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Infektiologie 18. Mai 2015

Blau, grün, blau

Ebolaviren änderten Augenfarbe eines überlebenden Patienten

Nach dem Abebben der Seuche, rücken die Langzeitfolgen, etwa gefährliche Augenentzündungen ins Zentrum des Interesses. Mediziner fanden ein Reservoir für Ebolaviren in der Augenflüssigkeit eines Überlebenden.

Nicht einmal jeder dritte Ebola-Patientin Westafrika überlebt. Die Überlebenden gelten als immun gegen das Virus, aber krank, die Spätfolgen sind noch unerforscht (siehe auch Ebola-Bericht auf Seite 21).

So erzählt Victoria Gildor aus Liberia: „Nach einer Woche begannen meine Füße anzuschwellen, und mir fielen die Haare aus, auch habe ich starke Schmerzen in den Gelenken und in den Augen, so als hätte ich Sand darin.“ Jetzt hofft sie, in einer neuen Klinik für Ebola-Überlebende Hilfe zu finden, die im vergangenen Monat von Ärzte ohne Grenzen eröffnet wurde.

Nothilfekoordinatorin Leen Verhenne organisiert die physische und psychologische Hilfe: „Etwa bei den Problemen mit den Augen könnte es sich um eine Uveitis handeln, also eine Entzündung, die zu Blindheit führen kann, wenn sie nicht sofort behandelt wird. Wir wissen aber nicht, ob das von einer Immunreaktion des Körpers ausgelöst wird oder von einem Entzündungsprozess, der mit dem Ebola-Virus in Zusammenhang steht.“

Verblüffung in den USA

Eine, allerdings bizarre Folge, wurde bei dem US-amerikanischen Arzt Ian Crozier festgestellt. Der Mediziner überlebte dank eines starken Immunsystems und guter medizinischer Versorgung im Emory University Hospital in Atlanta eine Ebola-Infektion, die er sich im Herbst 2014 eingefangen hatte. Er wurde als geheilt entlassen. In seinem Blut ließen sich keine Ebolaviren mehr nachweisen. Zwei Monate später musste er allerdings in die Klinik zurückkehren, weil sich sein linkes Auge entzündet hatte.

Das Auge schwoll an, Crozier litt unter Sehstörungen. Ein Test ergab, dass sich Ebolaviren im Augapfel gehalten hatten. Das berichten Mediziner um Steven Yeh von der Emory University School of Medicine. Croziers Augenflüssigkeit sei voll mit Viren gewesen, was die Entzündung ausgelöst hatte, während weder Tränen aus der Tränendrüse noch den den Augapfel umgebende Gewebe den Erreger aufwiesen.

Bis dahin war lediglich bekannt, dass Ebolaviren in der Samenflüssigkeit von Überlebenden vorhanden sein können. Nicht aber, dass sie auch in anderen Reservoirs des Körpers überdauern. Die Forscher leiten aus ihrer Entdeckung aber keine weitere Ansteckungsgefahr ab. Crozier muss weiter zur Kontrolle.

Erklärung: Zehn Tage nach Einsetzen der Symptome hatte sich das Auge des Patienten zu verfärben begonnen. Die Iris wandelte sich von blau zu grün. Nach der Behandlung, als das Auge wieder ebolafrei war, wechselte die Färbung zurück in den Originalzustand.

Was die Mediziner vollkommen verblüffte. Denn krankheitsbedingte Farbwechsel, wie sie Herpesviren auslösen können, sind normalerweise nicht umkehrbar. Im vorliegenden Fall haben die Viren die farbtragenden Zellen aber womöglich nur beschädigt und nicht wie üblich zerstört. Nach überstandener Infektion konnten sie sich regenerieren, das Auge wurde wieder blau.

Erstaunen in Liberia

Die Ebola-Seuche ist die schlimmste Epidemie seit der Entdeckung des Virus in den 1970ern. Ab 1982 wiesen deutsche Forscher Infektions-Verdachtsfälle in Liberia nach. Erstaunt klingen die Zeilen von Liberias oberster Gesundheitsbeamtin, Bernice Dahn, in der New York Times: „Niemand kann mit gutem Gewissen sagen, es hätte keine Warnung gegeben. Ebola war bereits hier.“Bisher hatte es vonseiten der WHO stets geheißen, das Ebolafieber sei noch nie ausgebrochen, es habe auch niemand damit gerechnet.

ÄZ/Spektrum der Wissenschaft, Ärzte Woche 21/2015

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