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Infektiologie 1. Oktober 2006

Pharmakodynamische Interaktion zwischen Atovaquon und anderen Malariamitteln bei P. falciparum

Atovaquon, ein 2-Hydroxy-1,4-naphthochinon, wurde zunächst zur Behandlung opportunistischer Infektionen bei immungeschwächten Patienten eingeführt. Erste klinisch-parasitologische Erfahrungen mit der Monotherapie bei der Malaria waren enttäuschend wegen der hohen Variabilität der Absorption von Atovaquon. Mit Proguanil wurde jedoch eine potenzierende Partnersubstanz gefunden und die Atovaquon-Proguanil Kombination wurde wegen ihrer blutschizontoziden und kausalprophylaktischen Wirkung als Medikament zur Therapie und Prophylaxe der Malaria eingeführt und populär. Trotz der verstärkten Wirkung gibt es auch mit der Kombination gelegentlich Absorptionsprobleme, insbesondere bei Patienten mit gastro-intestinalen Störungen. Es erscheint sinnvoll, durch die zusätzliche Gabe eines rasch wirksamen Blutschizontozids, z.B. einem der Artemisinine, rasche klinische Besserung und Normalisierung der Absorption anzustreben. Die Interaktion zwischen Atovaquon und Artemisinin sowie zwischen Atovaquon + Proguanil und Artemisinin wurde an 37 frischen Isolaten von Plasmodium falciparum in Nordwest-Thailand, einer Gegend mit Multiresistenz, geprüft. Die Interaktion zwischen Atovaquon und Artemisinin war oberhalb der EC30 synergistisch, mit mittleren ΣFIC (Berenbaum) Werten von 0,9679 bei der EC50, 0,4014 bei der EC90 und 0,2214 bei der EC99. Synergismus war noch stärker betont bei der Dreifachkombination, Atovaquon + Proguanil und Artemisinin, beginnend bei der EC10. Die mittleren ΣFIC Werte waren 0,7626 bei der EC50, 0,2939 bei der EC90 und 0,1527 bei der EC99. Der hohe Synergiegrad bei den klinisch relevanten Konzentrationen lässt erwarten, dass die therapeutische Wirksamkeit und Zuverlässigkeit von Atovaquon-Proguanil durch die zusätzliche Gabe eines geeigneten Artemisininderivats, z.B. Artesunat, erheblich gesteigert werden kann.

Carola Lütgendorf, Chaiporn Rojanawatsirivet, Gunther Wernsdorfer, Jeeraphat Sirichaisinthop, Herwig Kollaritsch, Walther H. Wernsdorfer, Wiener klinische Wochenschrift

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