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Infektiologie 3. Mai 2016

Borrelien auf Wanderschaft

Forscher entwickeln einen neuen Test zur Früherkennung von Lyme-Borreliose.

Bislang konnte man bei einem Lyme-Borreliose-Test nicht zwischen einer aktuellen und einer älteren Infektion unterscheiden. Forscher, unter anderem der MedUni Wien, haben einen „Point-of-Care“-Test entwickelt, der dies ändert.

Die Arbeitsgruppe Infektionsimmunologie des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien arbeitet im Rahmen des EU-Projekts „ID-Lyme“ an der Entwicklung eines neuen Tests zur Früherkennung von Lyme-Borreliose. Dieser soll dabei helfen, eine aktuelle Infektion besser erkennen zu können als bisher und damit gesunde Personen mit Borrelien-Antikörpern im Blut nicht unnötig mit Antibiotika zu behandeln und bereits frühzeitig die richtigen therapeutischen Schritte setzen zu können. Die derzeit zur Verfügung stehenden Antikörpertests geben frühestens drei bis vier Wochen nach der Infektion ein aussagekräftiges Resultat.

„Die derzeitige Standard-Laboruntersuchung ist leider oft nicht in der Lage, die frühe aktuelle Infektion mit Borrelien nachzuweisen“, erläutert Prof. Dr. Hannes Stockinger, Leiter des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie und des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien. „Dazu kommt, dass mit den aktuellen Tests oft auch eine reine Antikörper-Reaktion als Infektion interpretiert und mit Antibiotika behandelt wird, obwohl das wiederum gar nicht nötig wäre, da es sich bereits um eine lange zurückliegende oder ausgeheilte Infektion handelt.“

„Nicht jeder Zeckenstich muss zu einer Erkrankung führen und auch nicht jeder positive Borrelientest bedeutet eine Erkrankung. Das ist das Tückische“, ergänzt Prof. Dr. Gerold Stanek vom gleichnamigen Institut und Zentrum der MedUni Wien und einer der Pioniere in der heimischen Borrelienforschung. So sind etwa viele Jäger, die sich naturgemäß öfter in Wald und Wiese aufhalten, kerngesund, obwohl sie Borrelien-Antikörper aufweisen, d. h. schon früher und wiederholt mit Borrelien in Kontakt gekommen sind.

Neuer Test ermöglicht exaktere und frühere Diagnose

Mit den bisherigen Tests lässt sich nur ein Teil des menschlichen Immunsystems analysieren, nämlich jener der B-Zellen, nicht aber jener der T-Zellen, die als Helferzellen zum Bekämpfen der Infektion nötig sind und deren Aktivität auf das Vorliegen einer Infektion schließen lässt. Daher arbeiten die Immunologen der MedUni daran, den weltweit ersten „Point-of-Care“-Test mitzuentwickeln, mit dem es möglich wäre, die aktuelle Infektion nachzuweisen und die richtige Behandlung der Patienten einzuleiten. Der Test, der sich „Ixodes-Kit“ nennt, soll noch diesen Herbst klinisch angewendet werden, sagten die Wissenschafter anlässlich des „Weltweiten Tages der Immunologie 2016“.

Die Lyme-Borreliose wird in Mitteleuropa und in den skandinavischen Ländern besonders häufig beobachtet. Aufgrund der Klimaerwärmung dehnt sich das Verbreitungsgebiet kontinuierlich nach Norden aus. Zecken werden immer früher aktiv. In Österreich selbst herrscht nun bereits bestes Klima für Zecken, wie Stanek betont: „Zecken werden aktiv, wenn die Bodentemperatur auf rund 7 °C ansteigt, das ist jetzt im Frühling der Fall.“

Jedes Jahr kommt es in Österreich zu rund 70.000 Neuerkrankungen nach einem Zeckenstich. Rund jede vierte Zecke trägt Borrelien mit und in sich. Die sogenannte Wanderröte ist ein sicheres Zeichen einer Infektion mit Lyme-Borrelien. Doch sie tritt nur bei rund einem Drittel der Patienten auf. Wird die bakterielle Infektion nicht rechtzeitig erkannt, kann sie zu schweren Erkrankungen wie Gelenksentzündungen bis hin zu sehr schmerzhaften Infektionen der Nervenwurzeln mit Lähmungen oder Gedächtnisverlust führen.

Die Forscher des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien ergründen derzeit das gesamte Pathogenspektrum in Zecken und begleiten die Diagnose und Therapie betroffener Patienten in einem neuen Projekt. Dr. Mateusz Markowicz, der Studienleiter, lädt Personen, die an der Studie mitmachen möchten, ein, mit ihrem Zecken in die Ambulanz des Instituts zu kommen. Details findet man unter http://bit.ly/1TuxW2L .

PK/MedUni Wien, Ärzte Woche 18/2016

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