenimpfung für Säuglinge und Kleinkinder kann Infektionen mit Streptococcus pneumoniae verhindern und verringert Antibiotika-Resistenzen bei den krankmachenden Keimen.

Streptococcus pneumoniae verursacht schwere Infektionen wie Sepsis, Meningitis, Pneumonien oder Otitis media. Weltweit sterben jährlich etwa 830.000 Kinder unter sechs Jahren an einer Pneumokokken-Infektion. Den effektivsten Schutz bietet die Immunisierung durch die Impfung. Diese wird in den meisten europäischen Ländern für alle Kinder von der öffentlichen Hand finanziert, in Österreich jedoch nur für Risikokinder.

 

Serologisch werden nicht weniger als 90 verschiedene Pneumokokken-Typen unterschieden, wovon 23 für 90 Prozent der in Europa auftretenden Pneumokokken-Erkrankungen verantwortlich sind. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren sowie Ältere über 65 Jahre.

Laut einer österreichweiten Studie zur Überwachung invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (Meningitis, Sepsis und Pneumonie) liegt die durchschnittliche Inzidenz bei Kindern unter fünf Jahren bei 7,2 pro 100.000, die höchsten Raten finden sich bei Kindern unter zwei Jahren.

Infektions-Fallzahlen

„Im Zeitraum von Februar 2001 bis Dezember 2009 gab es in Österreich rund 260 Fälle, etwa ein Drittel entfiel auf Meningitiden“, wies Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinischen Universität Wien, auf die Gefährlichkeit invasiver Pneumokokken-Erkrankungen hin. Die erkrankten Kinder müssen fast immer ins Krankenhaus eingeliefert werden – in den meisten Fällen handelt es sich noch um Säuglinge oder um Kleinkinder.

Eine rasche Verabreichung von Antibiotika kann zwar lebensrettend sein und Folgeschäden vermeiden helfen, jedoch werden die Pneumokokken-Resistenzen gegen Makrolid-Antibiotika und Penicilline zunehmend häufiger. So stieg die Makrolid-Resistenz der Mutanten von den Jahren 1996 bis 2006 von etwa 3,5 Prozent auf etwa 27 Prozent.

Mittelohrentzündungen bei den Kleinen vermeidbar

Bereits eine Erstimpfung gegen Pneumokokken könnte 5,7 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen vermeiden. Studien belegen, dass durch nationale Impfprogramme auch die Anzahl Antibiotika-resistenter Stämme von Pneumokokken abnimmt.

In Österreich wird derzeit nur ein zehn-valenter Impfstoff für Risikokinder von der öffentlichen Hand finanziert. Dieses Vakzin deckt jedoch lediglich etwa zwei Drittel aller in Österreich bei Kindern nachgewiesenen invasiven Serotypen des Krankheitskeims ab. „In nahezu allen anderen europäischen Ländern wird bereits der 13-valente Impfstoff verwendet, mit einer deutlich höheren Serotypenabdeckung von rund 80 Prozent. Hinzu kommt, dass dieser von der öffentlichen Hand für alle Kinder finanziert wird“, verwies Kollaritsch auf die derzeitige Situation in Österreich im internationalen Vergleich.

Der 13-valente Impfstoff bietet zusätzlich Schutz vor den Serotypen 19A, 6A und 3.

  • Der Serotyp 19A gilt als häufiger Verursacher schwerwiegender invasiver Pneumokokken-Erkrankungen sowie akuter Otitis media.
  • Die Serotypen 19A und 6A weisen außerdem in vielen Ländern bereits mehrfache Antibiotikaresistenzen auf.
  • Der Serotyp 3 ist ebenfalls an der Entstehung invasiver Pneumokokken-Infektionen beteiligt.

Diese Serotypen werden nur vom 13-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff abgedeckt.

Herdenimmunität

Für Eltern, die in Österreich ihre gesunden Kinder impfen lassen wollen, beläuft sich der Preis pro Impfdosis auf 108 Euro. Für eine komplette Immunisierung sind vier Teilimpfungen notwendig. Zweimal jährlich gibt es eine Aktion mit verbilligtem Preis. Ein effektiver Schutz im Sinne einer Herdenimmunität könne jedoch nur durch eine ausreichend hohe Durchimpfungsrate bei allen Kindern erreicht werden, so der Experte. Basis ist ein nationales Impfprogramm.

 

Quelle: Pressehintergrundgespräch „Pneumokokkenimpfung: Chancen für die Volksgesundheit“, 24. Juni 2010

Von Dr. Friederike Hörandl, Ärzte Woche 27 /2010

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