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Infektiologie 5. Juli 2007

Das Land der dicken Buddhas

Übergewichtige Senioren sind eher gegen TB-Infektionen gefeit als unter- und normalgewichtige. Das zeigt eine große geriatrische Studie in Hong Kong.
Wie die letzte Ausgabe der Archives of Internal Medicine berichtet, sind übergewichtige ältere Menschen besser gegen Tuberkulose gewappnet als Schlanke (Archives of Internal Medicine, Jun 2007; 167: 1297 – 1304). Die Daten von 42.116 Menschen über 65 flossen in die Studie ein. Sie alle waren über fünf Jahre von einem der 18 beteiligten Gesundheitszentren beobachtet worden.
Das Ergebnis: Untergewichtige mit Body Mass Index (BMI) unter 18,5 hatten ein sechsmal höheres Risiko, an Tuberkulose zu erkranken, Normalgewichtige mit BMI von 18,5 bis 25 ein dreimal höheres.

TB global im Vormarsch

Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit TB infiziert, jede Sekunde kommt ein Fall dazu. Aber nur eine von zehn Infektionen wird symptomatisch – meist dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Unbehandelt führt eine Infektion mit Mykobakterium tuberkulosis in etwa 50 Prozent der Fälle zum Tod des Erkrankten.
Für den Studienleiter Chi C. Leung sind weitere Forschungsprojekte notwendig, um die Widerstandskraft dicker Menschen gegenüber Tuberkeln zu erklären.
Leung in einem Interview: „Unsere Annahme ist, dass das Fettgewebe nicht nur an der Stoffwechselsteuerung beteiligt ist, sondern auch an der Kontrolle des endokrinen Systems und des Immunsystems.“
Gleichzeitig mit dem zunehmend besseren Ernährungsstatus nahm die TB-Infektionsrate in den industrialisierten Ländern ab – das dürfte laut Leung kein Zufall sein. In armen Ländern hat der Zusammenhang zwischen BMI und TB-Erkrankung praktischen Wert. Leung: „Wir haben viele latente Infektionen. Diese müssen wir durch Screening-Untersuchungen erfassen und dann entscheiden, ob und wie wir behandeln.“ Denn bei ausgeprägter Ressourcenknappheit, die zwar in Hong Kong nicht vorliegt, aber in vielen von TB besonders betroffenen Ländern, kann nicht wahllos diagnostiziert und therapiert werden. Medikamente sind knapp und in solchen Situationen den gefährdetsten Patienten vorbehalten. Außerdem ist die Behandlung vor allem bei älteren Patienten nebenwirkungsreich. Leung: „Wenn eine Person plötzlich stark abnimmt, ist Vorsicht geboten – die Chance, an TB zu erkranken, könnte bei bestehender Infektion stark ansteigen.“

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 27/2007

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