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Infektiologie 30. September 2016

Neuroborreliose: Chance auf Heilung

Patienten haben weniger Komplikationen als vor Jahrzehnten – offenbar wird die Diagnose inzwischen deutlich früher gestellt. Doch bei einigen Patienten sind die Heilungschancen immer noch schlecht.

Als der deutsche Neurologe Alfred Bannwarth im Jahre 1941 ein später nach ihm benanntes Syndrom mit „Chronisch lymphocytärer Meningitis“, entzündlicher Polyneuritis und „Rheumatismus“ in einer 92-seitigen Abhandlung beschrieb, konnte er über die Ursachen dieser verwirrenden Symptomkombination nur spekulieren und die Patienten allenfalls mit Quecksilber-Schmierkuren, Lichtbogen oder Wärmebehandlungen traktieren.

Seinen Ausführungen zufolge sollen diese Therapien immerhin kurzfristig geholfen haben (Archiv f. Psychiatrie 1941; 113: 284).

Inzwischen hat sowohl die Diagnostik als auch die Behandlung bei Patienten mit Bannwarth-Syndrom große Fortschritte gemacht. Nach Angaben slowenischer Forscher lassen sich rund 90 Prozent der Betroffenen durch eine zwei- bis dreiwöchige Antibiose weitgehend oder komplett von ihren Beschwerden befreien.

Auch sind die Symptome offenbar nicht mehr so ausgeprägt wie zu Bannwarths Zeiten. Dies deute darauf, dass Ärzte heute oft die richtigen Schlüsse zögen, wenn sie auf Patienten mit unerklärbaren radikulären Schmerzen treffen, berichten Infektiologen um Dr. Katarina Ogrinc von der Universität in Ljubljana (Clin Infect Dis. 2016; 63: 346).

Therapieerfolg bei fast 90 Prozent

Die Ärzte haben über eine Verlaufsstudie untersucht, wie sich eine Neuroborreliose äußert und wie gut die Therapie anschlägt. Damit wollten sie auch herausfinden, welche Faktoren für einen ungünstigen Verlauf sprechen. Das Team um Ogrinc konnte im Laufe von acht Jahren 77 Patienten mit Bannwarth-Syndrom untersuchen. Alle waren mit Verdacht auf eine Neuroborreliose in der Lyme-Borreliose-Ambulanz der Klinik vorstellig geworden. Bei allen konnte eine Liquor-Pleozytose neben einer Radikuloneuritis nachgewiesen werden. Alle unterzogen sich einer zwei- bis dreiwöchigen Therapie mit Ceftriaxon oder Doxycyclin.

Drei Monate danach wurde der Liquor erneut untersucht. Den Therapieerfolg überprüften die Ärzte nach sechs und zwölf Monaten. Die Hälfte der Betroffenen waren Frauen. Das Alter lag im Schnitt bei 58 Jahren, die meisten konnten sich an Zeckenstiche im Vorjahr erinnern, immerhin 60 Prozent berichteten über ein Erythema migrans. Die radikulären Schmerzen waren bei 72 Prozent mit der Erythema-migrans-Lokalisation kongruent. Die Liquoruntersuchung ergab eine erhöhte Proteinkonzentration. IgG- und IgM-Antikörper gegen Borrelia burgdorferi sensu lato konnten die Ärzte jeweils bei 89 und 63 Prozent im Liquor feststellen. Im Serum fanden die Ärzte bei 96 Prozent IgG gegen Borrelien. Die Erreger ließen sich aus dem Erythembereich von 41 Prozent der Patienten isolieren, aber nur bei 16 Prozent aus dem Liquor und bei 3 Prozent aus dem Blut. Aus der Haut wurde Borrelia garnii kultiviert.

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