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© Simone Rößling - VCT / fotolia.com
 
Infektiologie 3. Jänner 2017

Gefährliche Mischung

Doppelinfekt. Pneumokokken verhalten sich deutlich aggressiver, wenn sich im Wirt zuvor Grippeviren eingenistet haben. Forscher haben herausgefunden, warum das so ist – und warum es wohl nicht ausreicht, gegen Viren und Bakterien zu therapieren.

Nach einer Doppel-Infektion mit Grippeviren und Streptococcus pneumoniae verläuft die Erkrankung stets besonders schwer, oft sogar tödlich. Dabei variieren die Abwehrreaktionen des Körpers auf das Bakterium sehr stark, je nach Bakterien-Stamm werden unterschiedliche Immunzellen und Botenstoffe aktiv. Das stellten Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) bei Mäusen fest (Infection & Immunity 2016; online 19. September). Alle untersuchten Stämme des Bakteriums verhielten sich deutlich aggressiver, wenn sich im Wirt bereits kurz zuvor Grippeviren eingenistet hatten – auch sonst harmlosere Serotypen wurden zur tödlichen Gefahr.

Grippeinfektion schwächt wohl Abwehrkräfte nach Heilung

„Offenbar ist nach einer Grippeinfektion auch die körpereigene Abwehr gegen Bakterien geschwächt“, erklärt Dunja Bruder, Leiterin der Arbeitsgruppe Immunregulation am HZI und Infektionsimmunologin an der OVGU in Magdeburg. „Dieser Effekt ist weitgehend unabhängig vom Pneumokokken-Stamm.“ Lag die Grippeinfektion jedoch schon länger zurück, waren es vor allem die hoch invasiven Pneumokokken-Stämme, die noch Pro-bleme machten.

Große Unterschiede stellte man bei der Art der Entzündungsreaktionen fest, die das Immunsystem der Mäuse zur Abwehr der Erreger einleitete. „Wir fanden – je nach Pneumokokken-Stamm – unterschiedliche Konzentrationen verschiedener Botenstoffe, eine unterschiedliche Verteilung der wichtigsten Typen von Immunzellen in der Lunge und auch unterschiedliche Wege der Ausbreitung der Bakterien im Körper“, so Niharika Sharma-Chawla, Erstautorin der Studie. So stieg etwa bei Ko-Infektionen mit bestimmten St.p.-Stämmen die Zahl der Neutrophilen in der Lunge, während sie beim Stamm 19F nach einer Ko-Infektion abnahm.

Medikamente müssen Entzündungshemmung ausbremsen

Dies könnte für die Behandlung von Pneumokokken-Superinfektionen bei künftigen Grippewellen von Bedeutung sein: „Es ist häufig nicht ausreichend, Medikamente gegen die Influenza-Viren und die Bakterien zu kombinieren“, so Bruder: „Man benötigt zusätzlich immunmodulierende Therapien. Sie verhindern, dass die Entzündungsreaktionen zu heftig ausfallen und dadurch den eigenen Körper schädigen. Gerade bei den untersuchten Ko-Infektionen stellen solche überschießenden Immunreaktionen eine erhebliche Gefährdung dar.“

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