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© Barbara Gindl / dpa
Viele Flüchtlinge auf engem Raum und die provisorischen Unterkünfte erhöhen das Infektionsrisiko enorm.
 
Infektiologie 28. September 2015

Heimlich mitgeflüchtet

Bei Flüchtlingen muss mit eingeschleppten Infektionen gerechnet werden.

Malaria, Tuberkulose, Krätze und Co., viele Flüchtlinge haben Infektionen. Das hat das RKI nun veranlasst, über Prävention und Früherkennung aufzuklären. Eine Gefahr, dass sich die Infektionen in Österreich oder Deutschland ausbreiten, sieht das Institut derzeit nicht.

Die meisten Flüchtlinge leiden gemeinhin an banalen Atemwegs- oder Magen-Darm-Infekten. Auch ist nach einer langen und beschwerlichen Flucht mit Übernachtung in provisorischen Unterkünften mit parasitären Erkrankungen wie Krätze/Skabies und Kleiderläusen zu rechnen.

Hinter initialen grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Krankheitsgefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen können aber auch ungewöhnliche Krankheiten stecken, die in Herkunfts- oder Transitländern erworben wurden, warnt das Robert Koch-Institut (RKI), Bundesinstitut des deutschen Bundesministeriums für Gesundheit.

Das RKI hat eine Liste solcher möglichen Infektionen bei behandlungsbedürftigen Flüchtlingen zusammengestellt. Das Spektrum reicht von Malaria über Tetanus und Meningitis bis hin zu Tuberkulose ( siehe Epi Bull 2015; 38: 413; bit.ly/1Ouz0DJ ).

Nicht nur Schnelltest bei Malaria-Verdacht

Die Krankheiten sind nach Herkunftsregionen der Flüchtlinge gelistet, mit Symptomen, Inkubationszeiten und möglichen Ausbreitungsgefahren. Nicht aufgeführt sind Krankheiten, die auch in hierzulande nicht selten sind. Gibt es aufgrund der Umstände Hinweise auf eine ungewöhnliche Krankheit – etwa Inkubationszeit, Herkunftsland, Fluchtroute, sollte umgehend ein Facharzt hinzugezogen werden (infektiologische Praxis oder Klinik), betont das RKI in einer Mitteilung begleitend zu der Liste.

Hat ein Flüchtling nach Aufenthalten in einem Malaria-Endemiegebiet Fieber ohne andere ermittelbare Ursache, ist nach RKI-Angaben Malaria am wahrscheinlichsten.

Dabei wird zur Abklärung ein „dicker Tropfen“ mit Blutausstrich empfohlen, Schnelltests reichen nicht. Ist das Ergebnis negativ, sind die anderen aufgelisteten Infektionen in Betracht zu ziehen, Ko-Infektionen sind freilich möglich.

Impflücken schließen

Generell gilt bei allen Flüchtlingen: Liegen Impfdokumente nicht vor, muss von einem nicht vorhandenen Impfschutz ausgegangen werden. Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher dringend, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst oder ein von ihnen beauftragter Arzt die Impflücken bei Bewohnern von Gemeinschaftsunterkünften umgehend schließt. Zumindest sollten die Impfserien begonnen und die Impfungen dokumentiert werden, damit ein weiterbehandelnder Arzt den Schutz vervollständigen kann.

Tuberkulose (TB) ist in vielen Herkunftsländern der Flüchtlinge häufiger als hierzulande. Die Strapazen der Flucht und eine damit häufig eingeschränkte Immunabwehr begünstigen zudem die Reaktivierung einer latenten TB, warnt das RKI in der Mitteilung. Unverzüglich nach Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft oder Erstaufnahmeeinrichtung sei daher bei Flüchtlingen das Vorliegen einer ansteckungsfähigen Lungentuberkulose auszuschließen

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