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Infektiologie 10. Oktober 2007

Vogelgrippe plazentagängig

Der H5N1-Stamm des Vogelgrippe-Virus kann über die Plazenta schwangerer Frauen auf den ungeborenen Fötus übergehen; und bei Erwachsenen können auch andere Organe als die Lunge betroffen sein, berichten die Autoren eines aktuellen Artikels. Professor Jiang Gu von der Universität Peking und seine Kollegen untersuchten post mortem Gewebsproben eines Mannes und einer schwangeren Frau sowie ihres toten Fötus.
Sie analysierten, inwieweit die Infektion verschiedene Körperorgane betrifft (Lancet 2007; 370: 1137). Derzeit ist wenig über die spezifischen Effekte virusinfizierter Organe und Zellen bekannt, wie die Autoren in ihrer Untersuchung eingangs bemerken.
Die Forscher fanden virales genetisches Material und Antigene in den Lungen, bestimmten Zellen der Trachea, T-Zellen im Lymphknoten, Neuronen des Gehirns in Plazenta-Zellen. Weiteres genetisches Material wurde in der intes­tinalen Mucosa gefunden, allerdings in Abwesenheit viraler Antigene. Im untersuchten Fötus wurden sowohl Virus-RNA als auch virale Antigene in der Lunge, in zirkulierenden Immunzellen und in Zellen der Leber gefunden. Die Wissenschaftler folgern daraus: „Diese Studie zeigt die Möglichkeit der vertikalen Transmission des H5N1-Virus beim Menschen. Dies rechtfertigt weitere sorgfällige Untersuchungen, da mütterliche Infektionen mit gewöhnlichem humanen Influenza-Virus den Fötus meist nicht infizieren.“
Und die Wissenschaftler führen weiter aus: „Wir konnten zeigen, dass sich das H5N1-Virus über die Lungen hinaus ausbreiten kann. Diese neuen Daten sind wichtig für die klinische, pathologische und epidemiologische Untersuchung humaner H5N1-Infektionen und haben auch Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und das Gesundheitssystem.“

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