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Infektiologie 4. Mai 2015

Montezumas Rache

Antibiotika könnten bei Reisedurchfall unangenehme Folgen haben.

Wen im Urlaub die Diarrhoe ereilt, der greift gerne zu einem Antibiotikum aus der Reiseapotheke. Damit bessern sich zwar meist die Symptome des Durchfalls, doch die Maßnahme birgt auch Risiken, die bislang unterschätzt werden.

Mehr als 300 Millionen Menschen reisen jedes Jahr in Gegenden mit schlechten hygienischen Bedingungen. Häufig kehren sie mit einer veränderten bakteriellen Besiedelung zurück, darunter äußerst resistente Darmkeime, die sie dann im Heimatland weitergeben. Dr. Anu Kantele von der Universität Helsinki und Kollegen haben jetzt in einer prospektiven Studie untersucht, welche Risikofaktoren die Mitnahme resistenter Darmbakterien aus dem Urlaub begünstigen ( Kantele A. et al., Clin Infect Dis. 03/2015 ). Unter anderem überprüften die Wissenschaftler die Auswirkungen von Antibiotikatherapien bei Reisediarrhö. Hierzu wurden Finnen, mit meist tropischem oder subtropischem Reiseziel, eingeschlossen, die im Travel Clinic of Aava Medical Center reisemedizinisch betreut wurden.

Zwei Drittel ereilte eine Darminfektion

430 Probanden lieferten vor und nach dem Urlaub eine Stuhlprobe zur Untersuchung auf Betalaktamase und Carbapenemase produzierende Enterobakterien (ESBL-PE bzw. CPE) ab. Außerdem gaben sie in einem Fragebogen unter anderem an, ob sie ein Antibiotikum eingenommen hatten. Zwei Drittel (67 %) der Reisenden hatten in ihrem Urlaub mit einer Darminfektion zu kämpfen, 15 Prozent nahmen ein Antibiotikum (79 % Fluorchinolone, 13 % Makrolide) ein, meist wegen der Darminfektion.

Die mikrobiologischen Untersuchungen ergaben, dass 21 Prozent der Urlauber nach der Reise mit ESBL-PE kolonisiert waren, keiner mit CPE. Als unabhängige Risikofaktoren für eine solche Besiedelung zeigten sich in der multivariaten Analyse das Reiseziel, eine Reisediarrhö sowie die Einnahme von Antibiotika gegen die Darminfektion. Außerdem stieg mit dem Alter von ≥ 18 Jahren das Risiko für eine Besiedelung mit ESBL-Keimen zunehmend an.

Nur bei 11 Prozent der Reiserückkehrer ohne Darminfektion und ohne Antibiotikaeinnahme wurden ESBL-PE aus dem Stuhl isoliert. Bei Durchfallpatienten, die kein Antibiotikum eingenommen hatten, lag die Quote bei 21 Prozent; mit Antibiotikum erreichte sie 37 Prozent.

Am höchsten war das Risiko für eine ESBL-PE-Besiedelung in Südasien. Von hier brachten 46 Prozent die resistenten Keime mit nach Hause. Ohne Reisediarrhö und ohne Antibiotikum hatten sich bei 23 Prozent der Südasienheimkehrer ESBL-produzierende Enterobakterien niedergelassen, von denjenigen mit unbehandelter Diarrhö waren 47 Prozent befallen und von denen, die die Darminfektion mit einem Antibiotikum therapiert hatten, 80 Prozent.

Relativ gering war das Risiko in Lateinamerika, und bei Reisenden innerhalb Europas, Australiens oder Amerikas wurden keine ESBL-Keime nachgewiesen. Eine Malariaprophylaxe mit Mefloquin, Atovaquon-Proguanil oder Doxycyclin beeinflusste die ESBL-PE-Kolonisierung nicht.

Ernsthafte Anstrengungen seien nötig, um die Ausbreitung resistenter Darmkeime rund um den Globus zu verhindern, so Kantele und Kollegen. Als wichtigste Maßnahmen gegen eine Kolonisierung mit resistenten Darmbakterien im Urlaub sehen Kantele und Kollegen die Prävention von Reisediarrhöen sowie einen restriktiveren Umgang mit Antibiotika bei der Behandlung von Darminfektionen. Urlaubern solle vor der Reise in ein Hochrisikogebiet von einer Antibiotikaprophylaxe sowie auch von der Selbstbehandlung mit Antibiotika bei leichter bis mittelschwerer Diarrhö abgeraten werden, so die Autoren.

Ausblick

Der Schwerpunkt der kommenden Ausgabe der Ärzte Woche wird Reisemedizin sein und ein DFP-Literaturstudium zum Thema haben.

springermedizin.de, Ärzte Woche 19/2015

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