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Infektiologie 13. November 2007

Pilze wehren sich mit Pumpen

Candida albicans kann gegen die verfügbaren Medikamente resistent werden. Wie dies vor sich geht, darüber berichten Wissenschaftler der Universitäten Tennessee und Würzburg in PLoS Pathogens (3(11): e164 DOI: 10.1371/journal.ppat.0030164). Candida albicans ist an sich ein harmloser Schleimhautbewohner. Bei Immunsuppression im Rahmen von AIDS oder Organtransplantation kann er sich massiv ausbreiten und zu lebensgefährlichen Infektionen führen.
Gegen Pilze wie Candida werden Azole eingesetzt, die in den Erreger eindringen und seine Vermehrung hemmen. Widerstandsfähige Formen des Pilzes wehren sich gegen die Azolvergiftung: Sie bilden massenhaft spezielle Pumpen, mit denen der Wirkstoff aus der Zelle befördert werden kann. Studienautor Prof. Dr. Joachim Morschhäuser von der Universität Würzburg: „Wir haben jetzt herausgefunden, wie Candida albicans die Produktion der Pumpen dauerhaft steigert und dadurch letzten Endes unempfindlich gegen das am häufigsten eingesetzte Medikament Fluconazol wird.“
Die Forscher entdeckten im Erbgut widerstandsfähiger Candida-Pilze Mutationen, durch welche eine veränderte Form des Proteins Mrr1p gebildet wird. Mrr1p ist ein Transkriptionsfaktor, der die Produktion oben erwähnter Pumpmoleküle ankurbelt. Als die Forscher das mutierte Gen in nicht-resis­tente Candida-Stämme einbrachten, wurden diese plötzlich unempfindlich gegen Azole. Und nachdem sie das Gen in resistenten Pilzen inaktiviert hatten, konnte das Medikament seine Wirkung wieder entfalten. „Damit haben wir einen Ansatzpunkt gefunden, über den sich resistente Candida-Stämme künftig vielleicht bekämpfen lassen“, erläutert Morschhäuser. „Nach neuen Medikamenten, die direkt die Pumpen hemmen, suchen derzeit schon viele Arbeitsgruppen weltweit, weil dieser Mechanismus auch eine Rolle beim Versagen von Krebsmedikamenten spielt.“ Interessant seien jetzt auch Wirkstoffe, die den mutierten Transkriptionsfaktor ausschalten.
Als Nächstes will der Infektions­biologe herausfinden, wie der Transkriptionsfaktor an sein Zielgen bindet. Außerdem interessiert sich der Forscher für die Mutationen, die im Gen des Transkriptionsfaktors nachgewiesen werden konnten. Schließlich bewirken genau diese Veränderungen, dass der Transkriptionsfaktor nicht nur zur gebotenen Zeit, sondern ständig aktiv ist.

PM

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