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Eine Reiseberatung bietet Gelegenheit, die Vollständigkeit des Impfschutzes zu überprüfen.
 
Infektiologie 17. Juni 2015

Infektionsschutz für die Urlaubsreise

Standardimpfschutz, spezielle Infektionen und Indikationsimpfungen berücksichtigen.

Auf Reisen drohen gesundheitliche Gefahren: Typhus, Hepatitis A, Gelbfieber, Tollwut etc. Mit etwas Umsicht lassen sich viele Urlaubskrankheiten verhindern, etliche von ihnen durch Schutzimpfungen.

Eine Reiseberatung bietet eine gute Gelegenheit, die Vollständigkeit des Impfschutzes bei den Standardimpfungen zu überprüfen. An erster Stelle steht hier der Schutz gegen Tetanus und Diphtherie, denn in vielen Urlaubsländern besteht eine erhöhte Gefahr, sich mit den entsprechenden Krankheitserregern zu infizieren.

Bei vollständiger Grundimmunisierung wird eine zehn Jahre zurückliegende Impfung ab dem sechsten Lebensjahr durch einen Impfstoff mit reduziertem Diphtherietoxoid-Gehalt (Td) aufgefrischt. Eine fehlende Grundimmunisierung sollte nachgeholt werden ( N. Berens-Riha et al., Internist 2014; 55: 246–258 ).

Influenzaimpfung für Senioren

Bei Reisen in Entwicklungsländer wäre eine einmalige Impfung gegen Masern für alle Ungeimpften zu überlegen. Reisenden Senioren ab 60, die Flugreisen, Kreuzfahrten, Bus- oder Bahnreisen unternehmen, wird generell zur Influenzaimpfung geraten, da die Virusgrippe zu den am häufigsten auf Fernreisen erworbenen Infektionen zählt.

Neben dem Standardimpfschutz und den speziellen Infektionen im jeweiligen Reiseland sollten bei einer Impfberatung immer auch mögliche Indikationsimpfungen berücksichtigt werden:

FSME: Bei Reisen in Endemiegebiete Europas wird zur FSME-Impfung geraten. Neuerdings werden auch FSME-Fälle aus China, Japan, Kasachstan, Korea und der Mongolei gemeldet.

Polio: Heute noch endemisch ist die Polio in Nigeria, Pakistan und Afghanistan und es kommt immer wieder zu Ausbrüchen in Nachbarländern. Laut dem aktuellen österreichischen Impfplan sollte bei Reisen in Regionen mit Infektionsrisiko, die aktuellen epidemiologischen Situation laut WHO, beachtet werden. Bei Bedarf sollte dann eine Auffrischungsimpfung (alle 10 Jahre bzw. 5 Jahre nach dem 60. Lebensjahr) mit einem Kombinationsimpfstoff dT-PEA-IPV erfolgen.

Fehlt die Grundimmunisierung, sollte diese nachgeholt werden. Patienten ohne Grundimmunisierung erhalten vor ihrer Abreise mindestens zwei Dosen IPV, und zwar im Abstand von vier Wochen.

Hepatitis: Ein erhöhtes Risiko, sich mit Hepatitis A zu infizieren, besteht bereits im Mittelmeergebiet. Deshalb sollte allen nicht immunen Kindern und Erwachsenen, die in ein Endemiegebiet reisen, eine Hepatitis-A-Impfung empfohlen werden. Schon die einmalige Impfung bietet nach 12 bis 15 Tagen hohen Schutz über mindestens ein Jahr. Nach der Wiederholung, frühestens sechs Monate später, besteht ein Langzeitschutz.

Kombiniert werden kann die Hepatitis-A- mit der Hepatitis-B-Impfung. Sie wird in der Reisemedizin für Personen mit bestimmten Indikationen empfohlen (Hochendemiegebiete, Langzeitaufenthalte). Für Last-Minute-Entschlossene ist eine Schnellversion von drei mal einer Dosis an den Tagen 0, 7 und 21 möglich. Es kann sinnvoll sein (Indikationsimpfungen, Ältere, Grunderkrankungen, Langzeitaufenthalte), vier bis acht Wochen nach vollständiger Grundimmunisierung den Impferfolg gegen Hepatitis B zu überprüfen. Liegt das Anti-HBs-Wert bei ≥ 100 IU/l, sind laut österreichischen Impfplan erst nach zehn Jahren eine weitere Auffrischung nötig.

Gelbfieber: Die Letalität der Erkrankung liegt bei 5–10 Prozent. Infektionsgefahr besteht vor allem im tropischen Afrika und in Südamerika. Impfungen werden nur in zugelassenen Impfstellen durchgeführt und es sind etliche Kontraindikationen zu beachten. In einigen endemischen Ländern Afrikas und Südamerikas wird bei der Einreise der Nachweis einer Gelbfieberimpfung vor mindestens zehn Tagen verlangt. Im Mai vergangenen Jahres verkündete die WHO, die bislang übliche Wiederimpfung nach zehn Jahren sei wegen vermutlich lebenslanger Immunität nicht mehr nötig. Diese Regelung ist international allerdings noch nicht umgesetzt.

Meningokokkeninfektionen: Für alle Reisenden in Länder mit epidemischem Vorkommen (afrikanischer Meningitisgürtel) sowie bei aktuellen Ausbrüchen wäre eine Impfung mit dem tetravalenten Konjugatimpfstoff entsprechend der Alterszulassung zu erwägen, insbesondere bei engem Kontakt zur Bevölkerung. Saudi-Arabien verlangt von Reisenden nach Mekka sowie von allen Einreisenden aus dem afrikanischen Meningitisgürtel den Nachweis der Impfung, die mindestens zehn Tage und maximal drei Jahre zurückliegt.

Typhus abdominalis: Typhus ist in vielen Entwicklungsländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen endemisch, besonders in Indien und Nepal. Es stehen ein oraler attenuierter Lebendimpfstoff sowie ein parenteraler Polysaccharidimpfstoff zur Verfügung, die einen beschränkten Schutz von einem bzw. drei Jahren bieten.

Tollwut: Eine vorbeugende Impfung wird für Reisen in Gebiete mit hohem Tollwutrisiko empfohlen, insbesondere dann, wenn vor Ort eine postexpositionelle Prophylaxe bzw. ein Tollwutimmunglobulin voraussichtlich nicht verfügbar sind. Mit einem hohen Tollwutrisiko ist insbesondere im tropischen Afrika, in Indien, Sri Lanka, Thailand, Vietnam, Nepal und Bangladesch vor allem durch streunende Hunde, aber auch Affen, Fledermäuse etc. zu rechnen.

Japanische Enzephalitis: Die Erkrankung ist in weiten Teilen Süd- und Ostasiens verbreitet. Schätzungen zufolge infiziert sich einer von einer Million Reisenden, vor allem in ländlichen Regionen in China, Indien, Kambodscha, Laos, Myanmar, Nepal, Philippinen, Sri Lanka, Thailand und Vietnam. Die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis wird bei längerer Aufenthaltsdauer und Reisen während der Hauptübertragungszeit sowie für Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren empfohlen.

http://bit.ly/1Gh0J4J

Österreichischer Impfplan 2015, Bundesministerium für Gesundheit

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