zur Navigation zum Inhalt
 
Impfen 23. Februar 2010

Impfplan 2010

Die neuen Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates sind evidenzbasiert. Die raschen Entwicklungen führten zu signifikanten Veränderungen gegenüber dem Vorjahr.

Jedes Jahr versammeln sich die führenden Impfexperten des Landes zum Impfausschuss, um die neuesten Entwicklungen zu erörtern und Empfehlungen auszusprechen. Nun steht das neue, 34 Seiten starke Papier zur Verfügung und wartet mit einer ganzen Reihe von neuen Empfehlungen zur Immunisierung auf.

Auch wenn Impfungen in Österreich nicht pflichtig, sondern freiwillig sind, ist es eine ärztliche Verpflichtung, für einen ausreichenden Impfschutz von betreuten Patienten zu sorgen. Auf diese weist der Oberste Sanitätsrat, dem 19 ausgewiesene Experten aus ganz Österreich angehören, explizit in den Vorbemerkungen hin. Rechtzeitige Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern gehört ebenso dazu, wie die erforderlichen Auffrischungsimpfungen sicherzustellen. Impfkritische Ärzte werden konkret darauf hingewiesen, dass „ein Abraten von Impfungen ohne Kontraindikationen durch Ärzte ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin" ist. Jeder Arzt-Patientenkontakt, so der Grundsatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sollte dazu genutzt werden, zu prüfen, ob die empfohlenen Impfungen durchgeführt worden sind, und, wo notwendig, fehlende Impfungen nachzuholen.

Weniger Spritzen

Um die Zahl für die unterschiedlichen Impfungen zu minimieren, ist es generell besser, Kombinationsimpfungen zu verabreichen. Ärzte sollten aber nicht vergessen, dass zum Impfen nicht nur das Aufziehen einer Spritze und das gekonnte und schmerzarme Injizieren des Impfserums gehört. Vielmehr gehört zur Impfleistung auch, wird im Impfplan 2010 explizit betont, die Aufklärungspflicht gegenüber dem Patienten. Er muss über die zu verhütende Krankheit und die Impfung informiert und aufgeklärt werden. Selbstverständlich gehören auch die Anamnese und die Feststellung des Impfstatus sowie des eventuellen Allergiestatus dazu. Der Arzt muss die Impftauglichkeit feststellen und schließlich die Impfung inklusive der Chargennummer im Impfausweis des Patienten und in den ärztlichen Aufzeichnungen dokumentieren.

Was ist neu im Impfplan 2010?

Bei den aktuellen Empfehlungen wurden die neuere Literatur berücksichtigt und die Erfahrungen anderer europäischer Länder.

Die wichtigsten Neuerungen:

  • Verringerung der Zahl der Dosen der Sechsfach-Impfung für Säuglinge auf das 2 plus 1 Schema (statt 3 plus 1).
  • Reduktion der Zahl der Dosen für die Pneumokokkenimpfung, wobei der Zeitpunkt der dritten Dosis jeweils in den 12. Monat verlegt wird.
  • Aufnahme der Impfung gegen Meningokokken C mit einer Dosis für Kleinkinder (siehe Tabelle) plus einer Dosis für Schulkinder.
  • Empfehlung der Varizellenimpfung ab Beginn des 2. Lebensjahres.
  • Berücksichtigung der FSME-Impfung im allgemeinen Impfschema.
  • Aufnahme von Hepatitis A in das allgemeine Impfschema.
  • Verringerung der Zahl der Auffrischungsimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus im Schulalter auf eine Dosis, diese kommt aber schon im Volksschulalter als Vierfachimpfstoff mit Keuchhusten- und Kinderlähmungskomponente (PEA und IPV).
  • Die Erwachsenen-Auffrischungsimpfung für Kinderlähmung wird weggelassen.
  • Nur mehr einmalige Pneumokokkenimpfung für Senioren im Alter von 65 Jahren, weil die Wiederimpfung keinen ausreichenden Antikörperanstieg bewirkt.
  • Ab Verfügbarkeit sollte der konjugierte Vierfach-Meningokokkenimpfstoff entsprechend der Zulassung ab elf Jahren statt des Polysaccharidimpfstoffs verwendet werden.
  • Die Tabelle zur Behandlung allergischer Reaktionen bei Impfungen wurde überarbeitet.

http://www.bmg.gv.at

Quelle: Impfplan 2010 Österreich.

Allgemeiner Impfkalender für Kleinkinder
 13. Monat14. Monat15.-19. Monat20.-24. Monat3. Lebensjahr5. Lebensjahr6. Lebensjahr
Masern Mumps (MMRV) Röteln 1.MMR     2. MMR      
Varizellen (VZV) 1. VZV*     ev. 2. VZV*   2. VZV*  
Konjugierte Meningokokken- Impfung (MEC) 1. MEC-Impfung**            
Hepatitis A (HAV)   1. HAV- Impfung   2. HAV- Impfung      
FSME FSME FSME   FSME   FSME  
* Vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen: ev. auch als MMRV ** Die Impfung gegen Meningokokken ist ab dem vollendeten 2. Lebensmonat möglich. Zur Erzielung eines optimalen Impfschutzes sind abhängig vom Alter bei der Erstimpfung unterschiedliche Schemata zu beachten (vgl. Tabelle im Abschnitt Meningokokken).
Zusätzlich empfohlene Impfungen:
- ab vollendetem 6. Lebensmonat Influenza-Impfung, jährlich
 

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 08 /2010

  • Herr Walter Retzberger, 08.10.2010 um 16:59:

    „dieser Impfplan verunsichert mich total, Ärzte geben widersprüchliche Informationen bzgl. möglicher Impfschäden und auf Foren habe ich ebenfalls heftige Diskussionen verfolgt, etwa auf <a href="http://www.babyforum.at">diesem Babyforum</a>. Soll man sich wirklich 100% daran halten, wenn man in Österreich lebt und mit Kindern oder Babies nicht in gefährliche Auslandsdestinationen unterwegs ist?“

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben