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Prof. Dr. Norbert Nowotny leitet am Institut für Virologie der Vetmeduni Vienna die Arbeitsgruppe „Emerging and Vector-Borne Infections“.
 
Infektiologie 6. Juni 2016

Fieberhafte Fahndung nach „kompetenten Überträgern“ für das Zika-Virus in Europa

3 Fragen, 3 Antworten

Die EM in Frankreich wird nicht zu einer Zika-Virus-Epidemie in Europa führen. Das sagt der Virologe Norbert Nowotny. Aus gutem Grund: Denn der wichtigste Überträger der Krankheit kommt in Europa nicht vor. Infrage käme aber eine zweite, im Mittelmeerraum heimische Gelsenart.

Das Zika Virus hat sich jahrelang unauffällig verhalten, wieso jetzt nicht mehr? Zufall?

Nowotny: Das Zika-Virus hat seine genetische Information in nur 10.000 Nukleotide verpackt. Darunter sind aber eine ganze Reihe vonNukleotiden, mit denen das Virus sozusagen spielen kann, um neue Nischen zu besetzen. Bei solchen Viren, kommt es relativ häufig zu genetischen Änderungen, und manchmal reicht eine Punktmutation, um eine Änderung in der Pathogenität des Virus hervorzurufen. Gefunden hat man diese Mutation(en) noch nicht.

Aber die Mikrozephalie ist ein neues Phänomen, das hätte doch auffallen müssen?

Nowotny: Das Zika-Virus wurde 2015 erstmals auf dem amerikanischen Kontinent nachgewiesen. Die Bevölkerung hatte daher zu diesem Zeitpunkt keinerlei Immunität gegen dieses neu aufgetretene Virus und war somit hoch-empfänglich für Zika-Virus-Infektionen, was großflächige Epidemien in Süd- und Mittelamerika zur Folge hatte. Es ist zudem ein allgemein beobachtetes Phänomen, dass neu in einem Gebiet auftretende Infektionskrankheiten häufiger zu schwereren Krankheitsverläufen führen als in Gebieten, in denen das Virus schon lange zirkuliert. Gefährliche Krankheitssymptome wie Mikrozephalie werden daher in Amerika wesentlich häufiger diagnostiziert als in den Ursprungsländern des Virus.

Nach der Fußball-WM 2014 schoss die Infektionsrate durch die Decke. Erwarten Sie auch von der EM einen „Zika-Effekt“?

Nowotny:Nein – denn das Zika-Virus wird von der Stechmückenart Aedes aegypti, übertragen, und diese Gelsenart kommt derzeit in Europa noch nicht vor. Im gesamten Mittelmeerraum (z. B. in Italien bis zum Brenner) ist jedoch inzwischen eine verwandte Gelsenart, Aedes albopictus, heimisch geworden, die vermutlich auch ein „kompetenter“ Überträger des Zika-Virus ist – der letzte wissenschaftliche Beweis dafür steht aber noch aus.

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