zur Navigation zum Inhalt
 
Infektiologie 5. Oktober 2015

Neues Organ machte krank

Amöben-Infektion durch Organtransplantation eines vierjährigen zuvor gesunden Buben beschrieben.

Erstmals wurde bei einer Organtransplantation eine human pathogene Amöbe übertragen. Der Empfänger einer Niere ist gestorben, der andere hat neurologische Folgeerscheinungen.

Der Organspender, ein vierjähriger, zuvor gesunder Bub, war an einer akuten dissiminierten Enzephalomyelitis (ADEM) gestorben - zumindest hatten das die Ärzte vermutet. Ursache dieser neurologischen Autoimmunerkrankung solle eine Influenza-A-Infektion gewesen sein, heißt es von den Centers for Diseases Control and Prevention (CDC). Der Bursch aus dem US-Bundesstaat Kentucky lebte bei Verwandten in Mississippi und hatte vorübergehend Fieber entwickelt. Am 25. Oktober vergangenen Jahres wurde per Influenza-Schnelltest eine Influenza-A-Infektion nachgewiesen. Der Junge erhielt Neuraminidasehemmer und erholte sich, ohne ins Krankenhaus zu müssen.

Am 3. November hatte er Kopfschmerzen und Krämpfe um kam in die Klinik. Im Liquor zeigte sich eine Lymphozyten-Pleozytose (170 weiße Blutzellen pro μl). Im MRT waren kleine Läsionen und Ödeme im Gehirn sichtbar. Die intensive Suche nach viralen, bakteriellen und fungalen Ursachen einer Enzephalitis ergab keinen Aufschluss. Alle Befunde zusammengenommen erschienen den Ärzten als am meisten konsistent mit einer ADEM. Das Kind wurde symptomatisch behandelt und am 6. November entlassen.

Am 10. November wurde er wegen wiederkehrender Krämpfe erneut eingewiesen. Im MRT waren weitere, sich ausbreitende Läsionen sichtbar, die Zahl weißer Blutzellen im Liquor war weiterhin hoch und lag bei 150 pro μl. Die Ärzte vermuteten eine Verschlimmerung der ADEM und behandelten mit Glukokortikoiden und Immunglobulinen. Der Bub bekam eine subarachnoidale Blutung und einen Prolaps des Hirnstamms und wurde am 18. November für hirntot erklärt.

Über folgende Organempfänger berichten die CDC in ihrem Artikel: Eine 31-jährige Frau mit einer Nierenerkrankung im Endstadium in Folger von Hypertonie und Diabetes hatte eine Niere erhalten. Die zweite Niere wurde einem 27-jährigen Mann mit Nierenerkrankung im Endstadium infolge einer fokal segmentalen Glomerulosklerose (FSGS). Das Herz bekam ein zweijähriger Bub, die Leber ein siebenjähriger Junge.

20 Tage danach

Mehr als zwei Wochen nach der Transplantation begann das rechte Bein bei der Nierenempfängerin zu zucken, sie bekam Spasmen im Genick, Übelkeit, Kopfschmerzen und sie sah Sterne. In der Notfallaufnahme wurde sie mit Benzodiazepin und Muskelrelaxantien behandelt. Neurologische Bildgebung und Lumbalpunktion (LP) wurden nicht vorgenommen. Zwei Tage später, am 12. Dezember, war sie erneut in der Notfallaufnahme, mit generalisierten Krampfanfällen und kam auf die Intensivstation. Im MRT waren herdförmige Läsionen sichtbar, die Lymphozytenzahl im Liquor war normal. Am 16. Dezember erfolgte eine Hirnbiopsie, die Probe wurde an die CDC geschickt. Zwei Tage später ergab die Histologie einen Amöbenbefund, die Immunhistologie frei lebende Amöben, der molekularbiologische Nachweis mittels PCR bestätigte eine Infektion mit Balamuthia. Die Frau erhielte gegen tierische Einzeller wirkende Arzneien, verstarb jedoch nach mehreren Wochen auf der Intensivstation am 3. Februar, 75 Tage nach der Transplantation.

Der 27-jährige Mann bekam am 10. Dezember plötzlich starke Kopfschmerzen und musste sich übergeben. Am nächsten Morgen wurde in der Notfallaufnahme mit Amoxicillin und Beta-Laktamasehemmer gegen Sinusitis therapiert. Später veränderte sich jedoch die geistige Verfassung des Patienten, er bekam Krämpfe und wurde ins regionale Krankenhaus eingewiesen.

Auch hier wurde schließlich eine Amöbeninfektion nachgewiesen und therapiert. Nach zwei Monaten im Koma erholte sich der Patient langsam und wurde 159 Tage nach der Transplantation in eine Reha-Einrichtung überwiesen.

Die beiden Kinder wurden unmittelbar nach der Diagnose der Infektion mit Balamuthia mandrillaris untersucht. MRT und PL waren ohne Befund, eine Amöben-Infektion konnte nicht nachgewiesen werden. Beide wurden prophylaktisch behandelt. Die CDC weisen alle Transplantationseinrichtungen auf die Konsequenzen dieser via TX übertragenen Amöben-Infektion hin: Bei jedem Organspender mit einer Enzephalitis unklarer Genese müsse künftig eine Infektion mit Balamuthia mandrillaris erwogen werden. Balamuthia mandrillaris ist eine im Boden lebende humanpathogene Amöbe. Die Infektion mit dem tierischen Einzeller führt zu schweren Erkrankungen. Balamuthia kann eine die granulomatöse Amöbenenzephalitis (GAE) verursachen. Die Inkubationsdauer liegt bei zwei Wochen bis zu mehreren Monaten, der Krankheitsbeginn ist schleichend. Die Symptome einer GAE sind Gedächtnisstörungen, Krampfanfälle, Fieber und Kopfschmerzen. Die Patienten sterben innerhalb von Tagen bis Monaten. Die Diagnosestellung erfolgt oft erst post mortem.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben