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Aedes aegypti ist ein Überträger des Zika -Virus.
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Brasilianerin Ana Beatriz war eines der ersten Opfer.

 
Infektiologie 3. Mai 2016

Gefährliche Gelse

Ein Jahr ist seit der Entdeckung des Zika-Virus in Brasiliens vergangen: Die WHO warnt bereits vor einer Ausbreitung in Europa.

Der Beweis ist erbracht: Zika kann schwere Schädelfehlbildungen bei Babys auslösen. Vor einem Jahr wurde das Virus in Brasilien erstmals festgestellt – von hier hat es sich rasant ausgebreitet. Neuen Befunden zufolge ist es sogar noch gefährlicher als gedacht.

Gúbio Soares und Silvia Sardi konnten nicht ahnen, was ihre kleine Mitteilung vom 29. April 2015 auslösen wird. Die Forscher der Universität Federal da Bahia in Salvador hatten das bis dahin in Brasilien unbekannte Zika-Virus bei einem Patienten festgestellt, ein Bild zeigte einen mit roten Pocken übersäten Bauch.

„Das Zika-Virus ist nicht so schlimm wie Dengue oder Chikungunya, die Patienten sterben nicht daran“, betonte Soares vor einem Jahr. Da war noch nicht bekannt, was Zika gerade für Ungeborene bedeuten kann.

In dem einen Jahr hat es viele neue Erkenntnisse gegeben – aber die Fragen bleiben. Vor allem: Wie gefährlich ist Zika? Jüngste Befunde geben Grund zur Sorge: Zika könnte viel stärker das Nervensystem schädigen als gedacht. So könnte Hör- und Sehverlust eintreten. Hinzu kommt der auffällige Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) bei Männern. Die Lähmungskrankheit kann zum Tod führen. Es gibt noch viele Rätsel und einen langen Weg, bis Zika eingedämmt sein wird.

Das Zika-Virus wird in den meisten Fällen von bestimmten Mücken übertragen. Momentan sind besonders Länder in Mittel- und Südamerika betroffen.

Mit dem Beginn der Stechmücken-Saison in Europa könne die „Möglichkeit örtlicher Übertragungen zusammen mit der Wahrscheinlichkeit sexueller Übertragungen zu einer deutlichen Zunahme der Zahl der Menschen mit Zika“ führen, sagte WHO-Vizegeneraldirektorin Marie-Paule Kieny am Montag bei einer Zika-Konferenz in Paris.

Mit den ansteigenden Frühlingstemperaturen würden zwei Mückenarten aktiv, die das Virus übertragen könnten, sagte Kieny. „Mücken kennen keine Grenzen.“ Wissenschaftler befürchten, dass Mücken in Europa jemanden stechen könnten, der sich beispielsweise bei einer Südamerika-Reise infiziert hat - die Stechmücke könnte das Virus dann auf andere Menschen übertragen.

In Paris beraten rund 600 Experten aus mehr als 40 Ländern über das bislang vor allem in Lateinamerika grassierende Zika-Virus. Das Virus kann bei Babys Mikrozephalie - einen abnormal kleinen Kopf und damit einhergehende schwere Hirnschäden - auslösen und wird bei Erwachsenen unter anderem mit der seltenen Nervenkrankheit Guillain-Barré-Syndrom in Verbindung gebracht.

„Die Zika-Notlage verlangt nach einer schnellen Entwicklung unserer Wissensgrundlage, nach einem gemeinsamen Vorgehen und nach Innovationen“, sagte WHO-Vertreterin Kieny. So müssten neue Tests entwickelt werden, um eine Infektion mit dem Virus schnell nachweisen zu können. Notwendig sei auch ein Impfstoff, sagte Kieny. Es werde aber Jahre dauern, bis ein solcher alle Tests durchlaufen habe und für den Markt zugelassen werde. Bislang werde weltweit in 23 Projekten an Zika-Impfstoffen gearbeitet.

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