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© Felipe Dana / picture alliance
 
Infektiologie 1. Juni 2016

Weiterhin außer Kontrolle

Verbreitung der Zika-Infektionen laut Experten „sehr besorgniserregend“.

Infektionen verlaufen zumeist harmlos, die möglichen neurologischen Komplikationen sind allerdings gravierend. Vorerst ist keine Impfung in Sicht.

Nach Berichten über einen ersten Fall der Fehlbildung Mikrozephalie auf US-Territorium, in Puerto Rico, oder über die zunehmende Zahl sexuell übertragener Zika-Infektionen in Europa werde es immer offensichtlicher, „dass die Zika-Epidemie längst globale Dimensionen erreicht hat“, sagt Prof. Raad Shakir, Präsident der Weltföderation für Neurologie (WFN). „Je näher die Eröffnung der Olympiade in Rio de Janeiro rückt und angesichts der WHO-Warnung, dass sich das Zika-Virus im Frühsommer in Europa ausbreiten könnte, desto mehr richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die anhaltende Ausbreitung der Infektion.“

Angesichts der zunehmenden Zahl neurologischer Komplikationen als Folge von Zika-Infektionen hat die WFN kürzlich eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, um die internationalen Maßnahmen zur Eindämmung der Zika-Krise mit neurologischer Expertise zu unterstützen.

Ein großer Teil der Zika-Infektionen verläuft relativ harmlos, mit keinen oder nur sehr milden Symptomen. Doch können die möglichen neurologischen Komplikationen dramatisch sein. „Es gibt noch wenig Bewusstsein dafür, dass mit Zika-Infektionen mehr Risiken verbunden sind als dramatische Missbildungen, wenn Zika während der Schwangerschaft erworben wird, wie die mittlerweile bekannte Mikrozephalie. Mit schwer wiegenden neurologischen Erkrankungen wie dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS), Myelitis oder Meningoenzephalitis ist die Palette der Bedrohungen breiter als ursprünglich angenommen“, sagt Prof. John England (Louisiana State University, New Orleans), Vorsitzender der Zika-Arbeitsgruppe der WFN.

Im Rahmen einer Konferenz in Tegucigalpa, Honduras, die sich kürzlich mit den Auswirkungen von Zika auf die öffentliche Gesundheit beschäftige, haben sich England und Prof. Marco Medina (Universidad Nacional Autonoma de Honduras), ebenfalls ein Mitglied der WFN-Arbeitsgruppe, darauf verständigt, bald Leitlinien für die Diagnose Zika-bezogener neurologischer Erkrankungen zu entwickeln. „Wir werden in den nächsten Wochen intensiv daran arbeiten, hier einen breiten Experten-Konsens herzustellen“, sagt England.

Nachdem bis auf weiteres keine Impfung in Sicht ist und nach wie vor unklar sei, welche Faktoren das Risiko neurologischer Komplikationen nach Zika-Infektionen erhöhen, liege der Fokus auf Moskito-Kontrolle und Prävention, sagt England: „Insbesondere angesichts der Tatsache, dass im Juli Athleten und Fans in großer Zahl nach Rio reisen werden, müssen wir Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken schaffen, und dafür, was jeder einzelne für seinen persönlichen Schutz tun kann.“

World Federation of Neurology, Ärzte Woche 22/2016

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