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Infektiologie 26. September 2016

Mikroben im Ausverkauf

Bare Münze. Seit 250 Jahren ist hierzulande Bargeld im Umlauf. Gulden, Florin und Schilling haben sich nicht nur mit Ruhm, sondern auch mit Bakterienkulturen unterschiedlicher Provenienz bekleckert. Von Fäkalkeimen bis zur Breitmaulnashorn-DNA ist alles dabei.

„Wir waschen kein Geld.“ Der Mann meint es ernst und vor allem: wörtlich. Herbert Wähner ist Graveur und arbeitet für die Münze Österreich. Bedeutet: Er designt die Münzen, bevor sie in Umlauf kommen. Mit Verlassen der Münzprägeanstalt entwickelt sich Geld, vor allem schnelldrehende Münzen kleine Scheine von geringem Wert, zu Keimschleudern ersten Ranges.

Forscher der New York University identifizierten im Vorjahr bei der DNA-Untersuchung von Ein-Dollar-Noten 3.000 Arten von Bakterien. Die häufigste Spezies waren jene, die Akne verursachen. Andere standen in Verbindung mit Magengeschwüren, Lungenentzündungen, Lebensmittelvergiftungen und Staphylokokkeninfektionen. Einige Scheine trugen Gene, die für die Resistenz gegenüber Antibiotika ursächlich gemacht werden. Jane Carlton vom Center for Genomics and Systems Biology der NYU nannte die Ergebnisse „überraschend“.

Für ihr Experiment hatten die NYU-Wissenschaftler im vergangenen Jahr 80 Ein-Dollar-Scheine bei einer Bank in Manhattan eingesammelt und die DNA darauf mithilfe von Gensequenzierung analysiert.

Die DNA, auf die die Forscher stießen, war so vielfältig wie die Stadt, in der das Geld kursierte. Die Hälfte war menschlichen Ursprungs. Die Forscher fanden Bakterien, Pilze, Viren, und pflanzliche Pathogene. In Spuren traten auch Anthrax und Diphtherie-Erreger auf. Pferde und Hunde hatten ihre Spuren hinterlassen. Exotisches Detail am Rande: Auch Breitmaulnashorn-DNA wurde detektiert.

Papiergeld zählt zu jenen Gegenständen, die rund um die Welt am häufigsten herumgereicht werden. Eine Quelle von Ansteckungen, die jährlich wächst. 150 Milliarden neue Banknoten werden pro Jahr ausgegeben. Fälschungssicherheit und Haltbarkeit von Geldscheinen sind für Notenbanken die entscheidenden Kriterien. Materialinnovation beim Geld-Papier ist keine angesagt, bestätigt Dr. Christian Gutlederer von der heimischen Nationalbank. „Das ist für uns seit Jahren kein Thema mehr.“

Begründung: „Nach unseren Untersuchungen sind nachweisbare Erreger drauf, die in der Konzentration aber so gering sind, dass sie nicht als gesundheitsgefährdend einzustufen sind.“

Das kann man auch anders sehen. Auf rund sechs Prozent der britischen Banknoten haften so viele Escherichia coli-Bakterien wie sonst nur auf einer Klobrille.

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 39/2016

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