zur Navigation zum Inhalt
 
Infektiologie 29. August 2007

Mutation auf Probe

Infektiologen der Universität Bern untersuchten Bakterienstämme mit verschiedenartigen Resis­tenzen und entdeckten, dass hochresistente Subgruppen durchwegs gleiches Erbmaterial besitzen. Die Streptokokken reagierten erfolgreicher auf Antibiotikatherapie als ihre genetisch identen Artgenossen. Streptococcus pneumoniae entwickelt seit Jahrzehnten vermehrt Penicillinresistenzen. Laut Studienautorin Kathrin Mühlemann vom Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern spielen bei diesem Vorgang Heteroresistenzen eine große Rolle. Bei einem heteroresistenten Bakterienstamm sind zwar mehr als 90 Prozent der Bakterien empfindlich auf ein Antibiotikum, ein kleiner Teil bildet jedoch eine resis­tente Subpopulation. Ein solcher Bakterienstamm kann leicht fälschlicherweise als penicillinempfindlich eingestuft werden. Die resis­tente Subpopulation wird eine etwaige Antibiotikatherapie aber überleben und kann später erneut eine Infektion auslösen.
Die Schweizer Wissenschafter untersuchten für ihre Studie Streptokokkenstämme aus 16 Ländern. In sieben der Stämme entdeckten sie resistente Subgruppen, die genetisch mit der Hauptpopulation identisch waren. „Die Heteroresis­tenz erlaubt dem Keim eine Testphase – damit kann der Mikroorganismus trotz Antibiotika mit Wachstum experimentieren“, erklärt Mühlemann. Eine Genmutation würde das Bakterium zuerst schwächen, vermuten die Infektiologen, da das neue Gen erst in den Stoffwechsel aufgenommen werden müsste.
Die Heteroresistenz wiederum ermöglicht dem Keim, neue Stoffwechselmechanismen und Resis­tenzformen auszuprobieren, ohne die Vermehrungsfähigkeit des ganzen Stammes durch „unüberlegte“ Änderungen aufs Spiel zu setzen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben