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Infektiologie 30. April 2008

Neue Strategien gegen die Vogelgrippe

Gefürchtete Infektionskrankheiten wie Vogelgrippe, SARS oder Anthrax führen häufig zum Tod durch akutes Lungenversagen. Forscher am IMBA, dem Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), können den Mechanismus der Erkrankung nun im Detail erklären und haben oxidativen Stress als gemeinsamen Auslöser identifiziert. Die oxidierten Moleküle werden vom Immunsystem erkannt und lösen eine fatale Kettenreaktion aus.

Die sogenannte Schocklunge (auch „akutes progressives Lungenversagen” bzw. „acute respiratory distress syndrome”, ARDS) ist eine massive Reaktion des Körpers auf verschiedene Faktoren, die die Lunge direkt oder indirekt schädigen. Die Überlebenschancen sind auch bei intensivmedizinischer Versorgung gering. Etwa 50 Prozent der Menschen, die an der Vogelgrippe vom Typ H5N1 erkranken, sterben an ARDS.
Am Wiener IMBA ist man den Mechanismen der Krankheit seit etwa fünf Jahren auf der Spur. Nun klärten die Forscher in enger internationaler Zusammenarbeit einen gemeinsamen Auslöser und die Reaktionswege auf, die – unabhängig von der Ursache – zur Schocklunge führen (Cell 2008; 133, 235-249).
Mit Hilfe von Mausmodellen konnten die Forscher zeigen, dass ein bestimmter Abwehrmechanismus der angeborenen Immunität eine Schlüsselrolle bei der Erkrankung spielt. Am Beginn der Signalkette steht ein Rezeptor mit dem Namen TLR4 (Toll-like Rezeptor 4). Dieses Molekül sitzt an der Oberfläche von Immunzellen der Lunge und reagiert auf Erkennungsmerkmale von Viren, Bakterien, aber auch auf chemische Reize. TLR4 mobilisiert seinerseits die natürliche Immunabwehr und setzt damit eine Art molekulare Kettenreaktion in Gang, an deren Ende die Lunge irreparabel geschädigt ist.

Allgemein wirksame Therapie vorstellbar

Aus dieser Erkenntnis leiten die beteiligten Wissenschaftler eine große Hoffnung ab. Da sie einen sogenannten „common injury pathway“ gefunden haben, wäre auch eine allgemein wirksame Therapie vorstellbar, die in einen zentralen Mechanismus der Erkrankung eingreift. Da eine solche Therapie unabhängig von der auslösenden Ursache wirkt, könnte sie auch als Waffe gegen neu auftretende Viren dienen.

Quelle: Presseaussendung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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