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Infektiologie 12. April 2016

Mücken im Höhenrausch

Malariainzidenz sinkt, Mückenhabitat steigt.

Weltweit sinkt die Malariainzidenz. Ob der Trend anhält, ist unklar: Der Klimawandel sorgt etwa dafür, dass Anopheles-Mücken jetzt sogar am Fuß des Kilimandscharo vorkommen und in Nepal im Kathmandu-Tal, rund 1.400 Meter über dem Meeresspiegel.

Laut WHO ist die Zahl der Malaria-Infektionen weltweit in den vergangenen 15 Jahren um etwa ein Drittel gesunken. Das liegt auch an effektiven Malaria-Kontrollprogrammen und an der Einführung des Wirkstoffs Artemisinin. „Der Hauptgrund ist aber, dass es immer weniger saubere Süßwasserreservoire gibt, die die Anopheles-Mücken zum Brüten brauchen“, sagte Prof. Dr. Tomas Jelinek, CRM in Düsseldorf, bei einer Veranstaltung in Berlin.

Neue Lebensräume

Ob der Trend nach unten anhält, ist unklar: Durch den Klimawandel erschließen sich Anopheles-Mücken neue Lebensräume: „Die Malaria geht in die Höhe“, so Jelinek. Er meint damit, dass sie mittlerweile auch in Höhenlagen vorkommt, in denen es sie bisher nicht gab, in Afrika etwa am Fuß des Kilimandscharo und in Nepal im Kathmandu-Tal, rund 1.400 Meter über dem Meeresspiegel.

Zudem können sich Plasmodien zunehmend besser gegen Artemisinin wehren. Dies gelte besonders für Südostasien, wo die Resistenzraten in einigen Regionen mittlerweile deutlich über 70 Prozent lägen, so Jelinek. „Das hat für uns jetzt ganz konkrete Konsequenzen. Wir haben zum Jahreswechsel unsere Beratung umgestellt und geben keine Artemisinin-Präparate mehr als Notfallmedikation mit. Derzeit ist in dieser Region Atovaquon/ Proguanil für die Notfallmedikation unsere einzige Option.“

Artemisinin-Resistenzen

Jelinek sieht zwei Gründe dafür, dass sich Artemisinin-Resistenzen gerade in Südostasien schnell ausbreiten, während diese Resistenzen in Afrika bisher keine Rolle spielen: Der einjährige Beifuß, aus dem Artemisinin gewonnen wird, stamme ursprünglich aus Südostasien. Und es gebe dort große Probleme mit gefälschten Malariamitteln. Paradoxerweise könnte die Einführung der Immunchromatographie, mit der sich nachweisen lässt, ob eine Tablette den Wirkstoff enthält oder nicht, dazu beigetragen haben.

Problem mit den Fälschern

Hätten Fälscher vorher oft Tabletten ohne Wirkstoff hergestellt, würden nun regelmäßig kleine Mengen Wirkstoff hinzugefügt, um die Chromatografie zu täuschen. „Das ist eine gute Methode, um Resistenzen zu züchten“, berichtet Jelinek.

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