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Infektiologie 12. April 2016

Eine Revolution der Medizingeschichte

Die Möglichkeit, durch eine Hepatitis C-Infektion eine Leberzirrhose oder Leberkrebs zu entwickeln, ist  existent – auch wenn es von der Virusinfektion bis zum Leberschaden einige Zeit dauern kann. Daher lautet der Apell der Experten: Früh diagnostizieren! Dem steht jedoch die lange Symptomlosigkeit der Erkrankung und das Unwissen der breiten Öffentlichkeit entgegen. Die neuen Interferon-freien Therapien stellen  jedenfalls eine große Hoffnung für Betroffene in jedem Stadium der Krankheit dar – ohne Nebenwirkungen.  Seit 1. Dezember 2015 steht die Informationsplattform www.hepatitisc-info.at im Internet zur Verfügung.

Schätzungen zufolge sind österreichweit 40.000 Menschen an chronischer  Hepatitis  C  erkrankt,  die  Dunkelziffer  ist  nach  wie  vor  hoch,  da  die  Symptome  erst  im  späteren  Verlauf   der  Erkrankung  auftreten.  Vor  allem   die  weltweite  Mobilität  führt  dazu,  dass eine Infektion jeden treffen kann.  Denn  während  Blut  und  Blutprodukte  aufgrund  der  hohen  Qualitätsstandards  in unseren  Breiten heute als  Infektionsquelle praktisch auszuschließen sind, ist dies in anderen Teilen der  Welt und in vielen beliebten Reisezielen noch nicht der Fall. Neuinfektionen  finden  zwar  heute   zu  einem  Großteil  durch  i.  v.-Drogenkonsum  mit  geteilten  Spritzennadeln   statt, derzeit sei aber beispielsweise im  Wilhelminenspital die Infektionsquelle  bei  einem  beträchtlichen  Teil  der  Patienten nicht identifizierbar, stellte Prof. Michael  Gschwantler,  Vorstand  der  4.   Med. Abt. im Wilhelminenspital Wien,  fest. In der Bevölkerung ist die Assoziation zwischen Hepatitis C-Erkrankung  und Drogenkonsum aber überproportial verankert.

Immerhin  45   %  der  Befragten  sind   der  Meinung,  dass  man  sich  gegen   Hepatitis  C  mit  einer  Impfung  schützen  könne.  Daher,  so  Dr.  Thomas  Czypionka, Leiter des Forschungsbereichs Gesundheitsökonomie  und  Gesundheitspolitik  im  Institut  für  Höhere  Studien  und  wissenschaftliche  Forschung,  sollten  Kampagnen  über  Ansteckungswege durchgeführt werden:  „In  Schulen  und  Betrieben,  aber  auch   in  den  Medien  ebenso  wie  Schulungen des Gesundheitspersonals – vom  Hausarzt bis zum Pflegepersonal.“ Die Krankheit,  so  Gschwantler  und  Czypionka, müsse aus der Tabuzone geführt  werden.  

Empfindliche Österreicher

Hepatitis C-Erkrankte fühlen sich häufig  stigmatisiert,  wobei  diese  Tabuisierung  auf  europäischer  Ebene  weiter  verbreitet  ist  als  in  Österreich.  Zu   diesem  Ergebnis  kommen  aktuelle   internationale  (HCV  Quest)  und  österreichische  –  vom  Pharmaunternehmen   AbbVie   beauftragte   und  von medupha  Health  Care  Research  durchgeführte  –  Umfragen zum Hepatitis  C-Wissensstand  der  Bevölkerung, die Ende vergangenen  Jahres   in  Wien  präsentiert  wurden.  So gaben bei HCV  Quest  32   %  an,  dass  sie   ihrer  Familie  gegenüber nichts  von der Erkrankung erzählt haben, während 67,5  % mit engen Familienangehörigen und 35,6  % mit Freunden darüber gesprochen haben. 88  % in der österreichischen Befragung haben mit engen Familienangehörigen über ihre Erkrankung  gesprochen,  71   %  haben Freunde und Freunde  der  Familie  informiert. Während auf internationaler  Ebene 64  % angaben, die Erkrankung  habe  Auswirkungen auf die Arbeit,  waren dies in der österreichischen Befragung nur 27 %.  Allerdings fühlen sich die Österreicher  stärker  von  der Erkrankung  betroffen  und  sind  offenbar  sensibler:   Die  Auswirkungen der Krankheit  auf   ihre  körperliche  Befindlichkeit  bewerteten  in HCV  Quest  45   %  als  deutlich   negativ, in Österreich empfanden dies  70 %.  Ähnlich verhält  es  sich  auf  der  emotionalen  Ebene:  Weltweit  gaben   37   %  Auswirkungen  ihrer  Hepatitis   C-Erkrankung  auf  die  emotionale  Verfassung an, in Österreich sind es 64  %.  Als   „Revolution   der   Medizingeschichte,  die  nur  wenige  Parallelen   hat“, bezeichnete Gschwantler die neuen Therapien: „Dank der neuen Interferon-freien  Therapie  sind  wir  nun  erstmals in der Lage, das Hepatitis C-Virus  bei  praktisch  allen  Betroffenen  zu  beseitigen. In der Folge kann sich die Erkrankung nicht nur nicht mehr ausbreiten, auch kann sich beispielsweise ein  bereits  entstandener  Leberschaden   langsam  wieder  zurückbilden.“  Die  Heilungschancen mit den neuen Interferon-freien,  direkt  an  der  Virus-DNA   wirkenden  Wirkstoffen  betragen  je   nach  Virus-Genotyp  knapp  100   %  bei   Genoty 1 bzw. beim für diese Therapie  ungünstigeren – bei uns auch weniger  verbreiteten – Genotyp 3 und bei Vorliegen einer weit fortgeschrittenen Leberzirrhose  90 %. Tipps  für  das  Leben  nach  der  Heilung,  sowie  Informationen  über  Ansteckungs möglichkeiten   und   Symptome    finden    Interessierte    und     Betroffene  auf  der  Internetseite  von   AbbVie  www.hepatitisc-info.at .   

Quelle: Round  Table „Und  was  wissen Sie über  Hepatitis C?“, veran- staltet von AbbVie,  29. November 2015,  Wien

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